Nicos Heimspiel am Yachthafen

Deutscher Pass, im Herzen Monegasse. Rosberg lebt seit dem Babyalter im Fürstentum und denkt noch viel ans Motorendröhnen im Kinderzimmer.
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„Monaco ist meine Heimat“: Der Deutsche Nico Rosberg (23), der im Alter von gerade mal zwei Wochen ins Füstentum kam, vor dem berühmten Yachthafen. Foto: dpa
az „Monaco ist meine Heimat“: Der Deutsche Nico Rosberg (23), der im Alter von gerade mal zwei Wochen ins Füstentum kam, vor dem berühmten Yachthafen. Foto: dpa

Deutscher Pass, im Herzen Monegasse. Rosberg lebt seit dem Babyalter im Fürstentum und denkt noch viel ans Motorendröhnen im Kinderzimmer.

MONTE CARLO Der Scooter parkt direkt hinter dem weiß-blauen Lastwagen mit britischem Kennzeichen. Schräg davor, auf der anderen Seite des Gitters steht ein schlaksiger Blonder, das enganliegende dunkelblaue Hemd offen fast bis zur Brustmitte, und beantwortet Fragen. Wild durcheinander folgen Fragen auf Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch. Nico Rosberg hört sich, vor einer Sponsorentafel mit Blick auf die ruhig vor Anker liegenden Yachten im Hafen stehend, jede Frage lächelnd an und antwortet dann ohne viel nachzudenken in der jeweiligen Sprache des Fragestellers.

Eben war Rosberg noch am Strand joggen gewesen, dann war er in seine Wohnung gegangen, drüben bei seiner Lieblingsbar Jimmy'z an der Avenue Princess Grace. Er hatte schnell geduscht, sich seine Teamklamotten angezogen und war mit dem Scooter runtergefahren zum Yachthafen. Eine Strecke, die der 23-Jährige in seinem Leben schon einige tausend Mal absolviert hat. Früher war es sein Schulweg, keine 20 Meter von der Williams-Rennstall-Hospitality steht die International School of Monaco, die Rosberg besucht hat. Wie immer, wenn die Formel 1 im Fürstentum gastiert, ist die Schule geschlossen. „Die Rennwochenenden waren immer toll“, sagt Rosberg jetzt, „du lagst Donnerstag morgens im Bett und dein ganzes Zimmer war erfüllt von diesem unglaublichen Sound der Autos. Die ersten Bilder, die ich im Kopf habe, sind die von Ayrton Senna und seinem gelben Helm im McLaren.“ Jetzt fährt er selbst. Und das gar nicht schlecht. Im Training am Donnerstag fuhr der Williams-Pilot Bestzeit. Er hofft auf einen Sieg. Einen Heimsieg.

Rosberg war gerade mal fünf Jahre alt, als er zum ersten Mal in der Boxengasse in Monte Carlo war. An der Hand von seinem Vater Keke, 1982 Formel-1-Weltmeister, stand der kleine blonde Junge mittendrin im Gewühl von Mechanikern, Reifenstapeln und Fässern voller Benzin und schaute den Formel-1-Helden jener Zeit in die Augen.

Rosberg ist nicht der einzige Weltmeistersohn im aktuellen Fahrerfeld – bei Renault fährt auch Nelsinho Piquet mit – er ist auch nicht der einzige Pilot, der in Monaco wohnt. BMW-Pilot Robert Kubica oder Ferrari-Mann Felipe Massa etwa sind zwischen den Rennen auch öfter mal im Fürstentum. Aber Rosberg ist wohl der einzige, der nicht nur aus Steuerspargründen inmitten der Hochhausbunker und des glamourösen Yachthafens wohnt.

Rosberg kennt die wenigen Rasenplätze, auf denen man nachmittags mit seinen Schulfreunden gegen einen Ball treten kann, erst am Dienstag hat er im Stadtbezirk Fontvieille Fußball gespielt: er weiß, wo es die beste Pizza und das beste Eis gibt, das nicht so viel kostet wie ein Hauptgericht in durchschnittlichen Münchner Restaurants. „Das ist meine Heimat“, sagt Rosberg. Nicht über Wiesbaden, wo er geboren wurde und die Oma wohnt, und schon gar nicht sagt er es über Finnland, wo sein Vater herkommt. „Monaco ist meine Heimat“, präzisiert er, „hier bin ich aufgewachsen, meine Familie, meine Freunde, alle Leute, die ich kenne, sind hier.“

Tatsächlich wirkt Rosberg, der immer ein wenig wurzellos wirkt, wenn er ohne jegliche regionale Sprachfärbung Deutsch oder Englisch spricht, hier in Monaco lebhafter und leidenschaftlicher als sonst. Er gestikuliert mehr beim Reden, er trägt das Blondhaar etwas wirrer. Rosberg hat einen deutschen Pass, im Herzen aber ist er Monegasse. Zwei Wochen war er alt, als die Eltern mit ihm nach Monaco zogen. Für seine Nachbarn ist er nicht der Formel-1-Fahrer, der im Williams-Team um den Anschluss an die Spitze des Feldes kämpft, sondern nur Nico. „Dass ich Rennfahrer bin, fällt den Nachbarn immer nur ein, wenn hier das Rennen ist.“

Dann, wenn er in der Teamkleidung mit dem Scooter runter zum Yachthafen fährt.

Filippo Cataldo

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