Hamilton nach Sieg in China vor Titeltriumph

Shanghai (dpa) - Die vorzeitige Krönung im Riesenreich verpasst, aber in weltmeisterlicher Manier den Weg zur Formel-1-Krone bereitet: Mit breitem Grinsen und geballter Faust ließ sich Lewis Hamilton nach seinem eindrucksvollen Sieg beim Großen Preis von China feiern.
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Auf dem Podium nimmt Lewis Hamilton einen kräftigen Schluck aus der Flasche.
dpa Auf dem Podium nimmt Lewis Hamilton einen kräftigen Schluck aus der Flasche.

Shanghai (dpa) - Die vorzeitige Krönung im Riesenreich verpasst, aber in weltmeisterlicher Manier den Weg zur Formel-1-Krone bereitet: Mit breitem Grinsen und geballter Faust ließ sich Lewis Hamilton nach seinem eindrucksvollen Sieg beim Großen Preis von China feiern.

«Das ist ein nächster Schritt zum Titel, zu meinem Traum und dem Traum des Teams», sagte der 23 Jahre alte McLaren-Mercedes-Pilot, der mit seinem fünften Saisonsieg die Schmach von Shanghai aus dem Vorjahr tilgte und seinen Kritikern auf dem Asphalt die passende Antwort gab.

Rang fünf reicht Hamilton in zwei Wochen in Sao Paulo, um ausgerechnet in der Heimatstadt seines einzig verbliebenen Rivalen Felipe Massa jüngster Champion der Grand-Prix-Geschichte zu werden. Der WM-Spitzenreiter befürchtet nicht, dass sich das Schicksal von 2007 wiederholt: Damals war Hamilton mit ebenfalls sieben Punkten Vorsprung nach Brasilien gereist, am Ende aber leer ausgegangen. «Dies ist ein komplett anderes Jahr», versicherte er.

Hamiltons chancenloser Verfolger Massa konnte den Schaden in Shanghai dank eines geschenkten zweiten Platzes wenigstens begrenzen. Der bereits entthronte Titelverteidiger Kimi Räikkönen ließ seinen Teamkollegen sieben Runden vor Schluss quasi kampflos passieren. Massas Rückstand auf Hamilton (94) wuchs vor dem Saisonfinale dennoch auf sieben Punkte. Der Südamerikaner flüchtete sich in Durchhalteparolen: «Wir müssen den Kopf hoch halten.» Massa meinte: «Es war unmöglich, das Rennen zu gewinnen. Wir waren absolut am Limit.» Räikkönen kommentierte sein «Vorbeiwinken», das Erinnerungen an das Spielberg-Manöver von Michael Schumacher 2001 gegen dessen damaligen Ferrari-Kollegen Rubens Barrichello weckte, vielsagend: «Ich weiß, was das Team von mir erwartet.»

BMW-Sauber-Pilot Robert Kubica ist aus dem Titelrennen: Der Pole (75 Punkte) musste sich auf dem Shanghai International Circuit in dem wenig spektakulären 17. Saisonlauf nach einer verkorksten Qualifikation mit dem sechsten Rang abfinden. «Ich werde nun alles daran setzen, meinen dritten Platz in der Fahrer-Wertung gegen Kimi Räikkönen (69) zu verteidigen», sagte er. Teamkollege Nick Heidfeld (60) ist Gesamtfünfter. Vergeben ist für den bayerischen Rennstall auch die Chance auf den Konstrukteurstitel. Titelverteidiger Ferrari führt dort mit 156 Punkten vor McLaren-Mercedes (145) und BMW-Sauber (135).

Heidfeld belegte in Shanghai als bester Deutscher Rang fünf. «Wir sollten nicht zu enttäuscht sein», forderte der Mönchengladbacher, der nach seiner Strafversetzung wegen angeblicher Behinderung in der Qualifikation von Position neun aus gestartet war. Timo Glock aus Wersau schaffte es im Toyota mit einer Ein-Stopp-Strategie über die Gesamtdistanz von 305,066 Kilometern auf den siebten Platz. Sebastian Vettel (Heppenheim) landete im Toro Rosso auf Rang neun. Williams- Toyota-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) wurde enttäuschender 15. Adrian Sutil (Gräfelfing) fiel wegen eines Getriebedefektes am Force India bereits in der 16. von 56 Runden aus.

Hamilton war bei seinem Sieg in 1:31:57,403 Stunden nie ernsthaft in Gefahr. «Nach dem zweiten Tankstopp bin ich gecruist», beschrieb er sein eher gemütliches Fahren. «Riesig, Lewis. Ein fantastisches Rennen. Sehr diszipliniert. Das müssen wir in Brasilien fortsetzen», lobte Teamchef Ron Dennis seinen Schützling via Boxenfunk. «Cool. Fantastischer Job, Jungs», bedankte sich Hamilton. Ihm war die Genugtuung nach teilweise harscher Kritik seiner Kollegen wegen seines Fuji-Startmanövers deutlich anzusehen. «Wenn man eine Antwort geben kann und die sieht so aus, dann ist es am besten. Deutlicher kann man es kaum machen», meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, nachdem Hamilton zum zweiten Mal in seiner Karriere Pole, Sieg und die besten Rundenzeit eingefahren hatte.

Für eine Schrecksekunde im Silberpfeil-Lager sorgte lediglich ein Reifenschaden an Heikki Kovalainens McLaren-Mercedes. Der Finne musste im 36. Umlauf unplanmäßig in die Box und fiel damit als Hamilton-Helfer gegen die roten Rivalen aus. Zudem büßte das britisch-deutsche Team durch diesen Defekt wertvolle Punkte im Kampf um die Konstrukteurs-WM ein. Kovalainen musste später sogar wegen eines Defektes sein Auto in der Garage abstellen

Vor einem Jahr war Shanghai für Hamilton zum Alptraum geworden, als er im Kiesbett der Boxengasse stecken geblieben war. Mit seinem insgesamt neunten Karriere-Sieg rehabilitierte sich der Brite glänzend. Dank eines perfekt abgestimmten Silberpfeils und einer fehlerfreien Vorstellung dominierte Hamilton während des gesamten Grand Prix'. Bis zum ersten Boxenstopp seines schärfsten WM- Widersachers in der 15. Runde hatte er acht Sekunden Vorsprung auf Massa. Einen Umlauf später bogen der Engländer und der zweitplatzierte Räikkönen zum Reifenwechsel ein. Auch der zweite Stopp änderte nichts an Hamiltons Überlegenheit. «Eine weltmeisterliche Fahrt. Er hat nichts falsch gemacht. Jetzt muss er das Ganze nur noch in Sao Paulo umsetzen, dann ist er sicher ein würdiger Weltmeister», urteilte der ehemalige Champion Nikki Lauda.

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