Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg gibt im Interview zu: Manchmal hatte ich Angst

Ex-Formel-1-Star Nico Rosberg spricht im AZ-Interview über Gefahren des Sports und die Zukunft des Autos. Er glaubt: "In sieben Jahren werden nur noch Elektro-Autos verkauft werden."
| Thomas Becker
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Rico Rosberg und seine Frau Vivian.
dpa/Srdjan Suki Rico Rosberg und seine Frau Vivian.

Nico Rosberg wurde 2016 mit Mercedes den Weltmeister-Titel - danach beendete der heute 33-Jährige seine Karriere.

AZ: Herr Rosberg, haben Sie Erinnerungen an Ihre Spielzeugauto-Zeit als Kind?
NICO ROSBERG: Ich habe meinem Vater im Fernsehen zugeschaut (Keke Rosberg wurde 1982 Formel-1-Weltmeister, d.Red.) und auf dem Boden mit Autos gespielt. Die Vorstellung, dass Kinder bald mit Nico-Rosberg-Hot-Wheels spielen, ist total aufregend.

Ist das auch etwas für Ihre beiden Töchter?
Nein, die sind eher mit Barbies unterwegs. Ich kann nur hoffen, dass sie nie Rennfahrerinnen werden. Das geht für mich gar nicht!

Wann sind Sie zuletzt mit 300 Sachen unterwegs gewesen?
Puh, ich glaube beim letzten Rennen in Abu Dhabi 2016. Seitdem nie wieder.

Nico Rosberg: "Ich bin kein Adrenalin-Junkie"

Wie sehr fehlt Ihnen dieser Speed-Rausch?
Überhaupt nicht. Das ist für mich komplett abgehakt. Ich stelle mich jetzt anderen Herausforderungen im Leben. Den Wettkampf-Thrill finde ich anderswo, zum Beispiel vorgestern, als ich meinen Podcast gestartet habe, mit den ersten Gästen Bernie Ecclestone und Alejandro Agag, dem Gründer und CEO der Formel E. Da bin ich voll nervös, muss raus aus meiner Komfortzone, weil ich jetzt so ein Gespräch führen muss. Sonst habe ich immer ganz entspannt gelabert – nun bin ich plötzlich auf der anderen Seite.

Sie brauchen die Geschwindigkeit gar nicht? Viele Skifahrer zum Beispiel sind vogelwilde Autonarren.
Ich bin keiner dieser komplett verrückten Draufgänger, kein Adrenalin-Junkie. Ich bin viel bewusster, meide Risiko und Gefahr – obwohl man das gar nicht denken würde. Ich bin da anders. Ich hatte auch manchmal Angst im Rennauto. Wenn da ganz verrückte Passagen drin sind, habe ich mir schon gedacht: "Ey, das ist nicht gut hier! Wenn da was schief geht: Da hab’ ich jetzt keine Lust drauf."

Rosberg: "Ich brauch' den Wettkampf"

Welcher Sport ist nun angesagt?
Tennis. Das macht Spaß, ist aber sauschwierig. Das nervt mich auch. Früher war ich gewohnt, dass ich immer in allem nach einem Tag Profi war. Aber Tennis... Ich weiß nicht, ob’s das Alter ist, aber Mann, das ist so hart!

Nur Bälle schlagen oder Punkte spielen?
Nee, immer Matches! Ich brauch’ den Wettkampf, immer! Obwohl ich nicht gut spiele, habe ich großes Selbstvertrauen. Ich denke immer, ich putze alle weg, aber irgendwie kommt’s dann doch nicht so.

Rico Rosberg und seine Frau Vivian.
Rico Rosberg und seine Frau Vivian. © dpa/Srdjan Suki

Im April 2018 sind Sie als Investor in die FIA-Formel-E-Meisterschaften eingestiegen. Ist die Formel E die Zukunft des Motorsports?
Nein, es ist anders. Es ist die Zukunft der technologischen Entwicklung. Die Welt wird jetzt erst mal auf Elektro gehen, das ist der Weg. Die Elektro-Autos und die Motoren für die Straßen-Autos werden größtenteils in der Formel E entwickelt. Das ist faszinierend zu verfolgen und wird den Prozess auch beschleunigen.

Wird die Formel 1 auf Sicht noch röhren oder bald nurmehr summen?
Genau dieses Thema habe ich im Podcast mit Formel-E-Chef Alejandro Agag besprochen. Er sagt, dass die Formel 1 in sieben Jahren eigentlich auch elektrisch werden müsse. Aber die Formel E hat die Rechte darauf, das heißt, die Formel 1 dürfte gar nicht elektrisch werden.

Rosberg schwärmt von E-Technologie

Glauben Sie an den Durchbruch der E-Technologie?
In sieben Jahren werden nur noch Elektro-Autos verkauft werden. Dann wird auch die Infrastruktur dafür da sein, und dann macht es auch keinen Sinn, dass die Formel 1 noch mit Verbrennungsmotoren unterwegs ist. Wir werden uns da alle dran gewöhnen. Elektro wird die neue Zeit sein. Da sind schon viele Vorteile, die wir dann erst merken werden. Es wird in der Stadt viel ruhiger sein. Ich war jetzt mit dem Mission E von Porsche unterwegs: Diese puristische Ruhe! Und trotzdem sportliches Fahren – das hat schon was.

Besitzen Sie ein E-Auto?
Leider nicht, weil es noch nichts Sinnvolles gibt. Wenn es den EQ von Mercedes geben würde, würde ich den direkt nehmen. Ich brauche halt ein Familien-Auto, einen SUV. Bislang sind die noch zu teuer. Der Tesla X wäre super, aber der kostet ja ein Vermögen!

Was halten Sie von selbstfahrenden Autos?
Das wird auch kommen, Stück für Stück, zunächst in speziell abgegrenzten Bereichen, zum Beispiel in der Münchner Innenstadt. Das macht Sinn. Mit der App meine ganze Reise von zuhause mit einem Knopfdruck aktivieren! Mit dem kleinen Elektroroller zum autonomen Auto und los: Das wird super. Aber ich möchte trotzdem noch die Möglichkeit haben, mit einem V12-Motor in den Bergen herumzufahren. Warum nicht? Viele von uns werden für immer Auto fahren wollen, weil sie das einfach mögen. Ich hoffe, dass das erhalten bleibt.

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