Formel 1: 50 Millionen gegen Vettel und Button

Mitten in der Finanzkrise und der Budget-Debatte machen die Rennställe, was sie am besten können: Wettrüsten und Geld verbrennen. Vor allem BMW und Ferrari haben nochmal kräftig investiert.
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Red-Bull-Star Sebastian Vettel soll auch weiter für die Brausefirma jubeln.
dpa Red-Bull-Star Sebastian Vettel soll auch weiter für die Brausefirma jubeln.

Mitten in der Finanzkrise und der Budget-Debatte machen die Rennställe, was sie am besten können: Wettrüsten und Geld verbrennen. Vor allem BMW und Ferrari haben nochmal kräftig investiert.

BARCELONA Jenson Button fährt jetzt sogar den Terminator spazieren. Auf dem Heckflügel der superschnellen Brawn-Flunder vom aktuellen WM-Führenden prangen einige Actionszenen des vierten Terminator-Streifens, der demnächst in die Kinos kommt.

Das passt, findet Brawn-Geschäftsführer Nick Fry, schließlich kämpften da „Maschinen und menschlicher Einfallsreichtum um die Vorherrschaft".

Tatsächlich haben vor allem die großen Drei der Vollgas-Szene die letzten Wochen vor dem Europa-Auftakt am Sonntag in Barcelona (Sonntag, 14 Uhr, RTL und Premiere live) genutzt, um ihren Rückstand auf Brawn und Sebastian Vettels Rennstall Red Bull zumindest drastisch zu reduzieren.

Vor allem die Ferraris und BMWs sind kaum mehr wieder zuerkennen. „Das ist der größte Entwicklungssprung, den wir je von einem Rennen zum anderen gemacht haben", sagt Ferrari-Technikchef Aldo Costa. Die Scuderia verordnete der zuletzt flügellahmen Göttin eine Diät.

Das F 60B genannte aktuelle Auto wiegt rund sechs Kilo weniger als sein Vorgänger – in der Formel 1, in der um jedes Gramm gerungen wird, tatsächlich Welten.

„Fast jedes Teil ist neu" sagt auch BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. „Der Wagen wirkt jetzt viel ausgefeilter", findet Premiere-Experte Marc Surer. Auch McLaren-Mercedes baute den Silberpfeil kräftig um. Am Freitag experimentierte der Rennstall von Weltmeister Lewis Hamilton mit drei verschiedenen Frontflügeln und zwei unterschiedlichen Unterböden.

Die Langsamen unter den Großen haben aufgerüstet – und das alles nur, um dafür wieder mal richtig tief in die Taschen zu greifen. „Rund 50 Millionen Dollar", schätzt der frühere Teamchef Eddie Jordan, haben die Rennställe in die Aufrüstungswelle investiert. Allein bei Ferrari dürfte der Radikal-Umbau gut 20 Millionen Euro gekostet haben.

Mitten in der Wirtschaftskrise und in der allgemeinen Diskussion um die Budget-Obergrenze in der Formel 1 machen die Rennställe das, was sie am besten können: Wettrüsten und Geld verbrennen. Und das alles nur, um Button und Sebastian Vettel wieder einzufangen.

Eine andere Wahl gab es freilich nicht. Denn: „Wer hier in Barcelona schnell ist, der kann es überall sein", sagt Williams-Pilot Nico Rosberg. Das heißt im Umkehrschluss: Sollten die Top-Rennställe am Sonntag nicht näher an die Spitze kommen, können die Teamchefs die Saison getrost abhaken und sich schon mal überlegen, wie sie das Desaster den Vorständen zu Hause erklären wollen.

Und zumindest bei BMW sind sie sich darüber im Klaren, dass das hektische Nachrüsten durchaus Risiken birgt. „Der Schuss kann auch nach hinten losgehen", hatte Chefingenieur Willy Rampf schon vor einer Woche erklärt.

Am Freitag im Training landeten die BMW-Piloten Robert Kubica und Sven Heidfeld übrigens auf Rang 16 und 17, Felipe Massa im Ferrari wurde auch nur 15. "Wir haben uns verbessert, aber eben noch nicht genug", sagte Kubica.

Viel Geld also für nichts?

Filippo Cataldo, Peter Hesseler

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