Ferrari setzt ein Zeichen: Vettel erhält neues Chassis

Sebastian Vettel gurkt so langsam über die Strecken, dass Verschwörungstheorien durchs Netz geistern. Auch sein Ex-Chef sieht die Schuld beim Team. Doch Ferrari kommt seinem Fahrer nun entgegen.
| Johannes Schnabel
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
picture alliance/Xpb Images/POOL xpbimages.com/dpa

München - Noch vor wenigen Monaten, vor Beginn dieser Corona-Not-Saison der Formel 1, regierte die Hoffnung vieler Motorsport-Fans, dass es Sebastian Vettel nochmal allen zeigen würde, dass der viermalige Weltmeister nach dem Bekanntwerden seines Ferrari-Aus im Mai nun für sich alleine um den Titel fährt, losgelöst von allen Spekulationen. Nun aber zeigen Vettel und die Scuderia nur noch, wie zerstört ihr Verhältnis mittlerweile ist. Von Titel redet keiner mehr. Ferrari fährt nicht um Siege und bei Vettel reicht es gerade noch zu Platz 13 im WM-Klassement.

Sebastian Vettel steckt in der größten Krise seiner Karriere und schleicht mittlerweile so langsam über die Piste, dass selbst Experten die Fragezeichen im Gesicht stehen. Ein viermaliger Weltmeister, so der Tenor, verlernt doch nicht das Autofahren. Der große einstige Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sieht die Schuld dafür nicht alleine beim Deutschen. "Für mich ist er ein Champion und ein sehr guter Team-Fahrer", erklärte er im RTL-Interview. "Wenn er gewinnt, tut er das mit dem Team. Wenn er nicht gewinnt, macht er das auch mit dem Team. Er ist sehr schnell und manchmal braucht ein Champion auch eine gute Umgebung, um es mal so auszudrücken." Mit anderen Worten: Ferrari selbst könnte das Problem sein.

Neues Fahrgestell für Vettel

Auch Ex-Champion Nico Rosberg vermutet eher, dass zumindest am Auto etwas nicht stimmt, dass etwa das Chassis beschädigt ist. Doch diese "Ausrede" ist Vettel nun genommen: Beim sechsten Saisonrennen in Barcelona (Sonntag, 15.10 Uhr/RTL und Sky) erhält der Heppenheimer von Ferrari ein neues Fahrgestell. Und damit neue, ungeahnte Möglichkeiten? "Nach dem vergangenen Rennen in Silverstone" habe die Scuderia "einen kleinen Schaden entdeckt", antwortete der zuständige Chef-Ingenieur Simone Resta zwar, dämpfte aber gleich die Hoffnung der Vettel-Fans, dass damit der Grund für alle Probleme gefunden ist: Der Schaden habe im Zweifel "keinen großen Effekt auf die Performance", sagte er. Und auch Vettel meinte am Donnerstag bei der Pressekonferenz: "Ich erwarte keine Wunder. Es wird ein hartes Wochenende für uns."

Dennoch setzt die Scuderia zumindest ein Zeichen in einer Phase, in der Verschwörungstheorien durchs Netz geistern: Nach Vettels Ausbootung zum Jahresende, so raunen einige, kümmere sich das Team nun vor allem um den Erfolg seines Stallrivalen Charles Leclerc – und lässt Vettel im Gegenzug umso schlechter aussehen. Der Chassis-Tausch könnte dem Heppenheimer nun helfen, im Zweifel schiebt er ihm aber auch ungewollt den Schwarzen Peter zu. Denn in Barcelona wird man jetzt genau hinschauen, ob Vettels Formkurve wirklich nach oben geht.

Vettel will sich nicht an Verschwörungstheorien beteiligen

Es könnte nämlich durchaus noch andere Erklärungen für Vettels miese WM-Platzierung geben. Fahrfehler häufen sich seit einer Weile ohnehin beim Deutschen, diese Vorfälle ziehen sich schon durch die vergangenen zwei Jahre. Es scheint, als habe Vettel in der zweiten Hälfte seiner Zeit bei Ferrari das Vertrauen und die Sicherheit verloren.

Will er auch 2021 weiter in der Formel 1 fahren, sollte er möglichst schnell zeigen, was er weiterhin zu leisten im Stande ist. Ein Tiefpunkt wie in Silverstone hilft da nicht. Dass der Ferrari momentan kein Siegerauto ist, hat sich zwar herumgesprochen, aber Leclerc wurde in den beiden England-Rennen immerhin Dritter und Vierter – während Vettel weder im Qualifying noch im Rennen über Rang zehn hinauskam.

Vettel selbst will sich an Verschwörungstheorien nicht beteiligen, eine Antwort hat aber auch er nicht. Ob er glaube, dass Ferrari zwei identische Fahrzeuge einsetze, wurde er zuletzt im britischen Sender Sky Sports gefragt. "Ich weiß es nicht", sagte er, "ich denke, es gibt etwas, das ich übersehe. Ich bin aber nicht sicher, was es ist." Ein neues Chassis in Barcelona könnte Erkenntnisse liefern. Vettel muss aber auch selbst mit Leistung antworten. Es könnte seine letzte Chance sein.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren