Einmal Schampus, vier Mal Selters

Nur Ausnahme-Talent Sebastian Vettel glänzt mit einem Sieg. Die anderen deutschen Piloten beenden eine eher bescheidene Formel-1-Saison.
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Quintett mit unterschiedlicher Bilanz: Nico Rosberg (von li.), Timo Glock, Sebastian Vettel, Adrian Sutil, Nick Heidfeld.
dpa Quintett mit unterschiedlicher Bilanz: Nico Rosberg (von li.), Timo Glock, Sebastian Vettel, Adrian Sutil, Nick Heidfeld.

SAO PAULO - Nur Ausnahme-Talent Sebastian Vettel glänzt mit einem Sieg. Die anderen deutschen Piloten beenden eine eher bescheidene Formel-1-Saison.

Ach, könnte man sich doch nur den perfekten Formel-1-Fahrer schnitzen. Würde man sich dann von den fünf deutschen Formel-1-Fahrern die jeweils besten Eigenschaften leihen, dann wäre klar, wer der legitime Nachfolger von Michael Schumacher wäre. 137 Punkte holten Nick Heidfeld, Sebastian Vettel, Timo Glock, Nico Rosberg und Adrian Sutil in dieser Saison. Mehr als genug, um Weltmeister zu sein.

Alleine aber hatten die fünf deutschen Raser heuer nichts mit dem Titel zu tun. Richtig überzeugen konnte nur Sebastian Vettel, der in Monza sensationell sein erstes Rennen gewann und in Brasiliejn keck Lewis Hamilton überholte und dem Briten beinahe die WM vermasselt hätte. Einmal Schampus, viermal Selters, so die Bilanz der fünf deutschen Piloten

NICK HEIDFELD (BMW)

Der Mönchengladbacher wollte dieses Jahr endlich seinen ersten Sieg feiern. Das misslang gründlich. Zwar wurde der BMW-Pilot viermal Zweiter und holte insgesamt 60 Punkte, doch „er ist von seinem Teamkollegen Robert Kubica entzaubert worden“, wie der dreimalige Weltmeister und RTL-Experte Niki Lauda sagt. Ein vernichtendes Urteil für den Routinier, der sein Cockpit bei BMW wohl nur behalten durfte, weil sich BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen mit Fernando Alonso, dem zweimaligen Weltmeister und Favoriten des BMW-Vorstandes, nicht über einen Vertrag einigen konnte. „Es ist schade, dass ich gerade dann, als ich zum ersten Mal in meiner Karriere ein konkurrenzfähiges Auto hatte, meine schwächste Saison gefahren bin“, sagt auch Heidfeld selbst einsichtig.

SEBASTIAN VETTEL (TORO ROSSO)

Der Heppenheimer war die Überraschung der Saison. In Monza holte er sich mit gerade mal 21 Jahren als jüngster Fahrer aller Zeiten seinen ersten Sieg. Vettel gilt als potenzieller Nachfolger von Michael Schumacher. „Er ist die Sensation! Sein Talent, seine natürliche Art, mit dem Rennsport und dem ganzen Drumherum umzugehen, seine Freude an der Sache - über ihn kann man nur Positives sagen“, meint Niki Lauda. Noch euphorischer ist Ex-Fahrer Christian Danner: „Sebastian ist einfach eine ganz besondere Fahrerpersönlichkeit. Er ist nicht nur jung und lustig, sondern bietet in der Summe all seiner Eigenschaften etwas, was es in der Formel 1 noch nicht gegeben hat. Mittelfristig fährt er um die WM mit." Zunächst wechselt Vettel nächste Saison für zwei Jahre zum Toro-Rosso-Mutterteam Red Bull. Danach wird ihn wohl Theissen zurück zu BMW holen. Oder Schumacher zu Ferrari.

TIMO GLOCK (TOYOTA)

Eigentlich erstaunlich, wie schnell sich Timo Glock bei Toyota etablieren konnte. Der 26-Jährige holte in seiner ersten kompletten Formel-1-Saison nach anfänglichen Startschwierigkeiten bis jetzt 22 Punkte – und erstaunte die Experten. „Timo hat mich immer wieder überrascht. Zuletzt war er wirklich gut unterwegs. Für mich war Timo hinter Sebastian Vettel der deutsche Fahrer, der am meisten gezeigt hat", sagt Lauda. Glock selbst bezeichnet sein Jahr als „Genuss“: „Das Team hat hinter mir gestanden, wir haben gemeinsam Höhen und Tiefen verarbeitet und uns nach oben entwickelt.

NICO ROSBERG (WILLIAMS)

Zwei Podestplätzen stehen zwölf Rennen ohne Punktgewinn gegenüber. Das dritte Formel-1-Jahr für den Sohn des ehemaligen Weltmeisters Keke Rosberg war ein verlorenes. „Im Prinzip war er gut unterwegs, allerdings mit großen Durchhängern durch die Performance des Autos, wofür er nichts kann“, sagt Lauda, „weil er aber auch selber Fehler gemacht hat und der Williams nicht gut lief, ist er gleich doppelt in die Falle getappt." Rosberg erlebte vielleicht die enttäuschendste Saison von allen Deutschen, weil er Ende 2007 eigentlich als Teamkollege von Lewis Hamilton zu McLaren-Mercedes wechseln sollte. Das Veto von Williams verhinderte dies allerdings. „Es ist fast schon tragisch, dass er noch beiWilliams-Team hängt und Zeit verliert“, sagt Danner. Aussicht auf Besserung besteht eigentlich nicht. Auch nächstes Jahr muss der ehrgeizige Rosberg bei Williams bleiben.

ADRIAN SUTIL (FORCE INDIA)

Die beste Nachricht vorweg: Der Gräfelfinger wird auch nächstes Jahr in der Formel 1 Gas geben dürfen. Allerdings wird er wieder im schlechtesten Auto sitzen. Keinen einzigen Punkt konnte Sutil dieses Saison im Force India holen. Elf von 17 Rennen musste er gar vorzeitig beenden – meistens weil sein Auto kaputt ging. „Er kann so gut wie nichts zeigen, weil sein Rennwagen nichts hergibt. Unmöglich deshalb, mehr über ihn zu sagen", sagt Lauda. „Es überwiegen leider die negativen Momente“, gibt Sutil zu. Ausnahme Monaco Da lag er auf Platz vier, als ihn Kimi Räikkönen abschoss. Wenn’s schlecht läuft, kommt eben auch noch Pech dazu. [

F. Cataldo

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