Die Spar-Lüge

Sie wollten ihre Kosten reduzieren, drastisch sogar. Doch die Dominanz des neuen Brawn-Teams zwingt die Formel-1-Rennstelle wieder zum Geldausgeben.
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Der Aufwand, den etwa der Formel-1-Rennstall von Ferrari in der Formel 1 betreibt, ist beträchtlich. Jetzt wollen die Roten ihr (langsames) Auto nachbessern. Und das kostet.
Perenyi/Augenklick Der Aufwand, den etwa der Formel-1-Rennstall von Ferrari in der Formel 1 betreibt, ist beträchtlich. Jetzt wollen die Roten ihr (langsames) Auto nachbessern. Und das kostet.

Sie wollten ihre Kosten reduzieren, drastisch sogar. Doch die Dominanz des neuen Brawn-Teams zwingt die Formel-1-Rennstelle wieder zum Geldausgeben.

MÜNCHEN Da ist sie wieder, die doppelzüngige Fornel 1: Auch nach dem sensationellen Doppelsieg der weißen Brawn-Flundern beim Auftaktrennen in Melbourne ist kein Tag vergangenen, an denen die Teamchefs der arrivierten Rennställe nicht lautstark darauf aufmerksam gemacht haben, dass die Emporkämmlinge aus dem britischen Brackley eigentlich mit einem regelwidrigen Auto um den Seg kämpfen würden.

„Die Diffusoren sind nicht legal – die wurden legal gemacht“, sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Seine Kollegen von Ferrari, Renault und Red Bull legten gegen die Doppeldiffusoren, welche die Boliden rund eine halbe Sekunde pro Runde schneller machen sollen, Beschwerde bei der FIA ein.

Die Entscheidung des Berufungsgerichts, das am 14. April in Paris tagen wird, abwarten will aber kein Rennstall. Stattdessen entwickeln alle Konkurrenten längst schon selbst neue Unterböden und Diffusoren. Unterböden und Diffusoren, die sie momentan als illegal betrachten!

„Das Geldausgeben hat bereits begonnen, wir können ja nicht warten, bis irgendwann jemand sagt, dass es verboten ist", verrät BMW-Motorsportchef Mario Theissen. Bereits beim dritten Rennen in Shanghai (19. April) könnten die BMW-Boliden von Robert Kubica und Nick Heidfeld mit einem komplett neuen Unterboden ausgestattet sein.

Noch schneller geht's bei McLaren-Mercedes, dem Team des Weltmeisters. Die Silberpfeile wollen ihre unterlegenen Boliden bereits für das nächste Rennen in Malaysia am Sonntag (11 Uhr, RTL und Premiere live) mit neuen Teilen ausstatten. Unter der Woche wurden laufend neue Teile von der Fabrik in Woking nach Malaysia geflogen.

„Wir müssen schneller entwickeln als die Konkurrenz", erklärt Haug, „das ist wie beim Bergsteigen: Wenn Sie schon im Basislager zwei stehen und auf den Gipfel wollen, geht das schneller als von Basislager eins aus. Wir müssen von Basislager eins aus einen schnelleren Speed anschlagen, um in Basislager drei mit der Konkurrenz gleichzuziehen und dann hoffentlich oben eine Nasenlänge Vorsprung zu haben."

Ferrari hat gar schon bei den Ingenieuren in Italien einen komplett neuen Hinterwagen in Auftrag gegeben. Kostenpunkt: Rund 20 Millionen Euro. Und das schon nach dem ersten Rennen! Die Rennställe, die sich ja dieses Jahr eigentlich das Sparen auf die Fahne geschrieben haben, machen also das, was sie am besten können: Geld ausgeben.

„Wenn die Diffusoren nicht verboten werden, werden wir in Barcelona (10. Mai) Autos mit Ansaug-Effekt haben, müssen dazu jedoch das halbe Auto umbauen. Und dann reden sie darüber, die Kosten zu reduzieren", ätzt Renault-Teamchef Flavio Briatore schon. „Wenn jetzt alle umbauen müssten, dann konterkariert das die Sparpläne. Wir wollten doch Geld sparen", sagt Haug. Die Sparlüge in der Formel 1.

Die Schuld daran hat, wenn man Theissen, Briatore und den anderen Teamchefs der derzeit unterlegenen Rennställe zuhört, aber die FIA. Schließlich hätte die in Bezug auf die Doppeldiffusoren keine eindeutigen Regeln geschrieben. Sollten die Doppeldiffusoren endgültig erlaubt werden, würde das Geldausgeben vor allem für Ferrari und BMW richtig losgehen. Wegen der relativ breiten Getriebe und Hecks ihrer Autos können sie nicht einfach eine zweite Kohlefaserplatte in ihren Diffusor einziehen. „Wir müssten bei der Karosserie anfangen. Aber später müssen auch andere Komponenten umgebaut werden.“ sagte Theissen dem Fachblatt „Motorsport Aktuell“, „die Entwicklung daran würde nie aufhören.“ Schöne neue Formel 1? Von wegen.

Filippo Cataldo

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