Die Mut-Strecke von Spa: Vettels Unbekannte

Wetterkapriolen und Schumi-Nostalgie: Der Grand-Prix von Belgien in Spa bietet reichlich Spannung. "Für uns Fahrer eine der schönsten Strecken"
| Thomas Becker
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Vettels Vorbild Michael Schumacher (l.) triumphierte in Spa sechsmal. Dessen Sohn Mick soll am Sonntag daran erinnern.
dpa Vettels Vorbild Michael Schumacher (l.) triumphierte in Spa sechsmal. Dessen Sohn Mick soll am Sonntag daran erinnern.

Spa - Schauer und Gewitter, Niederschlagswahrscheinlichkeit 60 Prozent, Gewitterrisiko 50 Prozent. Es ist wie immer in Spa: alles drin, rein wettermäßig. Und das spielt auf der Mut-Strecke mit der legendären Kurve Eau Rouge eine größere Rolle als bei anderen Formel-1-Grand Prixs.

Dem Führenden der Gesamtwertung, Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, dürften diese wechselhaften Wetterbedingungen in die Karten spielen. Denn wenn es nach der Papierform geht, ist die sieben Kilometer lange Strecke in den Ardennen mit der sehr langen Geraden und den vielen Hochgeschwindigkeitskurven wie gemacht für die kräftigen Silberpfeile und deren Piloten: Lewis Hamilton und Valtteri Bottas.

Zwar hat Vettel schon zwei Mal den Großen Preis von Belgien gewonnen (2011 und 2013), doch die Sieger der letzten Jahre stiegen am Ende aus einem Mercedes. Vor einem Jahr gewann Nico Rosberg, vor zwei Jahren Hamilton.

Für den zurückgetretenen Weltmeister Nico Rosberg ist klar, wer das WM-Rennen letztlich machen wird: "Ich bin immer noch felsenfest davon überzeugt, dass Mercedes das Ding nach Hause fahren wird. Aber Ferrari hält echt stark dagegen. Hut ab, was die für einen Sprung gemacht haben. Die waren ja im Niemandsland letztes Jahr."

Vettel wollte sich derweil auf keine Prognose einlassen: "Spa ist vom Wetter her immer eine Unbekannte. Das kann großen Einfluss auf das Rennen haben. Für uns Fahrer ist es eine der schönsten Strecken des Jahres." Vor dem zwölften von 20 WM-Läufen in Spa-Francorchamps (Sonntag, 14 Uhr/RTL und Sky) führt der Heppenheimer die Fahrerwertung mit 14 Punkten Vorsprung vor Hamilton an, möchte aber dennoch nicht an den Titel denken: "Im Moment schaut es gut aus. Es ist aber noch ein sehr langer Weg."

Nach dem Familienurlaub in der Schweizer Wahlheimat ist der 30-Jährige bereit für den entscheidenden Saisonabschnitt im Kampf um den ersten Formel-1-Titel mit Ferrari. Mit einem Sieg 25 Jahre nach dem ersten Grand-Prix-Erfolg seines großen Vorbildes Michael Schumacher will sich Vettel einstimmen auf das sicherlich sehr emotionale Heimrennen der Scuderia nur eine Woche später in Monza. Zwei Grand Prixs zum Abschied 2017 aus Europa, bei denen es um mehr als nur Punkte, sondern auch um Prestige und Psycho-Kämpfe geht. "Wir haben das beste Auto", sagt der WM-Spitzenreiter und ergänzt mit Blick auf den Kurs nahe der deutschen Grenze: "Unser Wagen war dort immer gut."

Nun ja: In Spa konnte Ferrari seit 2009 nicht mehr gewinnen. Den letzten Sieg eines Ferrari hatte Kimi Räikkönen dort geholt. Er ist mit vier Erfolgen der Rekordsieger in Spa unter den aktuellen Piloten. An die sechs Siege Schumachers könnte er rechnerisch rankommen - Räikkönens Vertrag wurde am Dienstag um ein weiteres Jahr verlängert. Im Kampf Ferrari vs. Mercedes fällt dem 37 Jahre alten Finnen allerdings nurmehr die Rolle des Edelhelfers für Vettel zu. Der Deutsche kann wahrlich jeden Zähler gebrauchen, um am Ende der Saison Räikkönen als letzten Ferrari-Champion (2007) abzulösen. Vettel zöge damit auch nach Titeln mit Juan-Manuel Fangio gleich. Nur Schumacher, dessen Erfolgsstory so eng mit Spa verbunden ist, wäre mit sieben noch zwei voraus.

Vor einem Vierteljahrhundert feierte Schumacher in Spa den ersten Sieg seiner 91 Rennerfolge. Sohn Mick, der sich in der Formel 3 auf mögliche höhere Aufgaben vorbereitet, soll vor dem Rennen am Sonntag mit dem Weltmeister-Auto seines Vaters von 1994 auf der Ardennen-Achterbahn für Nostalgie und eine gehörige Portion Gänsehaut sorgen.

Und danach ein Vettel-Sieg im Ferrari, und das auch noch im "Wohnzimmer" seines Vorbildes Michael Schumacher: Bei dieser Konstellation könnte es aus Vettels Sicht wahrscheinlich auch Backsteine regnen, ohne dass ihm das Lachen verginge.

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