Die Formel Rätsel

Mark Webber, Gewinner des Grand Prix in Monte Carlo, ist bereits der sechste Sieger im sechsten Formel-1-Rennen. „Wir wissen einfach nicht, was passiert“, sagt Sebastian Vettel.
| Filippo Cataldo
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Als Mark Webbers mit einem gekonnten Rückwärtssalto in den Dachterassen-Pool der mondänen Red-Bull-Residenz im Fahrerlager von Monte Carlo seinen Sieg beim prestigeträchtigsten Rennen des Jahres feierte, war Sebastian Vettel längst auf dem Weg nach unten. „Ich hatte keine Lust auf Baden und außerdem keine Ersatzklamotten dabei“, so die lapidare Anmerkung des Weltmeisters. Letztes Jahr war er selbst noch in den Pool gesprungen, damals bejubelte Vettel im Fürstentum seinen fünften Sieg im sechsten Saisonrennen. Doch 2011, das Jahr der totalen Vettel-Dominanz in der Formel 1, ist längst vorbei. Diese Saison ist die große Ausgeglichenheit in die Vollgasszene eingezogen. Webber war der sechste Sieger im sechsten Rennen – das ist ein neuer Rekord. So richtig glücklich darüber, dass heuer wohl, wie Vettels und Webbers Teamchef Christian Horner glaubt, „sechs bis sieben Fahrer Weltmeister werden könnten“, ist in der Szene aber irgendwie niemand wirklich. Zu unberechenbar scheint die Formel 1 geworden. „Du kommst jedes Mal an eine Strecke und kannst vorher überhaupt nicht sagen, wo du stehst“, sagt Silberpfeil-Pilot Nico Rosberg, der in seiner heimat Zweiter wurde. „Für die Fans sind die vielen Rennsieger ja gut, aber uns macht es das Leben schwer. Wir wissen einfach nicht, was passiert“, sagte Vettel.
Nun könnte man es sich einfach machen und Vettel als schlechten Verlierer abstempeln, der genervt ist, dass er seine Dominanz verloren hat. Passend dazu tauchten am Rande des Rennens in britischen Medien Gerüchte auf, dass Vettel bereits einen Vorvertrag bei Ferrari unterschrieben hätte. Ab 2014 stünde Vettel demnach bei der Scuderia im Wort. „Da hatte wohl jemand freien Platz in seiner Zeitung. Ich habe nichts unterschrieben“, sagte Vettel aber dem Fachmagazin „auto motor und sport“. Überhaupt wäre die Fluchttheorie zu einfach gedacht. Vettel ist bisher nicht aufgefallen als jemand, der einfach so aufgeben würde. In Monte Carlo ist er nach einer klugen Fahrt von Startplatz neun auf Rang vier gefahren und liegt in der Gesamtwertung mit 73 Zählern nur drei Punkte hinter dem Führenden Fernando Alonso, es ist noch alles drin für ihn.
Vielmehr scheinen auch alle anderen Top-Fahrer langsam an der Formel Rätsel zu verzweifeln. „Vielleicht haben wir ja nach dem nächsten Rennen in Montreal sieben Sieger, keine Ahnung. Aber etwas Routine wäre jetzt mal schön“, bekannte sogar Webber, der nun genauso viele Punkte wie Vettel gesammelt hat. „Dass wir zu diesem Zeitpunkt die WM anführen, hätte ich nach dem ersten Rennen niemals geglaubt“, gestand auch Alonso. Teamchef Stefano Domenicali meinte: „Diese WM ist schwer zu verstehen." Klar ist allen nur, dass nichts klar ist. Lange nicht mehr war vor den Renn-Wochenenden so offen, wer am Sonntag den Schampus verspritzen darf. Die Regelreformen haben die Teams enger zusammenrücken lassen, die sensiblen Pirelli-Reifen sorgen für Hochspannung. Selbst bei Mercedes, die einerseits in Nico Rosberg den Fahrer, der in den letzte vier Rennen am meisten Punkte von allen holte und andererseits aber mit Michael Schumacher den größten Pechvogel – Schumi fiel zum vierten Mal in dieser Saison aus – unter Vertrag haben, weiß man nicht so recht, was man von dieser Saison halten soll. Immerhin verweist Sportchef Norbert Haug darauf, dass die Formel Rätsel für die Zuschauer spannend sei. „Es ist unheimlich eng, Kleinigkeiten machen den Unterschied. Das wird ein langes Jahr“, meinte Vettel.

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