Das traurige Jubiläum

Nick Heidfeld gewann zuletzt am 24. Juli 1999 ein Autorennen – in der Formel 3000. Seit zehn Jahren versucht das Ex-Talent, in der Formel1 zu siegen. Doch auch am Sonntag in Ungarn ist er chancenlos.
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Am Sonntag in Budapest wird Nick Heidfeld in seinem unterlegenen BMW den bereits 160. Grand Prix seiner Karriere bestreiten. Gewonnen hat er noch keinen.
Bongarts/Getty Images Am Sonntag in Budapest wird Nick Heidfeld in seinem unterlegenen BMW den bereits 160. Grand Prix seiner Karriere bestreiten. Gewonnen hat er noch keinen.

Nick Heidfeld gewann zuletzt am 24. Juli 1999 ein Autorennen – in der Formel 3000. Seit zehn Jahren versucht das Ex-Talent, in der Formel1 zu siegen. Doch auch am Sonntag in Ungarn ist er chancenlos.

BUDAPEST Dieses Glänzen in den Augen soll jeder sehen. Nick Heidfeld nimmt seine vollverspiegelte Sonnenbrille ab, lacht, rückt seine weiße Kappe, die er auf seinem linken Knie abgelegt hat, zurecht und sagt: „Ja, die Knieschützer waren zerkratzt. Das war das Ziel.“

Am Montag ist der BMW-Pilot Motorrad gefahren, am Nürburgring drehte er einige Runden mit der Maschine, die BMW in der Superbike-WM einsetzt. „Das war ein sensationelles Erlebnis", sagt Heidfeld, „ich habe mir schon vor dem Test gedacht, dass ich nach der Formel-1-Karriere auf jeden Fall an Motorradrennen teilnehmen möchte, dieses Vorhaben wurde jetzt auf jeden Fall nochmal befeuert."

Drei Tage sind seit Heidfelds Ausflug auf zwei Rädern vergangen, jetzt sitzt er im oberen Stockwerk des BMW-Motorhomes am Hungaroring. Draußen knallt unbarmherzig die Sonne auf den Asphalt, drinnen summt die Klimaanlage. Heidfeld hat die Sonnenbrille bereits wieder aufgesetzt, als er noch etwas klarstellen möchte: „Das liegt aber in weiter Ferne. Jetzt werde ich bestimmt keine Rennen fahren mit dem Motorrad.“ Nicht, dass irgendjemand auf falsche Gedanken kommt.

"Ich hatte die meiste Zeit kein Auto, mit dem man gewinnen konnte"

Heidfelds Gegenwart heißt seit fast zehn Jahren Formel 1. 2000 fuhr der mittlerweile 32-Jährige in einem Prost sein erstes Rennen in der Königsklasse des Motorsports. Er galt als Supertalent. Im Jahr zuvor hatte er den Europameister-Titel in der Formel 3000, der damals wichtigsten Nachwuchsklasse, gewonnen. Mit so vielen Punkten wie noch nie ein Fahrer vor ihm.

Vier Rennen gewann er in jener Saison insgesamt. Das letzte am 24. Juli 1999 in Spielberg. Ein überlegener Sieg vor Franck Montagny, der später mal für Toyota Formel-1-Autos testen durfte und Fabrice Walfisch, der mal das Kunststück fertig brachte, seinen Porsche im Hafenbecken von Monaco zu versenken. Formel-1-Fahrer blicken nicht gerne zurück in die Vergangenheit, aber an den 24. Juli 1999 kann sich Heidfeld noch erinnern. Es war der Tag, als er sein letztes Rennen gewann.

Zehn Jahre sieglos, das ist ein eher trauriges Jubiläum. Doch Heidfeld ist auf die Frage vorbereitet. „Ja, das ist mir bewusst", sagt er, die Brille wieder in der Hand. „Aber diese Tatsache feuert mich nur noch mehr an und macht mich nur noch hungriger auf Siege", ergänzt er, „überhaupt ist es so, dass ich über die letzten Jahre in der Formel 1 immer größeren Hunger auf Siege bekommen habe.“ Das mag sein. Doch er wird sich weiter gedulden werden. Denn auch sein 160. Rennen am Sonntag auf dem Hungaroring (14 Uhr, RTL und Sky live) wird Heidfeld sicher nicht gewinnen.

Da macht er sich gar keine Illusionen, sein BMW ist dieses Jahr einfach zu schlecht. „Es wird schwer genug werden, in die Punkte zu fahren“, sagt er sogar. Seine Stimme ist dabei ruhig und abgeklärt: „Es ist, wie es ist.“ Schicksalsergeben wirkt Heidfeld, auch wenn er das dementiert. „Ich gebe auf jeden Fall alles und kämpfe so gut ich kann. Aber man muss einfach akzeptieren, dass das Auto derzeit einfach nicht besser ist", sagt er, „und daran können wir Fahrer nicht so viel ändern.“

Nick Heidfeld hat diese Sätze schon öfter gesagt in dieser Saison. Sie gehen ihm leicht von den Lippen. Auch für seine Sieglos-Serie hat er eine Erklärung. „Ich hatte die meiste Zeit einfach kein Auto, mit dem man gewinnen konnte“, meint er. Das stimmt, Heidfeld war oft zur falschen Zeit am falschen Ort. Außer eben letztes Jahr, als sein Teamkollege Robert Kubica das Rennen in Montreal gewann, er selbst aber wieder sieglos blieb. „Da hatte ich auf jeden Fall ein Auto, das gut genug war, aber leider hatte ich dann Probleme“, meint er. Aus dem einstigen Toptalent ist Seuchenvogel geworden.

Und doch hat er den Glauben an einen Sieg noch nicht aufgegeben. „Ich weiß, dass ich gewinnen kann", sagt er. Nur müsste er es irgendwann beweisen. Ex-Formel-1-Fahrer Andrea de Cesaris schaffte einst 208 Rennen ohne Sieg. Heidfeld will noch sieben Jahre in der Formel 1 fahren. De Cesaris Rekord einstellen möchte er jedoch nicht.

Filippo Cataldo

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