Abbey, die Queen und die krummen Nasen

Am Sonntag beginnt in Melbourne die neue Saison der Formel 1 – mit „den hässlichsten Autos aller Zeiten“. Schön ist lediglich die Front des McLaren.
| Filippo Cataldo
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Am Sonntag beginnt in Melbourne die neue Saison der Formel 1 – mit „den hässlichsten Autos aller Zeiten“. Schön ist lediglich die Front des McLaren. Der Wagen der Briten könnte sogar Titelverteidiger Sebastian Vettel im Red Bull gefährlich werden.

Sebastian Vettel ist ja glücklich vergeben. Schon seit Schulzeiten ist er mit seiner Hanna zusammen. Doch sobald am Sonntag in Melbourne die neue Formel-1-Saison losgeht (7 Uhr MEZ, RTL und Sky live), gilt die Konzentration des Weltmeisters der vergangenen zwei Jahre vor allem einer anderen Dame. Abbey haben Vettel und seine Mechaniker das Auto getauft, mit dem der Heppenheimer seinen dritten Titel einfahren will. Nach „Luscious Liz“ und „Kinky Kyle“ nun also schlicht Abbey, benannt auch nach Abbey Road, der Kult-Platte von Vettels Lieblingsband The Beatles.

„Eigentlich wollten wir das Auto ,Everybody's wife’ („Schlampe“, die Red.) nennen, aber das kam uns doch ein bisschen zu unangemessen vor", erklärte Vettel. Und so muss der neueste Red Bull vorerst ohne sexuelle Anspielungen auskommen. Zumindest gönnten sich die vorwiegend britischen Mechaniker des Weltmeister-Teams gestern einen Spaß – und stellten auf den Vorderwagen des RB8 ein Plastikfigürchen von Queen englische Queen – stilecht im fliederfarbenen Kostümkleid, mit schwarzer Handtasche und der unvermeidlichen Krone.

Doch auch die Mini-Queen kann aus Abbey keine Schönheit mehr machen. Wie die meisten Boliden der Klasse 2012 trägt auch Vettels Dienstwagen heuer einen dieser mindestens gewöhnungsbedürftigen Höcker auf der Nase. Formel-1-Legende und RTL-Kommentator Niki Lauda spricht gar von den „hässlichsten Autos aller Zeiten“ in der Formel 1. Und Vettels Teamkollege Marc Webber meinte immerhin: „Wir Fahrer sehen sie aus dem Cockpit gar nicht. Aber ja, sie sind hässlich.“

Immerhin gilt der Red Bull aber vorerst immer noch als schnellstes Auto im Feld. Grund für diesen neuen Mut zur Hässlichkeit sind neue Sicherheitsbestimmungen. Damit die Piloten sich bei Seitencrashs nicht gegenseitig aufspießen können, wurde die Maximalhöhe der Nasen verringert. Da aber die Rennställe auch aus Kostengründen keine komplett neuen Autos bauen wollten, setzten die Konstrukteure nur die Nasen nach unten, daher die Höcker. Und so mutet die aktuelle Designparade in der Formel 1 an wie ein Wettbewerb der Hässlichkeit: von plumpen Hakennasen wie beim neuen Ferrari oder langen und schmalen Storchennasen wie bei Mercedes oder recht kompakten, aber eben höckerbehafteten Vorderteilen wie bei Red Bull oder Lotus ist alles noch letztes Jahr Unvorstellbare dabei.

Aber schön ist in der Formel<TH>1 seit jeher vor allem ein Auto, das schnell ist. Daran erinnerte schon Martin Whitmarsh, der Teamchef von McLaren. Der redet sich freilich leicht. Denn der aktuelle McLaren gilt nicht nur als schnell – in den Wintertests überzeugten Lewis Hamiton und Jenson Button mit konstant schnellen Zeiten, Lauda sieht die Briten sogar schon auf Augenhöhe mit Titelverteidiger Red Bull – sondern ist auch unbestritten das schönste Auto im Feld. Der wie immer in Woking gebaute Bolide ist insgesamt flacher, daher kommt die Nase ohne Höcker aus. Sie ist stattdessen geschwungen, ja krumm.

Und weil der aktuelle Ferrari durch die Kurven rutscht wie ein Sportwagen aus den Sechziger Jahren und dazu noch als nahezu unfahrbar gilt – Superstar Fernando Alonso wurde von der Scuderia vor Saisonbeginn sogar mit einem Kritik-Verbot belegt – wird das wahrscheinlichste Duell in Melbourne um die Spitze heißen: Abbey oder die krummen Nasen aus Großbritannien. Außenseiterchancen auf den Sieg in Melbourne werden ansonsten nur Mercedes und Lotus um Formel-1-Rückkehrer Kimi Räikkönen eingeräumt.

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