Basketball-Hauptstadt – oder alles im Eimer?

Beim Pokaldrama dahoam verpasst der FC Bayern den Triumph denkbar knapp. Ein tropfendes Rohr trübt die Organisationsbilanz des Turniers. „Das wird in München die Hallendiskussion befeuern.“
| Julian Buhl
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Große Geste: Berlins Kapitän Alex King (l.) gratuliert den unterlegenen Bayern-Spielern nach dem Finale zu ihrer Leistung.
sampics/Augenklick Große Geste: Berlins Kapitän Alex King (l.) gratuliert den unterlegenen Bayern-Spielern nach dem Finale zu ihrer Leistung.

München -Svetislav Pesic zeigte in der Niederlage diesmal Größe und erwies sich nach dem mit 65:67 gegen Alba Berlin verlorenen Pokalfinaldrama dahoam seiner Bayern-Basketballer als guter Verlierer. Dazu gehörten die anerkennenden Worte („Sie haben den Sieg verdient“), die er an sein Gegenüber, Berlins Coach Sasa Obradovic, richtete und auch der Handschlag nach der Pressekonferenz – den ihm Bambergs Coach Andrea Trinchieri nach der Halbfinalniederlage noch verweigert hatte.

Damit war die abschließende Fragerunde der Journalisten eigentlich beendet. Der Bayern-Coach echauffierte sich aber noch immer über eine Frage eines Berliner Journalisten, der hatte wissen wollen, ob das defekte Wasserrohr unter der Hallendecke das Endspiel in irgendeiner Form beeinflusst hätte. Immerhin war deshalb in der Nacht ja Wasser auf das Spielfeld getropft, das Spiel um Platz drei abgesagt worden und auch das Finale kurzzeitig fraglich.

Das Leck wurde provisorisch abgedichtet und ein Auffangeimer darunter befestigt. Auch während des Endspiels musste der Court auf Höhe der Mittellinie auffällig oft trockengewischt werden. Von all dem habe er nichts gewusst, sagte Pesic: „Was ist das für eine Frage? Ich dachte, hier geht es um Basketball.“ Andere hatten sich da deutlicher zum Eimer-Gate beim erstmals in München ausgetragenen Top-Four-Turniers geäußert. Alles im Eimer? „Die Party fällt ins Wasser“, sagte Bambergs Manager Rolf Beyer nach dem geplatzten kleinen Finale süffisant zur AZ, um jenes gleich grundsätzlich in Frage zu stellen: „Das ist die Höchststrafe, da noch einmal antreten zu müssen, keine 16 Stunden nach einem verlorenen Halbfinale.“ Freilich sei eine Dichte von Spielen für ein solches Event wichtig, aus besagten Gründen „ist unsere Mannschaft aber nicht so böse“ ob der Absage.

„Die Bayern haben sich extrem ins Zeug gelegt, um ein echtes Event zu kreieren“, sagte Beyer und sprach anerkennend von einer Werbeveranstaltung für den deutschen Basketball: „Das fing am Freitag mit dem Bankett in der Allianz Arena an, da haben sie wirklich gezeigt, was sie können.“ Der FC Bayern hat sich als guter Gastgeber und München sich zumindest für zwei Tage durchaus als würdige Basketballhaupt Deutschlands präsentiert. Mit einem neben dem Audi Dome aufgebauten Fanzelt hatte man der Veranstaltung sogar ein wenig Oktoberfest-Feeling verliehen – mit Blaskapelle, Lederhosen und allem, was eben so dazu gehört. Auch die Skurrilität, aufgrund der Auslosung gegen Bamberg in der eigenen Halle als Auswärtsteam spielen zu müssen, hatte der FC Bayern klaglos hingenommen. Umso ärgerlicher, dass es ein unter der Hallendecke befestigter Eimer dann doch fertig brachte, das Bild der scheinbar makellosen Organisation zu trüben. „Das ist höhere Gewalt“, sagte Beyer, „aber das wird sicherlich in München die Hallendiskussion wieder befeuern. Soweit ich weiß, ist da noch nicht alles in trockenen Tüchern, ob Eishockey und Basketball in derselben Halle stattfinden können. Wenn sie hierbleiben, müssen sie einiges mit der Halle machen.“

Aus sportlicher Sicht brachte das Top Four vor allem zwei Erkenntnisse: Zum einen ist Bamberg den Bayern nicht enteilt, was der Blick auf die Bundesligatabelle ja zeitweise vermuten ließ. „Wenn du einem Team zeigst, dass du sie schlagen kannst, ist das immer ein Statement“, sagte Bayerns Deon Thompson. Und zum anderen sind aus den zwei großen Bs, Bayern und Bamberg, nach Berlins Überraschungscoup wieder drei geworden.

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