42 Tage ohne Tennis: Das war sehr schwer

42 Tage hat Niki Pilic wegen der Corona-Krise auf Tennis verzichten müssen – die längste Pause in seinem Leben. "Es war sehr schwer".
| Thomas Becker
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"Ich muss nur 80 Treppenstufen runtersteigen, dann bin ich am Meer", sagt Tennis-Ikone Niki Pilic, der in Opatija lebt.
imago "Ich muss nur 80 Treppenstufen runtersteigen, dann bin ich am Meer", sagt Tennis-Ikone Niki Pilic, der in Opatija lebt.

München - AZ-Interview mit Niki Pilic: Die kroatische Tennis-Legende (80) gewann 1970 die US Open im Doppel und war auch Trainer des deutschen Davis-Cup-Teams.

AZ: Herr Pilic, das Wichtigste zuerst: Wie geht’s Ihnen?
NIKI PILIC: Mir geht’s gut, danke. Ich kann wieder Tennis spielen! Dann geht’s mir gleich viel, viel besser.

Seit wann sind die Plätze in Opatija wieder geöffnet?
Seit gut zwei Wochen trainieren wir wieder – nach 42 Tagen Pause. Gott sei dank, ich bin so glücklich!

Keine Ausgangssperre mehr?
Nein, aber wir müssen halt aufpassen, Abstand halten und so.

Tennis in der Corona-Krise

42 Tage ohne Tennis: Das hatten Sie wahrscheinlich in Ihrem ganzen Leben noch nicht.
Natürlich nicht. Das war sehr schwer für mich. Mein ganzes Leben lang habe ich zwei Mal am Tag trainiert. Aber gut, das ist halt eine Extrem-Situation, da muss man aufpassen, gerade in dem Alter, in dem ich und meine Frau nun sind.

Wie sind Sie mit der langen Pause umgegangen?
Ich muss nur 80 Treppenstufen runtersteigen, dann bin ich am Meer. Da bin ich mit meiner Frau jeden Tag ein paar Kilometer spaziert. Ansonsten: etwas Fernsehen, ein bisschen Lesen – so geht die Zeit rum.

Mit 80 gehört man in der Corona-Krise zur Risiko-Gruppe – macht Ihnen das Virus Angst?
Angst nicht, aber ich passe schon auf mich auf. Wir machen nichts, wo viele Leute sind. Viel mehr kann ich ja nicht tun. 

Wie ist die Situation in Deutschland?
Unter strengen Auflagen darf auf Tennis-Plätzen wieder gespielt werden.

Was ist mit der Bundesliga?
Die Fußballer setzen die Saison Mitte Mai fort, die Tennis-Bundesliga ist abgesagt.

Niki Pilics Geburtstag auf dem Tennisplatz

Aber zu Ihnen: Im August haben Sie 80. Geburtstag gefeiert – und Ihren Ehrentag großteils auf dem Tennisplatz verbracht...
Ja, natürlich, das ist ganz normal, warum nicht?

Gab es kein großes Fest?
Nein, nicht groß. Der 70er war groß, der 80er langsamer.

Aber alle Ex-Schützlinge und Davis-Cup-Sieger wie Boris Becker haben gratuliert, oder?
Richtig, das machen die immer.

"Ich muss nur 80 Treppenstufen runtersteigen, dann bin ich am Meer", sagt Tennis-Ikone Niki Pilic, der in Opatija lebt.
"Ich muss nur 80 Treppenstufen runtersteigen, dann bin ich am Meer", sagt Tennis-Ikone Niki Pilic, der in Opatija lebt. © imago

Kurz nach Ihrem Geburtstag Ende August jährt sich Ihr Doppel-Sieg bei den US Open zum 50. Mal: 1970 gewannen Sie mit Pierre Barthès gegen die berühmte Formation Rod Laver/Roy Emerson...
Das war fantastisch. Wenn du gegen die Nummer eins und die Nummer zwei der Welt gewinnst, dann heißt das: Du spielst ein gutes Tennis. Das war schon ein sehr schönes Gefühl. Und das vor 14.000 Leuten – darauf bin ich stolz. Ich habe das wirklich verdient, denn ich habe sehr gut gespielt.

Wissen Sie noch, wie viel Preisgeld Sie damals bekommen haben? Der Einzelsieger im vergangenen Jahr bekam 3,85 Millionen Dollar, die Doppelsieger je 700.000 Dollar.
Ach, bei uns gab es fast nichts. Ich weiß es nicht mehr genau, vielleicht 100 Dollar. Und einen schönen Pokal. Der steht noch heute bei mir im Schrank.

War das Ihr größter Sieg als aktiver Spieler?
Schon, aber auch das Einzelfinale bei den French Open 1973 in Roland Garros. Leider hat es dreieinhalb Tage lang geregnet, und auf dem langsamen Platz habe ich dann gegen Ilie Nastase verloren. Auf einem normalen Platz hätte ich sicher gute Chancen gehabt. Aber das war schon ein gutes Jahr für mich.

Kurz nach den French Open sind Sie vom Weltverband für das Turnier in Wimbledon gesperrt worden – weil Sie sich geweigert hatten, für Jugoslawien im Davis Cup gegen Neuseeland anzutreten. Aus Protest erklärten sich 81 Spieler solidarisch, darunter 13 der 16 Gesetzten, und riefen zu einem Wimbledon-Boykott auf.
Das war nötig, weil in dieser Zeit Leute im internationalen Tennisverband waren, die hundert Jahre in der Vergangenheit lebten. Du kannst das Produkt nicht ohne Spieler verkaufen. Ich hatte damals eine sehr wichtige Position gehabt (Pilic ist Gründungsmitglied der ATP, Anm. d. Red), habe mich für Preisgelder eingesetzt und vieles mehr. Von da an gingen die Zahlen ja nur noch nach oben.

Und Jan Kodes hat sich als Wimbledonsieger gefreut, dass die Konkurrenz so überschaubar war!
Der wäre sonst nie ins Finale gekommen!

Corona-Krise: Lange Pause für die Profis

Wann das nächste Finale gespielt werden kann, steht in den Sternen. Wie hart ist diese lange Pause für die Profis?
Es wird sicher im ersten Monat sehr komische Resultate geben. Aber Profis wie Federer, Nadal oder Djokovic wissen schon sehr genau, was sie machen. Die trainieren alles, was möglich ist, halten sich fit, sitzen nicht faul zuhause rum.

Wie lange dauert es, bis man wieder in Wettkampfform ist?
Ich schätze mal drei Wochen. Das kommt alles schon recht schnell wieder zurück.

Sitzen die Cracks wirklich brav daheim, oder gibt es womöglich den ein oder anderen gut versteckten Trainingsplatz?
Ich glaube nicht, dass die draußen spielen. Federer spielt – wie ich gehört habe – gegen die Wand, Nadal hat über 40 Tage lang keinen Schläger in der Hand gehabt. Im Moment ist nicht so viel los.

Von Alexander Zverev heißt es, dass er in Florida recht normal trainieren kann.
In Amerika ist das wohl möglich. Die haben andere Regeln.

Ein Wettbewerbsvorteil.
Schon, aber es gibt auch 75.000 Corona-Tote in den USA!

Training junger Tennis-Spieler

Dann doch lieber bei Ihnen in Opatija. Wie viele Spieler trainieren Sie derzeit?
Zwei, einen 16- und einen 18-Jährigen.

Wie lange stehen Sie mit denen auf dem Platz?
Drei Stunden pro Tag.

Und? Ist ein neuer Djokovic dabei? Der kam damals als Zwölfjähriger an Ihre Akademie in Oberschleißheim...
Keine Prognose! Ich bin zufrieden. Die spielen nicht schlecht. Mal sehen, was daraus wird.

Lesen Sie hier: Tennis-Star Hanfmann - "Die Polizei war fast jeden Tag da"

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