Interview

Alexis Pinturault: "Es ist schwer, die richtige Motivation zu finden"

Der französische Ski-Superstar Alexis Pinturault (28) spricht in der AZ über seine Covid-19-Erkrankung, die neue Saison unter Pandemie-Bedingungen, die Fehler der Fis - und das Champions-League-Finale.
| Thomas Becker
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Abflug in die neue Weltcup-Saison: Bei Frankreichs Superstar Alexis Pinturault hält sich die Vorfreude allerdings noch in Grenzen.
Abflug in die neue Weltcup-Saison: Bei Frankreichs Superstar Alexis Pinturault hält sich die Vorfreude allerdings noch in Grenzen. © imago images/GEPA pictures

Der 28-jährige Franzose zählt auch heuer zu den Favoriten auf den Sieg im Alpin-Weltcup. Seine Spezialität sind der Riesenslalom und die Kombination.

Sommertraining vor traumhafter Kulisse: Muskelmann Pinturault hielt sich während der letzten Monate im Hotel seiner Familie fit.
Sommertraining vor traumhafter Kulisse: Muskelmann Pinturault hielt sich während der letzten Monate im Hotel seiner Familie fit. © imago images/Eibner Europa

AZ: Monsieur Pinturault, alle reden über Corona, Sie haben den Virus Ende März abbekommen. Wie ging es Ihnen da, und wie geht es Ihnen heute?
ALEXIS PINTURAULT: Nach dem Abbruch der Weltcup-Saison war ich zu Hause in Courchevel, im Hotel unserer Familie (das 5-Sterne-Hotel Annapurna, Anm. der Red). Dort gab es einige Infizierte, und so hat es dann auch mich erwischt. Und meine ganze Familie: Frau, Vater, Bruder.

Pinturault über seine Corona-Infektion

Wie schlimm war's?
Halb so wild. Zwei Tage Kopfschmerzen und Fieber. Riechen und schmecken kann ich aber bis heute noch nicht alles - nach sieben Monaten! Das Nervensystem ist angegriffen, meinten die Ärzte.

Wie sehr greift ein positiver Corona-Befund auch die Psyche an?
Wir wissen immer noch nicht, was mit dem Virus passieren wird. Es gibt so viele Unsicherheiten: Wie lange werden welche Grenzen offen sein? Welche Beschränkungen wird es geben? Jeder hat viele Fragen, und das macht es auch mental schwierig.

Ski-Pensum bleibt gleich

Haben Sie Urlaub machen können?
Zehn Tage Portugal - allerdings viel später als sonst. Statt im April ging es nur im August - zu einer Zeit, wo ich sonst längst wieder auf Skiern stehe.

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Schlechte Voraussetzungen für einen Vielfahrer wie Sie, der sowohl Speed als auch die technischen Disziplinen fährt. Werden Sie Ihr Pensum reduzieren?
Nein, alle Slaloms und Riesenslaloms, ein paar Super-Gs und die Kombination. Es kann aber sein, dass ich irgendwann den Plan ändern muss.

"Viele Dinge haben Athleten nicht in der Hand"

Wieso?
Derzeit sagt die FIS: Wenn ein Teammitglied positiv getestet wird, muss die ganze Mannschaft in Quarantäne. Egal, ob ich mit demjenigen in Kontakt war oder nicht. Das ist für einen Athleten schwer zu begreifen. Für mich ist das echt tricky: Ich bin mal mit dem Speed-Team, mal mit dem Technik-Team unterwegs. Es kann also sein, dass ich Rennen verpasse, weil ein französisches Teammitglied positiv ist. In diesem Fall würde ich den Fokus auf die WM in Cortina legen. Es können so viele Dinge passieren, die wir Athleten nicht in der Hand haben.

Gehen all diese Unsicherheiten auch auf die Motivation?
Ich tue mir schwer, die richtige Motivation zu finden. Was können wir Sportler tun? Statt in Hotels gehen wir in Appartments, um so wenig wie möglich Kontakt mit anderen zu haben.

Als die vergangene Saison am 12. März abgebrochen wurde, lagen Sie aussichtsreich auf Platz zwei der Gesamtwertung, nur 54 Punkte hinter Aleksander Aamodt Kilde. Sie hätten ihn in den letzten Rennen wohl noch abfangen und sich zum besten Skifahrer krönen können, im Jahr eins nach Marcel Hirscher. Wie ärgerlich war der Abbruch?
Das war schon sehr speziell - und schwer zu verstehen und zu akzeptieren. Ich kann nicht sagen, dass ich traurig bin - oder dass es unfair war. Aber bei der Entscheidung zum Abbruch kamen viele Faktoren zusammen, die niemand mehr kontrollieren konnte. Für mich war es einfach Pech.

Der Reisenslalom in der Kritik

Neben dem Riesenslalom ist die Kombination Ihre Spezialität - eine Disziplin, die seit Jahren in der Diskussion ist. Ständig werden die Regeln geändert, einige fordern sogar, die Kombination abzuschaffen. Was sagen Sie?
Die Idee der alpinen Kombination war von Anfang an die, zu zeigen, wer der kompletteste, der polyvalenteste Skifahrer ist. Sie vereint zwei Extreme in einer Disziplin: Abfahrt und Slalom. Ich mag dieses Event. Vergangene Saison hat man gesehen, dass es schon besser funktioniert hat: Es gab Abfahrer auf dem Podium, was zuvor nie der Fall war. Die Kombination ist auf jeden Fall eine Disziplin der Zukunft - anders als der Parallelslalom.

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Die mögen Sie nicht so? Schon das zweite Saison-Rennen wird ein Parallel-Riesenslalom sein, im November in Zürs.
Parallelslalom ist eine richtig schlechte Disziplin. Allein das Cross-Blocking: Die Tore mit Fäusten und Unterarmen wegboxen - ein riesiger Vorteil für große Kerle. Zudem ist es echt gefährlich, erst recht im Parallel-Riesenslalom, wegen der höheren Geschwindigkeit: 70 km/h!

Wenn einer stürzt und in den anderen reinkracht, kann der ihm mit den Kanten der Skier das Bein aufschneiden. Es ist jedenfalls definitiv nicht das Jahr, um die Kombination zugunsten des Parallelslaloms zu vernachlässigen. Die FIS sagt, sie wolle Abfahrer nicht mit Slalomfahrern mischen, nicht zu viele gemeinsame Frauen- und Männer-Rennen haben: Das widerspricht sich. In Sölden und Zürs fahren Frauen und Männer, Abfahrer werden immer wieder auf Techniker treffen - das ist alles nicht straight, nicht klar.

Alexis Pinturault - Der Fußballer

Klingt als wären Sie nicht zufrieden mit der Arbeit der Fis.
Nicht zu 100 Prozent. Natürlich ist es heuer nicht einfach, einen Rennkalender zu bauen. Aber man muss sich ja nur mal die anderen Sportarten anschauen: Die Formel 1 fährt seit Monaten, MotoGP, Tennis, sogar die Tour de France hat stattgefunden. Die Fis hatte also viele Möglichkeiten, sich Inspirationen für den Winter zu holen.

Auch bei den Fußballern. Bei denen wären Sie als Teenager fast gelandet, bevor Sie sich fürs Skifahren entschieden haben. Welche Position haben Sie gespielt?
Innenverteidiger.

Ihr Klub?
Ich habe keinen Lieblingsklub, drücke aber den französischen Teams die Daumen, zum Beispiel Olympique Lyon.

Dann eher nicht PSG.
Nein, nein, ganz klar lieber Lyon.

Und im Champions-League-Finale?
Gute Frage. International ist der FC Bayern einer meiner Lieblingsklubs, aber als Franzose war ich schon auch für PSG. Sagen wir so: Ich habe mich für beide gefreut, dass sie es ins Finale geschafft haben.

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