Zwischen Chaos und Melancholie: Familie Merz auf tragikomischem Roadtrip

Nach diesmal kurzer Pause kehrt die Chaosfamilie zurück: Im vierten Film "Merz gegen Merz: Entscheidungen" geht es bei Christoph Maria Herbst und Annette Frier als Ex-Ehepaar wieder drunter und drüber - inklusive eines tragikomischen Roadtrips.
Maximilian Haase |
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Erik (Christoph Maria Herbst) und Anne Merz (Annette Frier) begeben sich mit der ganzen Sippe diesmal auf einen melancholischen Roadtrip.
ZDF/Brendan Uffelmann 8 Erik (Christoph Maria Herbst) und Anne Merz (Annette Frier) begeben sich mit der ganzen Sippe diesmal auf einen melancholischen Roadtrip.
Silvia (Alexandra von Schwerin, links) und Maria (Claudia Rieschel) planen ihre große Verlobungsfeier, Jonas (Nikolaus Benda) soll ihnen dabei helfen.
ZDF/Brendan Uffelmann 8 Silvia (Alexandra von Schwerin, links) und Maria (Claudia Rieschel) planen ihre große Verlobungsfeier, Jonas (Nikolaus Benda) soll ihnen dabei helfen.
Hat Renate (Carmen-Maja Antoni) Geheimnisse vor ihrem Mann Günter (Bernd Stegemann)?
ZDF/Brendan Uffelmann 8 Hat Renate (Carmen-Maja Antoni) Geheimnisse vor ihrem Mann Günter (Bernd Stegemann)?
Roadtrip mit Hindernissen: Ludwig (Michael Wittenborn) und Renate (Carmen-Maja Antoni) stranden im Nirgendwo.
ZDF/Brendan Uffelmann 8 Roadtrip mit Hindernissen: Ludwig (Michael Wittenborn) und Renate (Carmen-Maja Antoni) stranden im Nirgendwo.
Kann das gut gehen? Der demente Ludwig (Michael Wittenborn) freundet sich langsam mit Silvia (Alexandra von Schwerin, rechts) an, der Freundin und Fast-Verlobten seiner Frau Maria (Claudia Rieschel).
ZDF/Brendan Uffelmann 8 Kann das gut gehen? Der demente Ludwig (Michael Wittenborn) freundet sich langsam mit Silvia (Alexandra von Schwerin, rechts) an, der Freundin und Fast-Verlobten seiner Frau Maria (Claudia Rieschel).
Zwischen Erik (Christoph Maria Herbst, rechts) und seinem Sohn Leon (Philip Noah Schwarz) gibt es bisweilen Zoff.
ZDF/Brendan Uffelmann 8 Zwischen Erik (Christoph Maria Herbst, rechts) und seinem Sohn Leon (Philip Noah Schwarz) gibt es bisweilen Zoff.
Soraya (Süheyla Ünlü) steckt tief in ihrer Arbeit, ihr Partner Leon (Philip Noah Schwarz) will dagegen mehr Familienleben.
ZDF/Brendan Uffelmann 8 Soraya (Süheyla Ünlü) steckt tief in ihrer Arbeit, ihr Partner Leon (Philip Noah Schwarz) will dagegen mehr Familienleben.
In der Beziehung zwischen Jonas (Nikolaus Benda) und Anne (Annette Frier) geht es auf und ab.
ZDF/Brendan Uffelmann 8 In der Beziehung zwischen Jonas (Nikolaus Benda) und Anne (Annette Frier) geht es auf und ab.

Manchmal geht es schneller als gedacht: Mussten die Fans der Dramedy "Merz gegen Merz" zuvor knapp zwei Jahre auf neuen Stoff der Chaosfamilie warten, geht es 2026 Schlag auf Schlag: Auf den dritten Spielfilm "Geständnisse", der die Merzens erst im Frühjahr in ein Spa-Hotel verfrachtete, folgt nun der vierte Film der vor sieben Jahren als Serie gestarteten Reihe. Schöpfer Ralf Husmann scheint die Geschichte um Christoph Maria Herbst und Annette Frier als geschiedenes Ehepaar noch lange nicht auserzählt zu haben. Wobei sich die Motive naturgemäß wiederholen: In "Merz gegen Merz: Entscheidungen" geht es abermals um Liebesfeste und Beziehungskrisen, während das Ganze in einem tragikomischen Roadtrip gipfelt.

Der Film, wie immer unter Regie von Felix Stienz, lässt seine Protagonisten und das Publikum mehr denn je ein Wechselbad der Gefühle durchleben. Dem Drehbuch von Husmann und Annekathrin Lang, die bereits den letzten Film erstmals mitverantwortete, gelingt ein unterhaltsamer Spagat zwischen Humor und Tragik, zwischen Slapstik und Melancholie. Während sich die titelgebenden Ex-Ehepartner Anne (Frier) und Erik (Herbst) einander weiterhin annähern, dreht sich zunächst alles um das geplante Verlobungsfest von Annes Mutter Maria (Claudia Rieschel) und Silvia (Alexandra von Schwerin), die ihre Liebe im letzten Film endlich offenbart hatten. Nun soll gefeiert werden, standesgemäß mit Schokobrunnen, Eisskulpturen und Erotikzauber. Alles geplant von Annes verplantem Lebensgefährten Jonas (Nikolaus Benda), der allerdings eher unbeholfen seine Beziehung retten will ("Auf einer Skala von Thunfisch bis Tiramisu bist du eine Pizza Margherita.")

Nachdenklicher denn je

Doch es kommt wie immer anders: Als Maria ihrem dementen Noch-Ehemann Ludwig, herausragend gespielt von Michael Wittenborn, von der angedachten Verlobung berichtet, haut er mal wieder aus dem Pflegeheim ab - diesmal aber meint er es ernst: Mithilfe von Eriks Mutter Renate (wunderbar: Carmen-Maja Antoni) will er nach Holland reisen, um dort freiwillig zu sterben. Das ganze Leben mache "keinen Sinn mehr, dass ich überhaupt noch da bin", verzweifelt er. Als die Sippschaft durch Eriks Vater Günter (Bernd Stegemann) vom Ernst der Situation erfährt, wird aus der Partyplanungs-Dramedy ein wehmütiger Roadtrip, der einen tatsächlich über denn Sinn des Daseins reflektieren lässt. "Das Leben ist kostbar" - "Ja, aber meins nicht mehr", bringt einer der wunderbaren Dialoge das Dilemma auf den Punkt.

Wunsch nach Sterbehilfe, Einsamkeit im Alter, Trauer um ein gelebtes Leben: "Merz gegen Merz" fährt im vierten Film wirklich großes Drama auf. Zwar kommen abermals auch toll inszenierte Beziehungsproblemchen und Fremdscham-Slapstick nicht zu kurz - dafür sorgen allein die Streitigkeiten zwischen dem unmotivierten Merz-Sohn Leon (Philip Noah Schwarz) und dessen karriereorientierter Partnerin Soraya (Süheyla Ünlü).

Doch mit der Story um die finale Reise wirkt die ohnehin niemals platte Reihe diesmal nachdenklicher denn je. Schuld daran hat auch ein tiefgehender Blick auf Liebe, Eifersucht und Nostalgie, der mit entsprechender Musik (Holland-Bilder zu "Lonesome Town") und schönen Bonmots keineswegs ausschließlich ironisch daherkommt. Das kann hoffnungsvoll sein ("Das ist nicht mehr meine Welt" - "Das ist die einzige, die wir haben"), oder ernüchtert: "Heute gibt's von allem zu viel, Maschinen, Batterien, nur die Menschen um einen herum, die werden immer weniger", sagt Ludwig an einer Stelle - und hat damit natürlich recht.

"Du sollst es doch mal besser machen als ich"

Wie kaum ein anderes hiesiges Format versteht es "Merz gegen Merz" die laufend scheiternde Kommunikation in Beziehungen auf den Punkt zu bringen: "Redet ihr denn nicht miteinander?" - "Klar reden wir. Zum Beispiel, ob die Würstchen reichen, ob der Ketchup noch da ist". So wie die so liebenswerten Figuren immer wieder aneinander vorbeireden, ist das große Drehbuch- und Schauspielkunst.

Dass es auch anders gehen kann, versucht Erik seinem Sohn auf den Weg zu geben: "Du sollst es doch mal besser machen als ich", hofft er in hübscher Abwandlung des alten Spruchs. Es könne doch nicht sein, "dass die ganzen Merz-Männer immer wieder denselben Fehler machen". Es macht Spaß, dieser Charakterentwicklung beizuwohnen, gerade weil sie - überspitzt, aber niemals überzeichnet - die psychologische und soziale Realität der meisten Zuschauerinnen und Zuschauer spiegeln dürfte: Zwar fällt es den Merzens allesamt schwer, sich aus alten Mustern zu lösen -aber wenn es gelingt, freut man sich fast aufrichtig mit.

Anne ist derweil über die Wandlung ausgerechnet ihres hüftsteifen Ex-Mannes verwundert ("Warum bist du denn so emotional? Und warum erst jetzt?"). Die Reise des einst auseinandergelebten Ex-Paares samt Familienanhanges scheint jedenfalls noch nicht zu Ende zu sein - und so darf man hoffen, dass "Merz gegen Merz" einem als seltene Perle im deutschen Fernsehen noch ein wenig erhalten bleibt.

Merz gegen Merz: Entscheidungen - Do. 20.08. - ZDF: 20.15 Uhr

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