Zweite Chance auf zwei Rädern

"Was machst du eigentlich hier?", so begrüßt Valeska aka Les (Mala Emde) ihren Vater Bert (Christoph Maria Herbst), als der eines Abends plötzlich unangekündigt vor ihrer Tür sitzt. Das Verhältnis der beiden, man merkt es sofort, ist schlecht. Gegenseitige Besuche gibt es normalerweise nicht. Hier allerdings kommt es der jungen Les ganz recht. Sie wird ihren Papa bald brauchen, in mehrerlei Hinsicht. So nimmt unter dem Titel "Sommer auf Asphalt" (2026) eine gleichermaßen warmherzige wie lakonisch-brutale Tragikomödie ihren Lauf, die nun zur besten Sendezeit bei ARTE erstmals im TV zu sehen ist. Der Sender war bereits an der Produktion beteiligt.
Les, eine junge Frau, die großen Wert auf Unabhängigkeit und Selbstständigkeit legt, wird ungewollt schwanger. Für sie ist das erst einmal alles andere als ein Glücksfall. "Was soll ich denn mit einem Kind? Soll ich rumsitzen und Milch machen oder was? Ich muss fahren!" - Fahren, weil sie Kurierfahrerin ist und ihren Beruf sehr ernst nimmt. Also fährt sie erst einmal weiter, stürzt dann schwer, und ihr Vater Bert übernimmt ihren Job auf zwei Rädern.
Dass Bert, eher Typ Oberspießer, für Les auf dem Fahrrad einspringt, erweist sich als gute Sache. Er und seine Tochter kommen sich wieder näher. Dann aber nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung. Wie Bert im Laufe der Tragikomödie verrät, hat er seine Tochter zu Beginn des Films eben doch nicht nur aus einer Laune heraus aufgesucht. "Kennste den: Trägt ein Typ sein Leben lang Helm und kriegt einen Tumor im Kopf."
"Eine Geschichte von Werden und Vergehen"
Als Inspiration für das Drehbuch zu "Sommer auf Asphalt" von Brix Vinzent Koethe ("Almania") diente der Roman "Pedalpilot Doppel-Zwo" (2014) von Wolf Schmid. Während Teile der Geschichte als konstruiert und oberflächlich bemängelt wurden, fanden Filmkritikerinnen und -kritiker vor allem für die Performance von Mala Emde und ihrem Filmvater Christoph Maria Herbst lobende Worte.
Letzterer spielt im von Simon Ostermann ("Alphamännchen") inszenierten Film, der erst im Juni 2026 in die Kinos kam, das Gegenteil seiner wohl bekanntesten Rolle: Statt des egozentrischen und oft taktlosen Abteilungsleiters Stromberg ist er in der Tragikomödie eben der eher leise Bert. Der 60-Jährige hatte seine Freude daran: "Wenn ich König von Deutschland wär', hätte ich Herrn Herbst schon längst viel mehr gegen den Strich besetzt!", erklärte er dem Norddeutschen Rundfunk.
Über "Sommer auf Asphalt" fand der Schauspieler im Interview mit "Der Westen" vor kurzem philosophisch-nachdenkliche Worte: "Eine Geschichte von Werden und Vergehen. Ich finde es persönlich schön, dass wir den Film mit einem Lichtblick beenden."
Sommer auf Asphalt - Do. 01.10. - ARTE: 20.15 Uhr