Zu viel oder zu wenig?

Marlene (Corinna Harfouch) und Fynn (Daniel Sträßer) könnten das Leben nicht unterschiedlicher angehen: Sie sammelt und sortiert nie aus. Er lebt aus einem Koffer mit nur 100 Dingen. Und trotzdem können sie in der Komöide "Alles in bester Ordnung" (2022) eine Menge voneinader lernen.
von  Friederike Hilz
Marlene (Corinna Harfouch) und Fynn (Daniel Sträßer) haben zwei grundverschiedene Weltansichten. In "Alles in bester Ordnung" (2022) müssen sie trotzdem lernen, miteinander klar zu kommen.
Marlene (Corinna Harfouch) und Fynn (Daniel Sträßer) haben zwei grundverschiedene Weltansichten. In "Alles in bester Ordnung" (2022) müssen sie trotzdem lernen, miteinander klar zu kommen. © 2020 Bernd Spauke

"Haben Sie schon mal jemanden darin verloren oder was?" Fynn (Daniel Sträßer) ist einigermaßen fassungs- und ratlos: Seine Wohnung ist durch einen Rohrbruch von jetzt auf gleich unbewohnbar geworden. Und seine Nachbarin Marlene (Corinna Harfouch)? Die lässt ihn gerade noch einen Anruf absetzen, dann schmeißt sie ihn ohne große Umschweife aus ihrem vollgestopften Apartment raus. Im nun bei ARTE wiederholten Spielfilm "Alles in bester Ordnung" (2022) von Natja Brunckhorst ("Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhofszoo") treffen zwei scheinbar grundverschiedene Menschen aufeinander. Die Schauspielerin schrieb das Drehbuch und führte auch Regie.

Fynn versucht, die Situation irgendwie hinzunehmen und damit umzugehen. Eigentlich ist er ja sowieso nur Zwischenmieter. Sobald er das System eines Getränkeherstellers erneuert hat, kann er verschwinden. Doch obwohl Fynn nicht mehr als 100 Dinge besitzt und kaum Platz zum Arbeiten braucht - ohne Dach über dem Kopf ist es schwierig. Von Marlene bekommt er allerdings weiterhin keine Hilfe. Dafür gibt es Anschuldigungen, denn auch in ihrer Wohnung tropft es nun. Doch jemanden - ob nun Handwerker, ihre Kollegen oder Fynn - in ihre zugestellten Räume oder gar an sich heranlassen, das ist für die Zahntechnikerin keine Option.

Als Fynn irgendwann nach einem Gewitter patschnass im Flur sitzt, öffnet ihm Marlene doch die Tür. Aber nur für eine Nacht. Und sie hat Regeln: Nichts anfassen und schon gar nichts wegschmeißen, denn alles hier ist eine Erinnerung. Fynn bleibt jedoch länger und beginnt auch noch damit, auszumisten. "Wann gehst du endlich?", fragt Marlene irgendwann entnervt. Und doch: Obwohl sie gegensätzlicher nicht sein könnten, entwickelt sich zwischen den beiden doch so etwas wie Vertrauen und Freundschaft. Die wird jedoch von Marlenes wahr gewordenem Albtraum gestört: Wegen des Rohrbruchs sollen erstmals seit zehn Jahren weitere fremde Leute in ihre vollgestellte Wohnung kommen. Und obwohl Fynns Job ihn immer mehr fordert, lässt er sie damit nicht alleine. Aber kann Marlene loslassen - und kann Fynn lernen, festzuhalten?

Nahbare Geschichte mit "Tatort"-Kommissar

Brunckhorst nimmt sich viel Zeit für Einblicke ins Leben ihrer beiden Hauptcharaktere, die von Corinna Harfouch ("Sterben") und "Tatort: Saarbrücken"-Star Daniel Sträßer emotional, nahbar und auch lustig gespielt werden, ohne dabei in oberflächliche Komik zu verfallen. Deshalb dauert es ein wenig, bis die Geschichte von "Alles in bester Ordnung" ins Laufen kommt.

Das ist aber nicht weiter schlimm, denn es sind eben Marlene, Fynn und ihre Eigenheiten, die den Film sehenswert machen. Die eigene Wohnung muss nicht bis obenhin vollgestellt oder der eigene Koffer mit weniger als 100 Dingen gefüllt sein, um sich doch an der ein oder anderen Stelle in ihnen wiederzufinden.

Alles in bester Ordnung - Mi. 30.09. - ARTE: 20.15 Uhr

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