Zehn Jahre nach seinem Tod: Roger Cicero bleibt unvergessen

Am 24. März 2016 starb Roger Cicero mit nur 45 Jahren an einem Hirnschlag, genau wie sein Vater. Zehn Jahre später ist die Lücke, die der Sänger mit seinem unverwechselbaren Swing-Sound hinterlassen hat, noch immer nicht geschlossen.
(eyn/spot) |
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Roger Cicero starb am 24. März 2016 mit nur 45 Jahren.
Roger Cicero starb am 24. März 2016 mit nur 45 Jahren. © imago images/POP-EYE

Er war ein begnadeter Sänger, Jazzmusiker, Vorzeige-Hutträger und auch mal Pascha des Monats. Immer lächelnd, immer charmant, immer unterwegs und immer swingend. Vor zehn Jahren starb Roger Cicero viel zu früh mit nur 45 Jahren. Sein Tod hat eine Lücke in die deutsche Musikszene gerissen, die bis heute nicht geschlossen wurde.

Sein unglaubliches Talent wurde Roger Cicero in die Wiege gelegt. Er kam am 6. Juli 1970 als Sohn des berühmten Jazzpianisten Eugen Cicero (1940-1997) zur Welt, der für Stars wie Ella Fitzgerald oder Hildegard Knef am Klavier gesessen hatte. Dennoch dauerte es bis zu Roger Ciceros eigenem Durchbruch einige Zeit, auch wenn er schon als Kind mit seinem Vater auf der Bühne stand. "Die ganzen Türen, die mir damals geöffnet wurden, habe ich sabotiert durch mein Verhalten. Ich fand es immer suspekt, dass sich so viele Bekannte meines Vaters für mich interessiert haben", räumte Cicero 2010 in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" ein.

Sein ganz eigener Stil

Um endlich auf eigenen Beinen zu stehen, entschied sich Cicero für ein Jazzgesangsstudium in den Niederlanden. Zurück in Deutschland fing er ganz unten an, tingelte mit verschiedenen Formationen durch Bars und versuchte, seinen eigenen Weg zu finden. Das gelang ihm 2006: Sein erstes deutsches Album "Männersachen" verhalf ihm zum Durchbruch. Zwei Tage nach der Veröffentlichung trat er in der Sat.1-Show "Nur die Liebe zählt" auf. Von da an ging alles ganz schnell. Die Platte landete auf Platz drei der Charts und wurde mit Dreifach-Platin ausgezeichnet.

Die besondere Mischung aus großem Bigband-Sound, Pop, Swing und Soul sowie deutschen Texten, die zwischen Ironie, Witz und Tiefgang pendelten, machte Roger Cicero zum Star. Auf den Erfolg von "Männersachen" folgten in seinem viel zu kurzen Leben vier weitere erfolgreiche Alben, die allesamt Gold oder Platin erreichten und sich mehrere Wochen in den Top fünf der deutschen Charts hielten.

Gar kein Macho

Apropos ironisch-witzig: Mit "Frauen regier'n die Welt" trat Roger Cicero 2007 auch beim Eurovision Song Contest an. Platz 19 von 24 gehörte allerdings nicht zu seinen Glanzmomenten. Und der augenzwinkernde Text über das vermeintliche Machtspiel zwischen Frauen und Männern brachte ihm obendrein den Titel "Pascha des Monats" der Zeitschrift "Emma" ein.

Seiner Karriere tat das keinen Abbruch, Cicero kokettierte gekonnt mit seinem Image. Privat sei er gar nicht der Macho-Typ gewesen, den er durch seinen Anzug und den Hut vermittelte, betonen Freunde in der 2022 erschienenen Dokumentation "Cicero - Zwei Leben, eine Bühne". Vielmehr sei er mit seinem unverwechselbaren Look "eher eine Karikatur seiner selbst" gewesen.

"Dann leb' ich vielleicht heute noch ein kleines bisschen mehr"

Tatsächlich war Roger Cicero sehr spirituell, betrieb Poweryoga und ließ seinen einzigen Sohn in einer feierlichen Zeremonie von einem buddhistischen Lama segnen. Nachdem er 2015 nach Jahren im Dauerstress an einem Erschöpfungssyndrom mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung gelitten hatte und viele Konzerte absagen musste, wollte er sich eigentlich bewusster einem ruhigeren Leben zuwenden. Doch schon Anfang 2016 steckte er wieder mitten in neuen Projekten: Vor allem seine "Jazz Experience", für die er zur englischen Sprache zurückkehrte und Klassiker interpretierte, sowie "Roger Cicero sings Sinatra" brachten ihn schnell wieder zurück auf die Bühne.

Journalisten antwortete er auf die Frage, ob er sich womöglich zu früh wieder zu viel zumute, dass es ihm hervorragend gehe. Nach seinem letzten Live-Auftritt im Bayerischen Fernsehen am 18. März 2016 erlitt Roger Cicero einen Tag später akute neurologische Symptome. Am 24. März 2016 starb er im Krankenhaus, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Sein Vater Eugen, mit dem ihn so viel verband, war 1997 mit 57 Jahren ebenfalls an einem Hirninfarkt gestorben.

"Ich glaube, dass er immer damit gerechnet hat, dass ihn das gleiche Schicksal ereilen könnte", vermutete Produzent Roland Spremberg 2017. Immerhin hatte Cicero unter anderem in einem Song auf seinem letzten deutschen Album "Was immer auch kommt" 2014 prophezeit: "Denn wenn es morgen schon zu Ende wär' / Ein Schritt zu viel im Stadtverkehr / Dann leb ich vielleicht heute nur 'n kleines bisschen mehr."

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