Wolkenkuckucksheim als Weltfluchtort
Das Märchenschloss in den bayerischen Voralpen zählt zu den beliebtesten Touristenzielen Deutschlands und zu den meistfotografierten Orten weltweit. Nur wenig erinnert daran, dass es einst ein sehr einsamer Ort war - geschaffen von einem Monarchen, der die Mitmenschen scheute. Die Dokumentation "Neuschwanstein - Ludwigs Traum, Ludwigs Tragödie" (2023), die vom ZDF produziert wurde und nun erneut bei ARTE zu sehen ist, zeichnet die an Turbulenzen reiche Baugeschichte der idealisierten Ritterburg nach. Sie spiegelt den zunehmenden Rückzug des Märchenkönigs, der sich eine eigene Kunstwelt erschaffen wollte, die von Richard Wagner inspiriert, aber letztlich allein auf ihn selbst zugeschnitten war.
Nostalgie - auf dem neuesten Stand der damaligen Technik
Dabei zeigt sich: Neuschwanstein ist ein rückwärtsgewandter Traum. Er sollte es dem "Kini", der in monarchistischen bayerischen Kreisen immer noch in hohem Andenken gehalten wird, ermöglichen, die von ihm als quälend empfundene Real-Welt mit Repräsentations- und Regierungspflichten fast vollständig hinter sich zu lassen. Gleichzeitig begeisterte sich Ludwig, der Architekturpläne akribisch studierte und selbstherrlich immer wieder ändern ließ, für die moderne Welt der Technik.
Neuschwansteins Grundstruktur basiert auf modernsten Konstruktionsprinzipien. Der König ließ versteckte Aufzüge einbauen, Stromleitungen verlegen und nutzte sogar eine Frühform des Telefons. All das jedoch nur mit einem Ziel: um möglichst wenig mit anderen Menschen in Kontakt treten zu müssen.
Neuschwanstein - Ludwigs Traum, Ludwigs Tragödie - Do. 24.09. - ARTE: 20.15 Uhr
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