Wolfgang Grupp: "Ich würde am liebsten alles ungeschehen machen"

Rund acht Monate nach seinem Suizidversuch hat Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp am Montagabend seinen ersten großen öffentlichen Auftritt absolviert. Dabei sprach der 83-Jährige über sein bewegtes Leben - und wie es ihm heute geht.
von  (ae/spot)
Wolfgang Grupp (l.) war zu Gast in Gregor Gysis Talk-Veranstaltung "Gysis Begegnungen" im Neuen Kunstmuseum in Tübingen.
Wolfgang Grupp (l.) war zu Gast in Gregor Gysis Talk-Veranstaltung "Gysis Begegnungen" im Neuen Kunstmuseum in Tübingen. © imago images/Dennis Duddek

Im Sommer 2025 machten sich viele Menschen große Sorgen um Wolfgang Grupp (83). Der Ex-Chef des Modeherstellers Trigema hatte bekannt gegeben, dass er an Altersdepressionen leidet und versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Rund acht Monate später nahm er im Neuen Kunstmuseum in Tübingen in Gregor Gysis (78) Talk-Veranstaltung "Gysis Begegnungen" Platz, um über sein Leben und seine Karriere zu reflektieren. Es war sein erster großer öffentlicher Auftritt seit dem Suizidversuch. Dieser kam am Montagabend auch kurz zur Sprache.

Wolfgang Grupp wirkte bei der Talk-Veranstaltung, zu der mehr als 400 Besucher gekommen waren, gut gelaunt und locker. Wie man es von dem leidenschaftlichen Unternehmer kennt, war er elegant gekleidet - mit dunklem Anzug, rosa Einstecktuch und rosa Krawatte. Bereits beim Reingehen erzählte Grupp laut "Bild" aber, dass ihm die Folgen noch zu schaffen machen: "Ich habe noch Beschwerden. Ich höre nicht mehr so hundertprozentig. Ich würde am liebsten alles ungeschehen machen. Aber das ist nicht mehr möglich."

Wolfgang Grupp: "Ein nicht ganz so schlechtes Leben"

Bereits nach seinem mehrtätigen Krankenhausaufenthalt im Juli hatte Grupp in einem Brief an die Belegschaft erklärt: "Ich bedauere sehr, was geschehen ist und würde es gerne ungeschehen machen." Im Gespräch mit Gysi betonte er nun: "Nach meinem Suizidversuch habe ich auch den Jagdschein abgegeben und alles." Offenbar kann der 83-Jährige inzwischen wieder einiges Positiver sehen. "Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich konvertierte, ich bin ein gläubiger Katholik. ich verlasse dass Haus nicht, ohne dass ich kurz in meiner Hauskapelle war." Dort danke er auch dafür, dass er "ein nicht ganz so schlechtes Leben" habe.

Gysi schilderte dem Publikum den Suizidversuch und fragte dann, ob Grupp sein Leben trotz seiner Altersdepression genießen könne. Als dieser nickte, brandete Beifall auf. Im Anschluss sagte Gregor Gysi gegenüber "RTL", dass Grupp als "entschlossener, willensstarker Mensch" die Abgabe des Unternehmens "zunächst nicht richtig verkraften konnte." Wenn Grupp ihn um Rat gefragt hätte, hätte er ihm geraten, sich eine neue Aufgabe zu suchen. Denn ein Mensch, der so viel Verantwortung getragen habe, könne nicht einfach von heute auf morgen nur noch zuhause sitzen. Inzwischen sei Grupp seiner Meinung nach über den Abgrund hinweg. "Es geht auch um seine Familie, es geht um viele andere, die ganz schwer mit so einem Suizid leben können. Und ich glaube, das hat er mittlerweile verstanden."

Wolfgang Grupp kümmert sich täglich um sein Enkelkind

Eine neue Aufgabe scheint Grupp nun auch bereits gefunden zu haben. Denn gegenüber Gysi erzählte er am Ende des Gesprächs, dass er sich "jeden Tag" um sein Enkelkind kümmere. Anfang Februar bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens, dass Grupps Tochter Bonita Mutter geworden ist. Sie leitet Trigema seit 2024 zusammen mit ihrem Bruder, Wolfgang Grupp Junior.

Hilfe bei Depressionen und Suizidgedanken bietet die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummer: 0800/111 0 111

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