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Wolfgang Fierek im AZ-Interview: "Habe ein geiles Leben hinter mir"

Wolfgang Fierek zieht anlässlich seines erscheinendes Buches "Born to be Fierek" Bilanz: Wie er zum Motorradfahren kam, wer sein Engel ist und wie er den Verlust seiner Familie verarbeitet hat.
von  Daniela Schwan
Fierek im Monument Valley vor den Felsformationen. Die Sonderlackierung auf dem PYO Original Chopper stammt aus den 1950er-Jahren. Typisch ist das fein schillernde Schuppenmuster.
Fierek im Monument Valley vor den Felsformationen. Die Sonderlackierung auf dem PYO Original Chopper stammt aus den 1950er-Jahren. Typisch ist das fein schillernde Schuppenmuster. © National Geographic_Wolfgang Fierek_Sascha Wünsch

Am 23. Juni erscheint das neue Werk von Filmstar ("Monaco Franze", "Ein Bayer auf Rügen"), Sänger ("Resi, i hol di mit mei’m Traktor ab") und Biker-Ikone Wolfgang Fierek, 75. "Born to be Fierek. Mein Leben mit Lederjacke, Leberkäs und Harley Davidson" (272 Seiten, 18,99 Euro, National Geographic Verlag), welches er zusammen mit dem Journalisten, Szene-Kenner und Fotografen Volker Wolf verfasst hat. Die AZ durfte schon vorab mit ihm über Freiheit, Selbstzweifel und sein großes Liebesglück mit Ehefrau Djamila (60) sprechen.

AZ: Servus, Herr Fierek! "Born to be Fierek. Mein Leben mit Lederjacke, Leberkäs und Harley Davidson", was für ein genialer Titel Ihres Buches. Eine Mischung aus Autobiografie, eine Hommage an 40 Jahre Motorradfahren, inklusive persönlich erprobter, spektakulärer USA-Road-(Geheim-)Tipps, das wir geradezu verschlungen haben. Das Schönste ist der Schluss und wie Sie davon sprechen, wie das Harley-Fahren Sie geformt hat.
WOLFGANG FIEREK: Danke! Durch Hunderttausende von Harley-Kilometern habe ich Werte wie Demut, Dankbarkeit und Geduld, die ich vorher so nicht hatte, gelernt. Und keine Angst vor dem Scheitern oder dem Urteil anderer zu haben. Früher hat mich die Furcht vor bestimmten Dingen oft ausgebremst. Außerdem habe ich gelernt, auf mein Herz zu hören; auf das, was vernünftig erscheint oder was andere für richtig halten. Während des Lernprozesses nimmst du alles für selbstverständlich und denkst dir irgendwann plötzlich: Mensch, diese Entscheidung hätte ich früher ganz anders getroffen.

Fierek: "Viel schöner ist es doch, ein bisserl zu improvisieren"

Auf weiten Strecken mit dem Motorrad – am besten allein! – kann man über sich und das Leben reflektieren. Da bin ich mit der Natur und der Straße beschäftigt, welche Abzweigungen ich nehme, muss nicht ans Telefon und komme in eine ganz andere Bewusstseinsebene. Es heißt auch immer, die Biker suchen nach dem perfekten Ride – den gibt es in dem Sinne nicht, viel schöner ist es doch, ein bisserl zu improvisieren. In meiner ersten Zeit in den USA habe ich mich oft in den Entfernungen und Zeitangaben vertan und dann in irgendeinem Motel übernachtet. Ich hatte auch jede Menge Pannen, viele waren selbst verschuldet. Da kam mir immer jemand zu Hilfe, das ist das Salz in der Suppe.

Dreharbeiten am Tegernsee zum Quotenrenner "Bayer auf Rügen". Der Schauspieler und Sänger Wolfgang Fierek wurde 1950 in Ottobrunn geboren. Seit Jahrzehnten bereist er die USA.
Dreharbeiten am Tegernsee zum Quotenrenner "Bayer auf Rügen". Der Schauspieler und Sänger Wolfgang Fierek wurde 1950 in Ottobrunn geboren. Seit Jahrzehnten bereist er die USA. © National Geographic_Wolfgang Fierek_Sascha Wünsch

Alles in allem ein sehr buntes, sehr ereignisreiches Leben.
Das wird mir jeden Morgen bewusst, wenn ich dem lieben Gott danke, dass ich wieder meine Augen aufmachen darf. Ich habe ein geiles Leben hinter mir. Natürlich auch einige Tiefen erlebt, der Unfall, der Verlust meiner Familie, Papa, Mama, Bruder. Den Tod meines Vaters 1987, er ist auch Harley gefahren, konnte einfach alles, habe ich zwei Jahre lang nur schwer verkraftet. Ein Medium riet mir damals, mir ein Erinnerungstattoo stechen zu lassen: "Born to be free", das habe ich mit seinen Daten am rechten Oberarm. Seither habe ich loslassen können und der Schmerz ist besser geworden. Ich habe auch immer wieder Menschen kennengelernt, die mich weitergebracht haben.

Und mein Engel, den ich seit 33  Jahren an meiner Seite habe, ist meine Frau Djamila. Um sie dreht sich bei mir alles! Wenn ich von unserem Wohnort Aying losfahre in der Früh, zum Beispiel nach Italien, rund 700  Kilometer hin- und zurück, freue ich mich schon auf meine Djamila. Sie macht mein Glück vollkommen! Sie ist eine sehr starke Frau, eine tolle Künstlerin, ist selbst 30 Jahre lang gefahren, ist eine sehr gute Fahrerin und fährt, vielleicht auch beeinflusst durch meinen Unfall, selbst nicht mehr aktiv, ist aber oft bei längeren Touren mit dem Auto dabei. Sie gönnt mir meine Fahrerlebnisse, ich habe keinen psychischen Druck, wie ich ihn in früheren Beziehungen schon mal hatte.

Fierek: "Wolfgang, du bist eigentlich richtig gut"

Abschließend noch: Und wie fühlt es an als "born to be Fierek"?
Ich glaube, ich bin schon etwas Besonderes in meiner Art! Sehr lange habe ich an mir gezweifelt, hatte sehr wenig Selbstvertrauen mit meinen Rollen und meinen Musikerfolgen! Aber eines Silvesters, vor vielen Jahrzehnten, lange vor meiner Ehe, als ich allein zuhause war – ein Mädchen hatte mir damals kurzfristig abgesagt – saß ich allein daheim und habe ein paar Filme angeschaut, unter anderem auch "Arabische Nächte" und "Flitterwochen" von Klaus Lemke, der mein Mentor war. Da musste ich richtig lachen über mich selbst. Und hab’ mir gesagt: "Wolfgang, du bist eigentlich richtig gut!" Damit fing meine Selbstvertrauensphase an, das hat mir geholfen, Rückschläge durchzustehen.

Wolfgang Fierek mit seinem langjährigem Freund Stan Natchez (Shoshone Pajote Tribe), einem erfolgreichen indianischen Maler.
Wolfgang Fierek mit seinem langjährigem Freund Stan Natchez (Shoshone Pajote Tribe), einem erfolgreichen indianischen Maler. © National Geographic_Wolfgang Fierek_Sascha Wünsch

Heute weiß ich genau, wo ich stehe. Mein Vater hat mir mit auf den Weg gegeben: Alles ist möglich, du musst es dich nur trauen! Ich gehe die Dinge einfach an, springe ins Wasser und mache einfach. Und manchmal bin ich überschwänglich, wie damals Anfang der 1970er-Jahre, als mich ein Filmproduzent im Biergarten, in dem ich nebenher jobbte, fragte, ob ich einen Motorradführerschein hätte. Ich schwindelte und sagte ja. Als ich die Rolle bekam, habe ich den Führerschein innerhalb von drei Monaten gemacht – und somit meine Leidenschaft zum Biken entfacht. Dass es nie zum Abschluss des Films kam, ist eine andere Geschichte (lacht).

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