Wird der Mediziner endlich selbst geheilt?

Es sind eben nicht immer nur die Charmebolzen, denen die Herzen zufliegen. Vor allem dann nicht, wenn es um die Sympathie des Publikums für eine TV-Reihe geht. Als "Dr. Nice" Anfang 2023 unter der dem "Herzkino"-Label startete, präsentierte sich der titelgebende Star-Chirurg Dr. Moritz Neiss (Patrick Kalupa) als arroganter, teils politisch inkorrekter Macho, der jedoch trotz allem das Herz am rechten Fleck zu haben scheint. Das Publikum liebte diese Kombination: 5,28 Millionen Menschen schalteten zur ersten Folge ein und bescherten dem ZDF einen Gesamtmarktanteil von 17,4 Prozent. Kein Wunder also, dass "Dr. Nice" in den folgenden Jahren munter weiterging. Im Oktober 2025 sahen zuletzt immerhin noch 4,18 Millionen Menschen zu. Ein Jahr später gibt es nun Nachschub: Sechs neue Filme sind fortan immer sonntags, um 20.15 Uhr, im ZDF, sowie bereits ab Freitag, 25. September, im Stream auf zdf.de zu sehen.
Der erste Film trägt den Episodentitel "Unter die Haut" (Regie: Holger Haase, Buch: Simon X. Rost) und knüpft nahtlos an das Finale des Vorgängerfilms "Nacht der Wünsche" an: Dr. Neiss hatte seine Arzthelferin Charlie Winkler (Josefine Preuß), die gleichzeitig die Stiefmutter seiner leiblichen Tochter Lea (Maj Borchardt) ist, davon abgehalten, nach Stralsund zu ihrem Bruder zu ziehen. Am Rande einer Strandparty kamen sich die beiden dann näher: Charlie hielt Neiss' gelähmte Hand, die sich wie durch ein Wunder wieder bewegte. Am nächsten Morgen erwachten die beiden nackt in einem Tipi.
Die neue Pastorin stellt den Chirurg vor ein Rätsel
An das, was in der Nacht geschehen ist, können oder wollen sich weder Charlie noch Neiss erinnern: Sie sind, wenn überhaupt, nur Freunde. Immerhin steht Charlie eigentlich auf Frauen (Leas inzwischen verstorbene Mutter war ihre Partnerin). Doch - und das macht die Sache umso komplizierter - Neiss kann die kurzzeitige "Wunderheilung" seiner Hand nicht vergessen. Sollte Charlie wirklich in der Lage sein, die Lähmung durch eine einfache Berührung aufzuheben, muss er es unbedingt erneut versuchen, so verrückt es auch klingen mag.
Neben den persönlichen Problemen bekommt es Neiss im ersten Film auch noch mit einem kniffligen medizinischen Fall zu tun. Die neue Pastorin Maike Claussen (Tanja Schleiff) klagt über schmerzende Narben am Rücken: "Woher haben Sie die denn? Peitschen Sie sich aus für Ihre Sünden?", fragt Neiss auf seine gewohnt wenig charmante Art. "Nein", entgegnet die Geistliche: "Das sind meine Tätowierungen. Die habe ich schon vor Jahren wegmachen lassen. Aber jetzt tun sie plötzlich weh." Neiss verschreibt Massagen bei Charlie, doch es dauert nicht lange, da entwickeln sich die harmlosen Schmerzen zu einem ernstzunehmenden medizinischen Problem ...
Neiss' Zukunft ist gesichert
Ungewöhnliche medizinische Fälle, persönliche Dramen und eine große Portion eigenwilliger Humor, der vor allem auf schnodderigen Art der Titelfigur fußt: Das ist wohl das Geheimrezept, das "Dr. Nice" auch drei Jahre nach dem Start noch immer zu einer besonderen und beliebten Fernsehreihe macht. Viele der gezeigten Ideen, so verriet Hauptdarstellerin Josefine Preuß im Interview mit der Agentur teleschau, stammten von den Darstellern selbst. "Das ist etwas ganz Neues", erklärte sie 2024.
"Ich glaube, dass so ein Format so einschlägt, hat auch viel mit diesen Zeiten zu tun", sagte der zuständige Produzent Stefan Raiser 2024 über den Erfolg von "Dr. Nice" im teleschau-Interview: "Deutschland kränkelt, die Zeiten sind schrill und laut - Nice ist die passende Medizin." Denn: "Ein Nice spricht mit seiner ehrlichen Unverkrampftheit und nicht vorhandenen political correctness ganz vielen Menschen aus der Seele. Meine Theorie: Das gemeinschaftliche Zusammenleben war noch nie so brüchig wie heute - da wollen viele Leute einfach Ehrlichkeit, ein Ringen um gute Lösungen und Konsens im Alltag, anstatt populistischer Schreihälse." Mit dieser Analyse dürfte Stefan Raiser nicht so falsch liegen ...
Die Zukunft von "Dr. Nice" ist im Übrigen bereits gesichert: Drei reguläre neue Folgen wurden im Zeitraum von April bis Juli 2026 gedreht. Außerdem dürfen sich Fans auf ein bereits abgedrehtes Special unter dem Arbeitstitel "Weihnachtswunder" freuen.
Dr. Nice - So. 11.10. - ZDF: 20.15 Uhr