"Winnetou und Old Shatterhand sind extrem homosexuell!"

Für den TV-Film "Winnetous Weiber" verbrachten fünf Schauspielerinnen, unter anderem Maren Kroymann und Nina Kronjäger, fünf Wochen in der kroatischen Einöde. Eine Art "Dschungelcamp auf hohem Niveau", resümiert Kroymann im Interview.
| (ali/spot)
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"Winnetous Weiber" (v.l.n.r.): Maren Kroymann, Teresa Weißbach, Nina Kronjäger, Josephin Busch und Floriane Daniel
ARD Degeto/Katrin Knoke "Winnetous Weiber" (v.l.n.r.): Maren Kroymann, Teresa Weißbach, Nina Kronjäger, Josephin Busch und Floriane Daniel

München - Fünf Frauen in Kroatien. Hoch zu Ross, romantische Lagerfeuer, tosende Wasserfälle, weiße Felsen, die endlose Weite der Abenteuer und lebendige Kindheitserinnerungen. Die Schauspielerinnen Nina Kronjäger (47), Josephin Busch (28), Floriane Daniel (42), Maren Kroymann (64) und Teresa Weißbach (33) haben in Kroatien weit mehr als nur den Film "Winnetous Weiber" (ARD am 20.12.14 um 20.15 Uhr) gedreht. Sie haben einen Traum gelebt. Und das ohne sich zu zoffen, wie sie im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news betonen.

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War es für Sie fünf Schauspielerinnen nachvollziehbar, dass jemand auf Winnetous Spuren nach Kroatien reist?

 

Teresa Weißbach: Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass jemand auf den Spuren seines Idols wandeln will. Bei mir wäre das zwar nicht Winnetou, aber ich könnte mir vorstellen, für Elvis nach Graceland zu reisen.

Maren Kroymann: Für mich war das schon so was wie frühpubertäre Weltliteratur. Ich habe das zu Schulzeiten zusammen mit meiner besten Freundin verschlungen. Sie hat für Pierre Brice geschwärmt und ich für Mario Adorf - weil der so schön böse war. Das war kurz vor den Beatles und war eine ganz ähnliche Art des Schwärmens. Eigentlich interessant, dass in den Geschichten keine Frau wirklich vorkommt. Als junges heterosexuelles Mädchen war das zum Projizieren super. Heute würde ich sagen, dass Winnetou und Old Shatterhand ein extrem homosexuelles Paar sind. Irgendwie asexuell. Ähnlich wie Roy Black, an dessen Seite wollte man auch keine Frau sehen.


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Was passiert, wenn fünf Frauen für fünf Wochen in der kroatischen Einöde aufeinander hocken?

 

Weißbach: Wir mussten uns ähnlich wie die Frauen im Film erst mal zusammenraufen. Die Fühler ausfahren und herausfinden, wer wir sind. Wir haben fünf Wochen, von Frühstück bis Abendessen, ständig zusammen verbracht. Es war spannend, weil wir unterschiedliche Charaktere, Generationen und Sozialisierungen haben.

Kroymann: Das war Dschungelcamp auf hohem Niveau.

Josephin Busch: Und entgegen aller Prognosen hat es nicht gekracht. Es gab keinen Ego-Zicken-Krieg.

Floriane Daniel: Im Gegenteil, wir sind sehr liebevoll miteinander umgegangen und haben nie den Respekt voreinander verloren.

Nina Kronjäger: Es ist eben nur ein Klischee, dass Frauen untereinander zicken müssen. Wie unser Regisseur Dirk Regel so schön sagte: Eine der Botschaften des Films ist: Es lohnt sich, miteinander zu reden. Dass wir das als Fünfer-Kombi so gut hinbekommen haben, ist sehr beglückend.

 

Gibt es etwas, wofür Sie die Männer beneiden?

 

Kroymann: Um ihr Selbstbewusstsein und die längere Fortpflanzungsfähigkeit. Außerdem beneide ich sie darum, dass sie alt werden, ohne Krampfadern zu bekommen.

Daniel: Vor allem dürfen sie altern, ohne, dass über sie geurteilt wird. Die können aussehen, wie sie wollen, und bekommen immer noch eine jüngere Frau ab.

 

Für was tun Ihnen Männer leid?

 

Busch: Für die Falsch-Verteilung des Haarwuchses - zu viele am Körper, zu wenig auf'm Kopf. Das tut mir irrsinnig Leid für sie.

Kronjäger: Mir tun sie manchmal leid, weil sie oft dem nachhängen, was früher war und nicht aus ihren Rollen rauskommen. Manchmal dümpeln die einfach in ihrer Soße und trauen sich nicht weiter.

Weißbach: Die Armen haben es auch nicht leicht mit uns. Erst haben wir uns immer über Machos beschwert, dann sind sie zu Frauen-Verstehern mutiert und schließlich haben wir sie als Weicheier belächelt.

 

Welcher Typ Mann spricht Sie an?

 

Kronjäger: Ich finde, die Kroaten sind zum Beispiel tolle Männer. Sie sind zwar auch oft Machos, aber trotzdem sinnlich. Die schalten ihren Körper nicht so aus. Deutsche Männer verkopfen oft so.

Busch: Ich finde die Mischung macht's - Macho und weich zugleich.

Kroymann: Als ich früher noch auf Männer stand, fand ich den mütterlichen Typ ganz toll. Einer, der einen bekocht, sich sorgt und einen in den Arm nimmt. Ich finde, das kann es geben, ohne dass es unerotisch sein muss.

Weißbach: Für mich auf jeden Fall eher ein Typ wie Old Shatterhand als Winnetou. Den kann man super anhimmeln, ich finde das toll, wie der zupackt und alle Situationen meistert. Winnetou fände ich zu langweilig, der redet ja kaum.

Kroymann: Dafür ist er ein schöner weicher Mann mit langen Haaren. Ich finde es gut, wenn ein Mann etwas von beiden Charakteren in sich trägt.

 

Im Film outet sich Gabriele Hochmann (alias Floriane Daniel) als Lesbe. Ist es heute noch zeitgemäß, dass man sich als Homosexueller "outen" muss?

 

Daniel: So wie ich aufgewachsen bin, würde ich eigentlich sagen: Nein! Dennoch erlebe ich immer wieder Menschen, die sich aufgrund sozialer Zwänge nicht trauen, zu ihrer Sexualität zu stehen.

Weißbach: Da wir alle fünf in Berlin leben, bekommen wir das nicht so mit. Weil das dort kein Thema mehr ist. In meiner Heimat im Erzgebirge hingegen ist das nicht so selbstverständlich, weil das viel weniger ins ländliche Rollenbild passt.

Kroymann: Da muss ich widersprechen. Berlin ist zwar total aufgeklärt, aber es gibt in Moabit, Lankwitz oder Hohenschönhausen genauso spießige Leute wie in der Provinz. Sogar in Schöneberg, mitten im Schwulen-Kiez, werden Transen zusammen geschlagen. Das gibt es auch. Es sind nicht alle Berliner gleich aufgeklärt. Manche sind es nur abends ab 23 Uhr, und morgens um acht Uhr im Büro sind sie wieder ganz anders. Habe ich selber oft genug erlebt.

Kronjäger: Es ist immer noch ein Thema. Auch weil jeder, der sich outet, gleich im Boulevard landet. Nicht umsonst hat ein Thomas Hitzlsperger bis zum Karriere-Ende mit seinem Outing gewartet.

Kroymann: In der Kultur, wo angeblich alle schwul sein dürfen, ist das nicht anders. Da trauen sich viele Kollegen nicht. Wo sind denn im Feuilleton-fähigen Theater die Schwulen und Lesben? Wo im seriösen Journalismus? Wobei die Frauen da fast mutiger zu sein scheinen - siehe Anne Will oder Carolin Emcke. Schwul oder lesbisch zu sein, ist eben für viele doch noch ein Makel, der im ohnehin als halbseiden geltenden Showbusiness deutlich leichter akzeptiert wird.

 

Sie hatten 1993 Ihr Coming-Out, Frau Kroymann.

 

Kroymann: Ja, heute ist das zwar kein so großes Ding mehr wie Anfang der 90er Jahre, dennoch verlangt dieser Schritt noch immer Mut. Und es hilft auch heute noch allen anderen, wenn eine prominente Person öffentlich dazu steht, lesbisch oder schwul zu sein.

Daniel: Aber für den, der es tut, ist es trotzdem eine Bremse.

Kroymann: Bestes Beispiel ist unser Bürgermeister Klaus Wowereit, dem lange das Etikett des Party-Bürgermeisters anhaftete. Wäre der hetero, hätten wahrscheinlich alle gesagt: ,Hey, was für ein weltgewandter Mann. Endlich mal jemand mit Format, der auf jedem Parkett eine gute Figur zu machen weiß.'

Busch: Fakt ist, dass wir Frauen wie Maren viel zu verdanken haben. Ich bin heilfroh, in einem Land zu leben, in dem mir als Frau so viele Türen offen stehen. Ich bin gerne Frau.

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