Wie war's mit Liberace?

Wirt Kay Wörsching hat den US-Star, dessen Leben gerade im Kino läuft, 1982 empfangen
| Arno Makowsky
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Im Film: Michael Douglas als Liberace mit Matt Damon (r.).
Im Film: Michael Douglas als Liberace mit Matt Damon (r.).

MÜNCHEN Die Münchner rennen in Scharen in den Film „Liberace“, in dem US-Star Michael Douglas den legendären Entertainer spielt. In den 70ern begeisterte der schillernde Showman Liberace die Welt. Und 1982 trat er in München auf – im Kongresssaal des Deutschen Museums.

Nach den Konzerten ging er stets ins Prominentenlokal „Kay’s Bistro“. Wirt Kay Wörsching erinnert sich.

AZ: Herr Wörsching, alle Welt redet über Liberace, wie er von Michael Douglas gespielt wird. Wie haben Sie den echten Liberace erlebt?

KAY WÖRSCHING: Er kam zur Tür rein, völlig allein, in einem rosa Seidenanzug. Er war unglaublich nett und höflich. Immer wenn eine Frau am Tisch aufgestanden ist, ist er auch aufgestanden, absolut formvollendet. Er wirkte auch nicht so tuntig, wie er von Michael Douglas dargestellt wird. Liberace war in Amerika ein Superstar, da hat er mehr verdient als Elvis Presley.

Woher wusste er von Ihrem Bistro?

Das habe ich ihn auch gefragt. Er sagte, Leonard Bernstein und Siegfried und Roy hätten es ihm empfohlen. Natürlich habe ich ihn gleich neben den Flügel gesetzt in der Hoffnung, dass er im Laufe des Abends etwas spielt.

Und?

Erstmal wollte er ein Filetsteak und einen rosa Dom Perignon. Nach drei Stunden sagte er: In meinem Vertrag steht zwar, dass ich außerhalb meiner Konzerte nicht spielen darf, aber ich mache es natürlich trotzdem! Dann ging er auf die Bühne. Die Gäste waren hin und weg. Viele wussten gar nicht, wer das ist und dachten: Das ist ein netter älterer Herr, der toll Klavier spielt.

In dem Film wirkt Liberace unglaublich exaltiert und selbstverliebt, sein schwuler Freund muss sich sogar umoperieren lassen, dass er so aussieht wie der Star. Entspricht das Ihrem Eindruck?

Überhaupt nicht. Das war ein netter kultivierter Herr. Von diesen ganzen Marotten wussten wir nichts. Gut, er trug praktisch an jedem Finger einen dicken Ring.

Seine Homosexualität durfte damals nicht bekannt werden, weil seine Fans vor allem Frauen waren. Wussten Sie, dass er schwul war?

Ja, das war mir klar. Ich war damals ein blonder junger Mann und wohl sein Typ. Am letzten Abend war er der letzte Gast und wollte wissen, ob alle weg sind. Ich dachte schon, dass er mich jetzt ins Hotel einladen will, aber nein, er sagte: Hol alle deine Mitarbeiter, ich spiele jetzt nur fürs Personal. Zum Abschied schenkte er mir einen Anstecker, einen Flügel.

Und, haben Sie den noch?

Nein, den habe ich Udo Jürgens geschenkt.
 

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