Wie verliert man hinter Gittern nicht den Mut?
Ab 19 Uhr schrumpft Berkmans Welt jeden Abend auf nur wenige Quadratmeter. Seit drei Jahren sitzt er schon in der Justizvollzugsanstalt Lingen in Niedersachsen im geschlossenen Vollzug ein und hat dabei nur ein Ziel vor Augen: seine Entlassung. Einige hundert Kilometer weiter südlich, in der JVA Offenburg, können weder Jan noch Sergio auf einen bestimmten Tag hinfiebern. Für beide wurde vom Gericht die Sicherungsverwahrung angeordnet. In der neuen "37°"-Reportage "Im Gefängnis: Das Prinzip Hoffnung" (auch in der ZDF-Mediathek zu sehen) sprechen die drei Häftlinge über ihr Leben hinter Gittern, ihre Verantwortung und die Aussicht auf ein Leben außerhalb der Gefängnismauern.
"Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Jan in seiner Zelle. Er ist inzwischen 48 Jahre alt und sitzt wegen Gangschlägereien seit mehr als 20 Jahren im Gefängnis - wie viele es genau sind, das weiß er selbst schon nicht mehr. Offen erzählt er in der Reportage davon, wie er in die Kriminalität rutschte. Seine Taten will er damit allerdings nicht entschuldigen, macht Jan dabei klar. Sergio erzählt hingegen weniger von sich und spricht in der Dokumentation nur anonym, denn auch er hofft, schon bald das Gefängnis verlassen zu können. Bis dahin gehört für den verurteilten Sexualstraftäter, wie für alle anderen Häftlinge auch, Therapie zum Alltag: "Man denkt immer: Man hat die Tat begangen und dann ist gut. Aber wenn man sich damit auseinandersetzt, dann tut es halt auch weh. Wenn man erkennt, was man den Leuten angetan hat."
Ob Sergio und Jan in der Sicherungsverwahrung bleiben oder freikommen, entscheidet jedes Jahr ein Gutachten. Manche der Männer dort bleiben bis an ihr Lebensende in Haft, weiß Joachim Stein, der Leiter des Vollzugsdienstes. Er gewährt dem Kamerateam in der Reportage Einblicke hinter die Stacheldrahtzäune, die hohen Mauern und die vergitterten Fenster des Gefängnisses.
Eine Chance für einen Neuanfang
Berkman weiß hingegen sicher, dass er die JVA verlassen kann, sobald er seine Haftstrafe für Beihilfe zum Cannabis-Schmuggel abgesessen hat. Und weil er als Vorzeigehäftling gilt, hat der Familienvater sogar Chancen auf eine vorzeitige Entlassung. Filmemacher Manfred Karremann, der den Häftlingen im Film nüchtern und doch menschlich begegnet, begleitete Berkman dabei über zwei Jahre hinweg. Vom Regelvollzug in den offenen Vollzug, zur Arbeit und schließlich in die Freiheit.
Besonders dort, im Haus, wo er früher mit seiner Familie lebte, wo im Garten noch ein verlassenes Trampolin und Spielhaus stehen, werden die Konsequenzen von Berkmans Straftat noch einmal deutlich. Seine Frau habe sich schon zwei Wochen nach seiner Inhaftierung von ihm getrennt, erzählt er. Seine drei Kinder hat er deshalb schon seit vier Jahren nicht mehr gesehen - die Jüngste kennt er noch gar nicht. Aber Berkman will seinen Neuanfang in jeglicher Hinsicht nutzen und wieder Kontakt zu seinen Töchtern aufbauen.
37°: Im Gefängnis: Das Prinzip Hoffnung - Di. 25.08. - ZDF: 22.15 Uhr
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