"Wie konnte er ihnen entkommen?": TV-Doku über Gabby Petito erhebt schwere Vorwürfe

Ein vermeintlich perfektes Pärchen auf einem abenteuerlichen Roadtrip - und zwei Leichen am Ende: Das Schicksal Gabby Petitos und ihres Freundes - und Mörders - Brian Laundrie hielt im Sommer 2021 die US-Öffentlichkeit in Atem. Die neue TV-Doku "Mörderische Liebe - Der Fall Gabby Petito" (ab sofort bei WOW) rekapituliert das blutige Ende einer nur vordergründig mustergültigen Beziehung - und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei.
Als Petitos Eltern ihre Tochter am 11. September vermisst melden, ist Laundrie bereits zehn Tage zuvor nach Hause zurückkehrt, ohne seine Verlobte. "Er ging seinem Alltag nach, als wäre nie etwas gewesen", wundert sich Podcasterin Holly Allen in der TV-Doku. "Für ihn schien das keine große Sache zu sein." Auf die Nachforschungen der Polizei in seinem Elternhaus erhalten die Beamten jedoch einzig die Visitenkarte zum Anwalt der Familie. "Wenn das kein Warnsignal ist, was dann?", sagt Psychologin Dr. Jameca Cooper im 90-Minüter.
Obduktion zeigt: Gabby Petito wurde erwürgt
Während die Polizei zunehmend verzweifelt nach Gabby Petito sucht, kommt sie nicht an ihren Verlobten heran - und muss dann von dessen Eltern erfahren, dass er verschwunden ist. "Wie konnte er ihnen entkommen?", wirft Holly Allen in der Doku eine Frage auf, die damals längst das ganze Internet beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt habe die Polizei "die Kontrolle fast vollständig verloren", schlägt auch Podcasterin Kenzi Durban in eine ähnliche Kerbe.
Derweil liefern Reiseblogger nach Wochen der Ungewissheit den entscheidenden Hinweis, woraus die tragische Erkenntnis folgt: Gabby Petito ist tot. "Ich habe noch nie so einen Schmerz empfunden, ich war wie gelähmt", erinnert sich Gabbys beste Freundin Rose Davis. Die Obduktion ergibt, dass Petito per manueller Strangulation ihren Tod fand. "Jemanden zu erwürgen, ist sehr brutal und erfordert enorm viel Kraft über einen längeren Zeitraum", beschreibt es Ex-FBI-Sonderermittlerin Jennifer Coffindaffer.
"Er hatte ein letztes Mal versucht, uns alle zu manipulieren"
Deuteten schon lange alle Anzeichen auf Brian Laundrie als Täter, steht es am 20. Oktober 2021 fest. In einem Naturschutzgebiet werden seine menschlichen Überreste und persönlichen Gegenstände gefunden. Dazu gehört auch ein Tagebuch, das er vor seinem Tod geführt hat. "Ich nahm ihr das Leben, ich dachte, es wäre das Richtige", zitiert die TV-Doku aus einem Eintrag. Darin behauptet Laundrie, seine Verlobte habe einen Unfall gehabt und er habe sie von den daraus folgenden Verletzungen erlöst.
"Er hatte ein letztes Mal versucht, uns alle zu manipulieren und uns glauben zu lassen, der Tod hätte sie erlöst", stellt Privatermittler Jason Jensen heraus. Dieses "völlig realitätsferne Geständnis" sei laut Jennifer Coffindaffer für "viele geradezu widerwärtig" gewesen. Für Podcasterin Holly Allen ist derweil klar: "Er hätte der Familie Petito gegenüberstehen und ihr die Antworten geben soll, die sie verdient hatte."
Auf Antworten warten Petitos Eltern auch von anderer Seite: Noch immer läuft eine Zivilklage der Hinterbliebenen gegen die Polizei von Moab im US-Bundesstaat Utah. Infolge eines Streits in einem weißen Van hatte ein Zeuge wenige Wochen vor Petitos die Polizei verständigt. "Er hat sie mehrfach geschlagen", hört man ihn in der Doku dem Polizeifunk mitteilen. Die Beamten stellen wenig später Brian Laundrie und Gabby Petito. Doch trotz scheinbar eindeutiger Anzeichen häuslicher Gewalt trennten die Polizisten beide nur für eine Nacht - ohne weitere Konsequenzen.