"Wie eine Zecke": Verrücktes Duell der "Bares für Rares"-Händler endet mit doppeltem Schätzpreis

Der Verkäufer hielt sein Flohmarktschnäppchen für "nutzlos", und doch löste sein Objekt ein unerwartetes Wettbieten im Händlerraum aus.
von  Bettina Friemel
Die "Bares für Rares"-Händler Walter Lehnertz (links) und Jos van Katwijk (rechts) sahen das Objekt und waren sofort hin und weg. Doch nur einer von beiden konnte die antike Wasserpumpe mit nach Hause nehmen.
Die "Bares für Rares"-Händler Walter Lehnertz (links) und Jos van Katwijk (rechts) sahen das Objekt und waren sofort hin und weg. Doch nur einer von beiden konnte die antike Wasserpumpe mit nach Hause nehmen. © ZDF

"Eine sehr schöne Pumpe", blitzten Horst Lichters Augen in der Freitagsausgabe der ZDF-Trödelshow. Beeindruckt schaute "Bares für Rares"-Experte Detlev Kümmel den Moderator an: "Ich staune, du hast es sofort erkannt!" Lichter kannte sogar den Mechanismus und führte vor: "Saugen - drücken - saugen - drücken." Er war begeistert: "Irre!"

Verkäufer Günther, der von seinem Sohn Klaus begleitet wurde, erzählte: "Das habe ich vor etwa 45 Jahren mal auf einem Flohmarkt entdeckt." Damals zog er mit seinem Studentenkumpel los: "Einfach aus Lust am Handeln haben wir da gefeilscht." Wie viel er für die Pumpe bezahlt hatte, wusste er nicht mehr: "Ich habe bestimmt nicht viel Geld dafür ausgegeben, weil es war für mich eigentlich nur schön, aber eigentlich praktisch nutzlos."

"Wir haben hier eine Duplexpumpe", brachte Detlev Kümmel sein Fachwissen ein. "Also eine Doppelkolbenpumpe, die durch Ansaugen Wasser anzieht und durch den Druck Wasser auch wieder abgibt." Das Modell aus den 1900er- bis 1910er-Jahren diente als Lehrhilfe in Schulen und Universitäten, um das Pumpsystem zu veranschaulichen, das bereits seit 1830 genutzt wurde.

Als Hersteller verriet die Messing-Plakette Ferdinand Ernecke aus Berlin, Hoflieferant des Kaisers von Preußen. "Von daher sehen wir schon, dass wir da auch noch eine sehr hohe Qualität erwarten dürfen", meinte Kümmel.

Walter Lehnertz: "Was bist du irre!"

Über 150 Euro hätte sich Günther bereits gefreut, Detlev Kümmel stellte sogar 180 bis 200 Euro in Aussicht: "Dafür gibt es auch Sammler." Günther strahlte: "Ja toll!"

Mit Walter Lehnertz und Jos van Katwijk waren zwei Kaufinteressenten schnell gefunden. "Weißt du, wofür du das aber auch nehmen kannst?", fragte Lehnertz seinen niederländischen Kollegen. "Für Felder zu begießen. Tulpenfelder." Noch starteten die beiden gut gelaunt in die Verhandlung. "Ich fange mit 78 Euro an", gab Julian Schmitz-Avila Walter Lehnertz die Vorlage für dessen 80-Euro-Gebot. Schnell lag der Preis bei 200 Euro und Jos van Katwijk wollte damit den Sack schon zumachen.

"210 Euro!", legte Lehnertz schnell nach. "Wie bist du denn da hinten drauf?", empörte er sich. "220 Euro!", ging van Katwijk mit. Ab jetzt wurde die Verhandlung zum persönlichen Duell. "Wir haben die Expertise, das wissen wir schon", wusste Lehnertz. "300 Euro glatt, dann bist du weg", grinste van Katwijk. "Sei vorsichtig mit solchen Aussagen", ahnte Liza Kielon, dass Lehnertz dadurch noch mehr angestachelt werden würde. "Was bist du irre!", rief Lehnertz über den Händlertisch.

Als van Katwijk noch auf 400 Euro erhöhte, siegte bei Lehnertz die Vernunft: "Nee, jetzt ist Schluss!" Trotzdem grummelte er: "Der ist ja auch wie eine Zecke. Wenn der sich festgesaugt hat, den kriegst du nicht mehr los."

Muschel, Fächer, Pilz? Keramik wird zum Interpretationsobjekt

Verkauft wurde auch eine Vase: Muschel, Fächer, Pilz? Was genau die Keramik von Karl Scheid aus dem Jahr 1975 darstellen sollte, blieb Interpretationssache. Der Wert lag jedoch bei 200 bis 300 Euro. Jos van Katwijk gefiel das Design ausgesprochen gut und gab 180 Euro aus: "Ich mag so etwas! Der Stil ist schön."

Die drei Krawattennadeln von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden auf 250 bis 300 Euro geschätzt. Mit 240 Euro machte Walter Lehnertz das höchste Gebot und bekam den Zuschlag.

Der Christbaumständer mit Spieluhr aus der Zeit zwischen 1905 und 1910, vermutlich von Eckhardt, war 600 bis 800 Euro wert. Die Schmerzgrenze von 800 Euro wollte jedoch niemand im Händlerraum ausgeben. Der Christbaumständer blieb bei seiner Besitzerin.

Die Reiseuhr von Cartier aus Sterling-Silber wurde zwischen 1905 und den 1910er-Jahren hergestellt und hatte einen Wert von 3.000 bis 4.000 Euro. Lisa Nüdling und Julian Schmitz-Avila lieferten sich ein Bieterduell, das Nüdling mit 4.100 Euro für sich entschied.

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