Whitney Houston: Eine Stehauf-Frau?

Die Soul-Diva ist wie viele Stars des Musikgeschäfts tief gefallen. Ihr Comeback am Donnerstagabend in der Münchner Olympiahalle soll umso strahlender ausfallen – sie kämpft um ihren Ruf
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Whitney Houston
dpa Whitney Houston

Die Soul-Diva ist wie viele Stars des Musikgeschäfts tief gefallen. Ihr Comeback am Donnerstagabend in der Münchner Olympiahalle soll umso strahlender ausfallen – sie kämpft um ihren Ruf

Am Donnerstag beging Joe Cocker seinen 66. Geburtstag. Er wurde also endlich so alt, wie er eigentlich schon bei seinem Durchbruch in Woodstock 1969 aussah. Dass er es überhaupt bis ins Jahr 2010 schaffte und sich nicht schon früh in die Todesliste der wilden Jungen – von Hendrix bis Cobain – einreihte, hat nur einen Grund: Joe Cocker verließ nach Jahrzehnten des Deliriums den Pfad von Drogen und Alkohol, stieg um aufs Rennrad und genießt nun sein Leben als aktiver Rockopa. Er kann sich auf alten Aufnahmen die Konzerte anschauen, auf denen er nur körperlich präsent war, an die er aber keine Erinnerung mehr hatte. Auch Eric Clapton berichtet in seiner Biografien von Tourneen und Konzerten in Fußballstadien, von denen er nur Fotos besitzt, aber nichts mehr im Gedächtnis.

Und wer im Sommer 2006 im Münchner Olympiastadion besichtigen durfte, wie Ron Woods von zwei Ordnern auf die Bühne geschleppt wurde, wo er das Stones Konzert mit absoluter Teilnahmslosigkeit begann, der weiß, dass es durchaus nicht mehr glanzvoll ist, wenn die Stars den inneren Warnschuss ignorieren.

Kaputt ist nicht sexy, und selbst die britische „Sun“, Fachblatt für jeden Skandal, schrieb im vergangenen Jahr eine Art Appell an Pete Doherty und Amy Winehouse, voller Sorge, mit den stets auf der Klippe balancierenden Sängern zwei der größten Talente der britischen Popmusik zu verlieren. Denn die Öffentlichkeit liebt nichts mehr als die Wiedergeburt, den aus der Asche auferstandenen Paradiesvogel.

Whitney Houston wollte mit ihrem neuen Album und der Tournee, die sie morgen in die Münchner Olympiahalle führt, nichts anderes als genau diese Geschichte erzählen. Das Märchen von der schönen Frau mit der Wunderstimme, die 170 Millionen Tonträger verkaufte, aber in den 15 Ehejahren an der Seite des „bösen“ Sängers Bobby Brown Prügel bezog und in den Drogensumpf abtauchte. Erst nach der Scheidung 2007 kam sie wieder zu sich – und präsentierte sich zunächst fast in alter Form. Doch das glanzvolle Comeback drohte zu scheitern. Die ersten Eindrücke, die sie in Paris, Dublin und Berlin waren desolat.

Die Sängerin krächzte, das Publikum buhte. Aber die „frühzeitig gealterte 46-Jährige“ (Wiener Kurier) ist auch eine Kämpferin im Showbusiness. Am Mittwochabend wurde sie bei einem skandalfreien Konzert in Wien gefeiert. Nur einige konfuse Ansagen irritierten das Publikum, dafür punktete sie mit Selbstironie: „Ich schwitze viel, Tina Turner hat mir gesagt, dass sei gut für die Haut.“ Vielleicht wird es am Freitag in München ja doch noch was, mit dem Märchen des glanzvollen Comebacks.

Bernd Löttgen

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren