"Werde mich hart, aber fair bestrafen": "Gladiators"-Neuauflage bei RTL lädt zum Fremdschämen ein
Ist das Kult oder kann das weg? Die Frage wird bei vielen Klassikern aus vergangenen Zeiten gestellt, auch in der deutschen Unterhaltungsbranche. Und man könnte sie auch angesichts von "Gladiators - Die Show der Giganten" stellen. RTL haucht damit einem einstigen Kult-Format neues Leben ein. "American Gladiators" hieß das Original. In Amerika lief es ab 1989, zwischen 1992 und 1994 wurde eine synchronisierte Version in Deutschland gesendet - auch bei RTL und moderiert von einer Stoffpuppe.
Es war eine kleine Puppe namens Joe. Und auch die neuen Moderatoren, aus Fleisch und Blut, waren klein, als "American Gladiators" einst startete. Laura Wontorra (Jahrgang 1989) lag in den Windeln, Jan Köppen (1983) freute sich auf die Schultüte. Jetzt moderieren sie "Gladiators" - und zwar ganz mutig direkt in der Arena.
Während sie also da stehen, wo es wehtun kann, nämlich da, wo Gladiatoren und Herausforderer aufeinander prallen, sitzt Frank Buschmann als Kommentator über allem und brüllt sich in alter "Ninja Warriors"-Tradition die aufgewühlte Seele aus dem Leib. "Das gibsdochnich!", "Jabbadabbadu!", "Dasisunfassbaaar!" Buschi, wie er leibt und lebt und kreischt. Wo nimmt der Mann nur seinen authentischen Enthusiasmus her? Zumal bei diesem Showkampf ziemlich viel wenig authentisch ist.
"Jabbadabbadu!" Frank Buschmann, wie er leibt und lebt und brüllt
Unbestritten: Die körperlichen Leistungen aller Teilnehmer sind außergewöhnlich und beklatschenswert. In je fünf aus insgesamt 13 Spielen müssen je zwei Herausforderer (Contenders) möglichst viele Punkte sammeln. Ausgewählte Gladiatoren aus der insgesamt 17-köpfigen Gladiatoren-Garde versuchen das zu verhindern. Und schon prallen Welten und Muskelberge aufeinander, männliche wie weibliche. Am Ende entscheidet der Hindernisparcours ("Eliminator"): Der Contender, der den als erster beendet, steht im Halbfinale. Und am Ende des Finales wird ein "Gladiators Champion" gekürt werden.
In der ersten von drei Vorrundensendungen gingen in der neuen Sende-Generation als Erste Sebastian (47) und Uli (41) an den Start. Sebastian hat damals, als Kind, das Original gesehen - und geliebt. Folglich ging er mit Dauergrinsen durch jedes Spiel, egal wie viel er einstecken musste. Selbst nachdem er im "Eliminator" gegen den Jason-Statham-Lookalike Uli wegen Verletzung ausgeschieden war und das Halbfinale verpasste, war er selig: "Für mich wurde ein Traum wahr. Ich bin so glücklich."
Neben Uli schafften es auch Krissi (31, gegen Vanessa, 28) sowie in der zweiten Runde Andrew (35, gegen Niklas, 27) und Corinna (37, gegen Vero, 36). Andrew lieferte dabei das Sportmärchen des Abends: Er musste für den verletzten Christopher (34) einspringen und schaffte es als Nachrücker ins Halbfinale.
Gladiators-Revival: Tolle Wettkämpfe, ausbaufähige Dialoge
So ein märchenhaftes Happy End passt zu der Show, die zwischen den Spielen viel Märchenhaftes enthält. Im Original waren die Gladiatoren zunächst die heimlichen und bald die wahren Helden. Gladiatoren und Gladiatorinnen wie Titan, Laser, Diamond, Ice, Fire oder Panther wurden damals in der Fanszene zu echten Superstars - und sind auch jetzt wieder (natürlich neu besetzt) wieder dabei. Ob es die neuen Gladiatoren und Gladiatorinnen zu echten Heroes schaffen? Da müsste mehr kommen als ein paar Einblicke in die Umkleidekabine und pseudo-markige Sprüche.
Denn obwohl die Wettkämpfe durchaus hui sind: Das dazwischen ist eher pfui. Absolut ausbaufähig ist die Konversation nach den Wettkämpfen zwischen Gladiatoren und Moderatoren. Da fällt es halt auch dem Jüngsten in der Zielgruppe auf, dass das gescriptet ist. Die Sätze der Gladiatoren sind so aufgesetzt wie doof. Beast nach einer Niederlage gegen Contender Uli bei "Sumo Ball": "Ich werde mich hart, aber fair bestrafen." Fire nachdem sie von Vanessa in der "Battle Zone" mühelos aus dem Weg geräumt wurde: "Wir werden stärker zurückkehren." Hmm.
Gladiator schleppt Jan Köppen ab: "Nein, nein, oh Gott!"
Es macht es natürlich nicht glaubwürdiger, wenn auch die Moderatoren das Faken noch nicht so beherrschen. Jan Köppen ließ sich zwar auf inszenierte Auseinandersetzungen mit miesepetrigen Gladiatoren und Gladiatorinnen ein. Aber als ihn Beast dann erbost unter der Arm klemmte, abschleppte und gaaanz dolle auf eine Weichmatte pinnte, klang das köppen'sche "Nein, nein, oh, Gott!" doch arg unprofessionell. Und als sich Köppi und die coole Ice mit eisigen Blicken duellierten, sprang Laura Wontorra schon viel zu früh aus dem Weg - grinsend, und hätte den "Staring Showdown" fast verpatzt.
Nachdem Contender Niklas (1,77 Meter) dem Hünen Giant (2,01 Meter) auf der "Duel"-Plattform trotzte und das Schubsen mit den XXL-Wattestäbchen gewonnen hatte, baute sich Giant böse vor Niklas auf, um das Match wenigstens im Wort-Duell zu gewinnen: "Beim nächsten Mal wird's nicht so leicht."
Woooow! Niklas grinste nur höhnisch, aber Jan Köppen erinnerte sich wohl ans Drehbuch und schritt ein: "Auseinander!", mahnte er laut und hölzern wie der Laiendarsteller, der beim ersten Shakespeare-Auftritt im örtlichen Theaterverein "Ein Pferd!" ruft. Immerhin: Köppen musste selbst grinsen. Was für seinen merkwürdigen Humor spricht - nicht aber für die Inszenierung. Wenn schon Show, dann doch bitte glaubwürdig.
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