Wenn Menschen zu Schach-Figuren werden

Packender Nachschub für den Serien-Donnerstag: Die vierteilige Miniserie entfaltet ein auf wahren Ereignissen basierendes Familiendrama mit Zügen eines internationalen Politthrillers. Es geht um die sechsjährige Geiselhaft der britisch-iranischen Staatsbürgerin Nazanin Zaghari-Ratcliffe im Iran.
von  Rupert Sommer
Richard Ratcliffe (Joseph Fiennes, links) bleibt mit seinem Freund Oliver Denton (Sam Troughton) hartnäckig am Ball, um von London aus mehr über das Schicksal seiner Familie zu erfahren.
Richard Ratcliffe (Joseph Fiennes, links) bleibt mit seinem Freund Oliver Denton (Sam Troughton) hartnäckig am Ball, um von London aus mehr über das Schicksal seiner Familie zu erfahren. © ARTE/Dancing Ledge Productions

Die neue ARTE-Serie "Prisoner 951" beginnt mit einer Flughafenszene, die harmloser und alltäglicher nicht wirken könnte. In Teheran im April 2016 befindet sich Nazanin Zaghari-Ratcliffe zusammen mit ihrer kleinen Tochter Gabriella eigentlich auf den planmäßigen Heimweg nach London. Doch am Flughafen wird sie plötzlich vom Sicherheitspersonal aufgehalten. Angeblich gibt es ein "Problem" mit ihrem Reisepass. Gabriella wird ihr von den Beamten entrissen - und Nazanin verschwindet.

Quälender Kampf gegen das öffentliche Verdrängen

In London erfährt ihr Ehemann Richard (Star-Schauspieler Joseph Fiennes) von der Verzögerung im Reiseablauf. Noch glaubt er an ein Missverständnis. Doch die Tage vergehen ohne Nachricht. Dann stellt sich heraus: Nazanin wird der Spionage beschuldigt, in Einzelhaft gesteckt und Hunderte Kilometer entfernt in ein abgelegenes Gefängnis verlegt. Dort konfrontiert man die zunehmend verzweifelte Mutter mit brutalen Verhören und schneidet sie von allen Kontaktmöglichkeiten ab. Die Isolation ist zermürbend.

Richard beginnt zu recherchieren, kontaktiert Behörden und andere betroffene Familien. Die Wahrheit ist erschütternd: Nazanin ist kein Einzelfall. Sie ist Teil eines politischen Machtspiels - mit Menschen als lebendigen Schachfiguren wider Willen. Während das Außenministerium zur Geduld mahnt, wächst Richards Verzweiflung. Er merkt: Schweigen hilft niemandem. Die Welt muss erfahren, was geschehen ist. Und so beginnt sein Kampf; gegen die Mühlen der Bürokratie britischer Behörden, die Gleichgültigkeit und für die Freiheit seiner Frau.

Wenn Diplomatie in zynische Grausamkeit umschlägt

Die von Philippa Lowthorpe inszenierte Miniserie verbindet intimes Familiendrama mit hochaktuellem Politthriller und beleuchtet die zivilen Opfer diplomatischer Verstrickungen zwischen Großbritannien und dem Iran. Die Titelrolle der Nazanin Zaghari-Ratcliffe spielt Narges Rashidi, ihren Ehemann Richard verkörpert Joseph Fiennes ("The Handmaid's Tale", "Shakespeare in Love"). Die Serie basiert auf den tatsächlichen Erlebnissen der britisch-iranischen Staatsbürgerin, die 2016 während eines Familienbesuchs im Iran verhaftet und erst im März 2022 - nach fast sechs Jahren - freigelassen wurde.

ARTE zeigt ab 22.00 Uhr alle vier Folgen in einer Blockprogrammierung. Die zweite Episode startet um 23.10 Uhr,

Prisoner 951 - Do. 17.09. - ARTE: 22.00 Uhr

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