Wenn der Wunsch nach Anerkennung lebensgefährlich wird

TikTok ist eine Plattform, deren Sinnhaftigkeit bei älteren Generationen lange eher Schulterzucken verursachte. Für Jugendliche und junge Erwachsene aber bedeutet sie oftmals die Welt. Eine schwierige Situation, denn während Länder wie Australien oder Großbritannien die Gefahr von Social Media erkannt und den Zugang altersbeschränkt haben, werden eben jene Gesetze von nicht wenigen belächelt, umgangen oder lautstark kritisiert. Wie also steht es wirklich um die Sicherheit von Jugendlichen im Netz, insbesondere mit Blick auf sogenannte "TikTok-Challenges"? Die stellenweise sehr schockierende ZDF-Reportage "37°- Klicks um jeden Preis" von Kathi Liesenfeld und Andrea Schäfer geht dieser Frage nach.
"Weltweit nutzen über 1,5 Milliarden Menschen TikTok und viele posten Videos", heißt es zu Beginn der Sendung. Die meisten davon seien harmlos, doch laut einer im Film zitierten Studie der Landesanstalt für Medien NRW gelte ein Drittel aller Challenges als potenziell gefährlich. "Ein Prozent soll sogar tödlich sein", lautet die im Beitrag formulierte Einschätzung.
Wenn die Challenge tödlich endet
Alexander war noch nie auf TikTok. Doch seine 17-jährige Tochter Leonida verlor durch die Plattform ihr Leben: Im Januar 2023 hatte sie an einer "Deo-Challenge" teilgenommen, heißt es: "Dabei wird möglichst lange Deo auf die Haut gesprüht, bis sich Blasen bilden. In einer nächsten Stufe wird das Deo eingeatmet", heißt es im Film. Alexander ist sich sicher: "Ohne Social Media wäre sie nie auf die Idee gekommen, so etwas zu machen."
Auch Ivan hat bereits Erfahrungen mit lebensbedrohlichen Challenges gesammelt: Für die sogenannte "Piloten-Challenge" hielt er die Luft an, bis er ohnmächtig wurde und zog sich dabei eine Platzwunde zu. Der 16-Jährige ist sich den Gefahren der Online-Mutproben bewusst, dennoch nimmt er immer wieder daran teil. Wie bei vielen Jugendlichen ist es die Aufmerksamkeit, die ihn dazu antreibt. Der junge Mann will Rapper werden und braucht Reichweite und Klicks. "Ich habe 32.161 Follower auf TikTok", sagt er. Einsam fühlt er sich trotzdem: "Nur weil sie meine Follower sind, heißt das nicht, dass es sie interessiert, wie es mir geht."
Medienkompetenz als Rettung?
Sara ist im Umgang mit ihrem eigenen Medienkonsum schon weiter: Mit elf Jahren geriet das Mädchen an Inhalte, die sie überforderten. Heute ist die 18-Jährige bewusster online unterwegs. Als Medienscout versucht sie außerdem, Schulklassen für die Gefahren von TikTok zu sensibilisieren.
Ob ein Coaching Leonida vielleicht gerettet hätte? Diese Frage lässt sich nicht beantworten. Ihr Vater Alexander hat von den gefährlichen Challenges erst nach dem Tod des Mädchens erfahren. "Ich finde es auch unfassbar, dass so was zugelassen wird", beklagt er. EU-weit wird ein Social-Media-Verbot zwar derzeit diskutiert, in Deutschland ist die Umsetzung allerdings leider noch nicht in Sicht.
37°: Klicks um jeden Preis - Di. 15.09. - ZDF: 22.15 Uhr