Wegen Schweinsteiger-Frage: Jürgen Klopp bricht Interview ab

Eine Frage zu Bastian Schweinsteigers umstrittenen Aussagen über die Elfenbeinküste reicht - und Jürgen Klopp ist raus. Der TV-Experte nennt das Thema "ernst", will sich nicht festlegen und verabschiedet sich mit einer sarkastischen Spitze Richtung "Deutsche Welle".
von  (dr/spot)
Jürgen Klopp mit seinem MagentaTV-Kollegen Thomas Müller und dem ARD-Experten Bastian Schweinsteiger bei der Fußball-WM 2026. (v.l.n.r.)
Jürgen Klopp mit seinem MagentaTV-Kollegen Thomas Müller und dem ARD-Experten Bastian Schweinsteiger bei der Fußball-WM 2026. (v.l.n.r.) © Alexander Hassenstein/Getty Images

MagentaTV-Experte Jürgen Klopp (59) hat bei einem Medientermin in New York rund um die Fußball-WM ein Interview vorzeitig beendet - sichtlich genervt von einer Frage, der er sich nicht stellen wollte. Wie ein Video der "Deutschen Welle" dokumentiert, ging es um den Kollegen und ARD-Experten Bastian Schweinsteiger (41) und dessen umstrittene Worte über die Spielweise der Elfenbeinküste. Schon während eine DW-Journalistin ihre Frage formulierte, fiel Klopp ihr ins Wort: "Und jetzt wollen Sie dieses Thema weiterdrehen." Eine echte Antwort verweigerte der frühere Trainer von Liverpool und Borussia Dortmund.

Anzeige für den Anbieter X über den Consent-Anbieter verweigert

Auslöser war Schweinsteigers Analyse beim deutschen WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste. Als Experte der ARD beschrieb der Weltmeister von 2014 die Spielweise der Westafrikaner als "wild", "unorthodox" und "nicht ganz so taktisch" - und sprach pauschal von "afrikanischem Fußball". Vor allem im Netz sorgte das für Diskussionen. Schweinsteiger wurde vorgeworfen, Stereotype zu bedienen und afrikanischen Mannschaften in Gänze ein geringeres taktisches Verständnis zuzuschreiben.

Scharfe Kritik kam auch vom Journalisten und Autor Philipp Awounou. In einem Gastbeitrag für den "Spiegel" ordnete er die Wortwahl historisch ein: "Damals wurden schwarze Menschen afrikanischer Herkunft als unzivilisiert ('wild'), andersartig ('unorthodox') oder auch potenziell gefährlich ('unberechenbar') stigmatisiert." Schweinsteiger sei kein Rassist, betonte Awounou zugleich - seine Äußerungen aber "problematisch".

Jürgen Klopp: "Sie bringen mich damit in eine Zwickmühle"

In diese aufgeheizte Stimmung platzte die Frage an Klopp, der bei der WM für MagentaTV im Einsatz ist. Ausweichen kam für ihn nicht infrage - stattdessen machte er deutlich, dass er sich auf das Terrain nicht begeben wollte: "Nein, nein, ich habe keine Chance, diese Frage so zu beantworten, dass es allen gefällt. Sie bringen mich damit in eine Zwickmühle."

Er fügte hinzu: "Es ist nicht meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es allen gefällt, aber das ist ein ernstes Thema. Und ich weiß nicht einmal, was man dazu angemessen sagen kann. Für Afrikaner ist es das eine, für andere wieder etwas anderes. Und ich bin nicht hier, um zu sagen, was richtig ist."

Sarkastischer Abgang von Jürgen Klopp

Den Schlusspunkt setzte Klopp mit einer spitzen Bemerkung. Er deutete auf das Mikrofon der Reporterin, erkannte das Logo der "Deutschen Welle" - und stellte sarkastisch fest: "Und überraschenderweise sind Sie deutsch. Das überrascht mich so sehr." Mit übertriebenem Lächeln drehte er sich weg, bedankte sich überschwänglich und beendete das Gespräch.

Deutschland hatte sich gegen die Elfenbeinküste im zweiten Gruppenspiel mit 2:1 durchgesetzt und damit den Gruppensieg in der Gruppe E vorzeitig gesichert. Das letzte Vorrundenspiel steht am Donnerstagabend gegen Ecuador an. Anpfiff in East Rutherford in der Nähe von New York City ist um 22 Uhr (MESZ).

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.