Was ist passiert? ARD und ZDF berichten nur noch halb so oft übers Klima wie vor drei Jahren

Temperaturen über 40 Grad, tropisch heiße Nächte und Wassermangel in vielen Städten und Regionen: Die Hitzewelle, die Europa ab Juni heimsuchte, hielt der Deutsche Wetterdienst für ein "historisches" Extremereignis. Widergespiegelt hat es sich im TV-Programm von ARD und ZDF in bemerkenswerter Weise: nämlich historisch wenig. Zu dieser Auswertung kommt eine Analyse der Initiative "Klima vor acht".
Den Zahlen der Untersuchung zufolge sank der Anteil der Sendeminuten zur Klimakrise im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unter ein Prozent. 0,95 Prozent im Ersten und 0,82 Prozent im ZDF seien im ersten Halbjahr 2026 für Klima-Berichterstattung reserviert gewesen. Dabei handle es sich um "den niedrigsten Wert seit Beginn der kontinuierlichen Messungen Mitte 2021". Im Vergleich zu 2023 habe sich die Berichterstattung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu Klima-Themen mehr als halbiert.
"Öffnen den Raum für Verharmlosung und Desinformation"
Weiter kritisieren die Autoren der Studie, dass die 20-Uhr-"Tagesschau" den Zusammenhang zwischen Hitze und Klimakrise erst am 24. Juni - sechs Tage nach Beginn der Warnperiode des Deutschen Wetterdiensts - benannt habe. Das ZDF habe die Extremwetterlage früher eingeordnet, sei dabei aber nicht konsequent geblieben. Der Datenwissenschaftler Norman Schumann, Sprecher von "Klima vor acht", fordert: "Wir brauchen die Entscheidung der Programmverantwortlichen, den Klimabezug nicht länger zu verschweigen."
Ältere Menschen seien von Hitzewellen gesundheitlich überproportional stark betroffen - zugleich bilden sie das Kernpublikum von ARD und ZDF. Daraus ergebe sich eine besondere Verantwortung, wie die Autoren der Initiative schreiben: "Wo die reichweitenstärksten Formate schweigen, überlassen sie es anderen, die Auswirkungen der Klimakrise einzuordnen - und öffnen den Raum für Verharmlosung und Desinformation."
Infolge der Hitzewelle im Juni kam es in Deutschland unter anderem zu Schäden an Straßen und Schienen sowie zu Wald- und Flächenbränden. In einzelnen Städten wie Köln und Essen waren Rettungsdienste und Notaufnahmen durch Hitzepatienten überlastet. In der heißesten Woche ab 22. Juni registrierte das Statistische Bundesamt "etwa 6.800 Sterbefälle mehr als noch zwei Wochen zuvor".