"Wäre natürlich der größte Wunsch": Das hofft Neureuther für seine Enkelkinder

AZ: Herr Neureuther, mit Ihrer Familie verbindet man natürlich Olympische Winterspiele. Wo sehen Sie Ihre Enkel bei möglichen Sommerspielen in München?
CHRISTIAN NEUREUTHER: Das wäre natürlich der größte Wunsch. Winterspiele bekommen wir nicht mehr, aber bei drei Möglichkeiten ist die Chance groß, dass ein Kind oder Enkel dabei ist. Mit Matilda, die gerade neun geworden ist, haben wir das gestern besprochen: Rhythmische Sportgymnastik ist ausgeschlossen, sonst ist alles möglich.
Welche Sportarten kommen stattdessen infrage?
Wir haben in der Familie Läufer, begeisterte Radlfahrer und einen Fußballer. Der Kleinste, anderthalb Jahre alt, würde bislang wohl im Bananenschälen antreten.
Wenn das bis dahin olympische Disziplin ist. Aber im Ernst: Seit 1972 sind sieben deutsche Olympia-Bewerbungen gescheitert. Klappt es denn endlich diesmal?
Ich bin von Haus aus immer positiv an die Dinge herangegangen, ohne naiv zu sein. Im Sport kommst du nicht weiter, wenn du nur die Bedenken siehst. Es braucht Orientierung und vollen Einsatz. Wenn wir das bringen und gescheit genug sind, und das sind wir in Deutschland, ist die olympische Welt bereit, Spiele wieder zu uns zu geben. Für mich ist es eine München-Bewerbung, letztlich aber eine deutsche.
Was spricht für München, für Deutschland?
Die Spiele 2024 in Paris haben gezeigt, welche Strahlkraft Olympia haben kann – und München hat diese Strahlkraft ebenfalls. Wir können organisieren und Begeisterung entfachen. Nach den erfolglosen Bewerbungen sind wir einfach wieder dran. Wichtig ist auch, dass wir von vornherein wissen, dass wir uns womöglich drei Mal bewerben werden. Olympische Spiele hängen aber nicht nur an einem guten Konzept, sondern an Menschen, die international bekannt sind, auch in Asien und Südamerika. Jean-Claude Killy hat die Spiele damals nach Albertville geholt, Sebastian Coe nach London, Franz Beckenbauer die Fußball-WM 2006 nach Deutschland. Für mich hat der Fußball die größte Strahlkraft, deshalb wäre Jürgen Klopp ideal, der als Kind beim Thema Olympia leuchtende Augen hatte.
2036 wären es 100 Jahre seit den Nazi-Spielen von 1936. Wie kritisch sehen Sie das?
Es ist eine Frage des Umgangs. Die Aufarbeitung ist wichtig, am wichtigsten hier in Deutschland. International überschätzen wir das oft, auch wenn es sicher sensible Länder gibt. Man muss damit umgehen und dazu stehen. Es ist 100 Jahre her, und Olympia kann in Sachen Zusammenhalt und Antirassismus vieles bewirken.
Der neue Oberbürgermeister Dominik Krause von den Grünen schätzt, dass Spiele in München zehn Milliarden Euro kosten würden – ist das nicht ganz schön viel, wo doch an Sportstätten eigentlich schon fast alles steht?
Man muss das trennen: Die reinen Veranstaltungskosten decken Einnahmen aus Werbeverträgen und vom IOC. Dazu kommt die Infrastruktur, und die sehe ich nicht nur in München. Bei Sport, Verkehr und Sportstätten ist in ganz Deutschland vieles nötig, wie 2006, als alle Stadien hergerichtet wurden. Diese Maßnahmen sind sowieso notwendig, dafür gibt es das Sondervermögen. Olympia ist ein Booster. Es sind Kosten, die dem Land langfristig guttun und uns Bürger nicht ad hoc treffen.
Ein Vorteil für die Stadt ist sicher, dass dank der Olympia-Kampagne sofort mit den Infrastrukturmaßnahmen begonnen werden muss, korrekt?
Diese Bewerbung wirkt in Bereiche hinein, die die ganze Gesellschaft betreffen: Schulsystem, mehr Bewegung, Kinder zum Sport bringen, Leistungsbereitschaft. Wir hatten schon ewig kein Leuchtturm-Projekt mehr wie dieses, an dem wir uns orientieren können. Der Sport erreicht so viele Menschen, auch in Nordrhein-Westfalen und im Rhein-Ruhr-Gebiet. Wir müssen die Ränder, die links und rechts aufbrechen, wieder in die Mitte führen – und dazu hat der Sport die größten Kräfte.
Und wie diese Kräfte mobilisieren?
Aus diesem Grund müssen wir den Menschen klarmachen, dass nicht nur München profitiert, sondern ein ganzes Land in äußerst schwierigen Zeiten. Daran, wie derzeit unsere Wahlen ausgehen, sehen wir, wie unzufrieden die Menschen sind. Aber über den Sport können wir auch wieder Halt und Ziele formulieren, die uns alle bewegen werden. Denn die Emotion ist immer noch das Wichtigste für den Menschen.