Vorwürfe gegen Michael Jackson: Darum schwieg seine "zweite Familie"

Anfang des Jahres wurde bekannt, dass vier Geschwister aus einer ehemals mit Michael Jackson eng befreundeten Familie Klage eingereicht haben. Sie sprechen nun über die Anschuldigungen und ihre Zeit als "Soldaten" für den King of Pop.
von  (wue/spot)
Michael Jackson während eines Auftritts im Jahr 1996.
Michael Jackson während eines Auftritts im Jahr 1996. © imago images/Avalon.red/E. Catarina

Schon zu Lebzeiten des King of Pop gab es schwere Vorwürfe gegen Michael Jackson (1958-2009). Anfang des Jahres wurde eine weitere schwerwiegende Klage eingereicht. Vier Geschwister aus der Cascio-Familie, die sich einst als "zweite Familie" des verstorbenen Weltstars präsentierte, werfen dem Sänger sexuellen Missbrauch vor. Warum sie so lange geschwiegen haben, erklären sie im Gespräch mit der "New York Times".

Die vier Geschwister und ein fünftes Geschwisterteil, das laut eigenen Angaben aufgrund rechtlicher Gründe nicht Teil der Klage ist, sagen der Zeitung, dass sie gegroomt wurden, um Jackson in der Öffentlichkeit zu beschützen. Sie sprechen von sich als eine Art "Soldaten", die vorderste Front in der Verteidigung des King of Pop. Sowohl in der Klage als auch im Gespräch berichten die Geschwister von mutmaßlichem Missbrauch Jacksons.

Sie sollen "eine Gehirnwäsche" bekommen haben

Mehrere der fünf Geschwister hätten demnach früh erkannt, dass Jacksons mutmaßliches Verhalten falsch gewesen sei, sie hätten sich aber zu überwältigt gefühlt, um untereinander oder öffentlich darüber zu sprechen. Selbst gegenüber den Eltern hätten die Geschwister Übergriffe verneint. Andere hätten missbräuchliche Muster erst erkannt, nachdem sie die im Jahr 2019 veröffentlichte Dokumentation "Leaving Neverland" gesehen hatten, in der zwei Männer ebenso Vorwürfe gegen Jackson erheben. In der Klage stehe, dass sie "deprogrammiert" wurden.

"Wir wurden einer Gehirnwäsche unterzogen, wir wurden gegroomt", sagt der heute 43-jährige Eddie. Er behauptet, Jackson habe den Kindern beigebracht, ihn gegen Anschuldigungen zu beschützen. Der Sänger habe gegenüber mehreren der Kinder damals betont, dass sie eine besondere Beziehung hätten und falls jemand davon erfahren würde, sowohl sein als auch ihr Leben zerstört werden würde.

Anwalt beteuert Unschuld Jacksons

Schon mehrere Jahre bevor die Klage eingereicht wurde, hatten die Geschwister dem Bericht zufolge mit dem Nachlass Kontakt. Im Jahr 2020 habe es demnach eine Einigung gegeben, laut der sie über einen Zeitraum von fünf Jahren Zahlungen in Höhe von ungefähr 16 Million US-Dollar erhalten haben sollen. Im Jahr 2025 seien die Zahlungen eingestellt worden. Die Geschwister hätten eine zusätzliche Entschädigung gefordert, die es allerdings nicht gegeben habe.

Michael Jackson und später auch sein Nachlass haben stets alle Anschuldigungen abgestritten. Marty Singer, der Anwalt des Jackson-Nachlasses, habe in einem Statement die Klage als "verzweifelten Versuch, an Geld zu kommen", beschrieben. Die Familie habe "Michael Jackson mehr als 25 Jahre lang entschlossen verteidigt und seine Unschuld in Bezug auf unangemessenes Verhalten bekräftigt".

Die neue Klage sei eine Taktik im Rahmen eines Plans, "um Hunderte Millionen Dollar aus Michaels Nachlass und seinen Unternehmen zu erlangen". In Gerichtsunterlagen heiße es von Seite des Nachlasses, die Geschwister hätten negative Publicity durch "Leaving Neverland" als Vorwand genutzt, um "ihre frühere Unterstützung für Michael zu widerrufen und falsche und fadenscheinige Anschuldigungen gegen ihn zu erheben, sofern sie dafür nicht bezahlt wurden".

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