Vom Pappdrachen bis zur KI von heute

Vor 150 Jahren, am 13. August 1876, eröffnete Richard Wagner mit seiner Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" sein eigens hierfür gebautes Festspielhaus in Bayreuth. Ein Vorspiel ("Rheingold") und drei Musikdramen an vier Tagen hintereinander - ein monströses Werk, bis heute gefeiert oder gemieden.
von  Hans Czerny
"Das Rheingold" ist der Auftakt des Rings: Nachdem die Rheintöchter den Zwerg Alberich verspottet haben, schwört dieser der Liebe ab und raubt das Rheingold, um einen Ring daraus zu schmieden.
"Das Rheingold" ist der Auftakt des Rings: Nachdem die Rheintöchter den Zwerg Alberich verspottet haben, schwört dieser der Liebe ab und raubt das Rheingold, um einen Ring daraus zu schmieden. © ARTE / Accentus Music

Bayreuth, 13. August 1876: An diesem Tag eröffnet Richard Wagner mit dem "Rheingold" und den folgenden drei Musikdramen "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" sein eigens für seine Werke errichtetes Festspielhaus. Grund genug für den Kultursender ARTE, dieses Jubiläum zu würdigen. 16 Stunden Oper, in fast 30-jähriger Arbeit als "Gesamtkunstwerk" geschrieben: Wie lässt sich das in einer knappen TV-Stunde als Dokumentation aufbereiten? - Dem Regisseur Andy Sommer gelingt das unter anderem mit einem Trick: Er lässt die Sprecherin Marina Frenk als "Brünhilde" gewissermaßen von der Bühne herab durch Wagners Intentionen und seine Opern führen. Eine geschickte Verknappung, die trotz aller Vielfalt für Fans und Gegner die Spannung hält.

Den Bogen zu spannen zwischen damals und heute, zwischen dem von Siegfried erlegten, knarzenden Pappdrachen und der KI-Version des Jahres 2026, die gar keine Inszenierung, sondern mit Bildern aus den vergangenen 150 Jahren "Teil einer Skulptur" sein will, ist sicher nicht leicht. Doch es gelingt dank vielfacher, unbeschwert vorgetragener Experten-Statements (von Sängern, Sängerinnen, Regisseuren und Musikologinnen, auch ein Zürcher Musikantiquar ist dabei), den Kreis zwischen heute und gestern zu schließen. Keine Kunst, wenn man Brünhilde, die Tochter vom Alten, also von Göttervater Wotan, ist.

Erstaunlich vieles wird gestreift und thematisiert: Wagners Leistung, Text und Musik zugleich zu komponieren, Wagners Unzufriedenheit nach der gefeierten Uraufführung, seine Vorwegnahme des Kinos und die Wiederaufnahme durch Hollywoods Action- und Fantasy-Filme. Aber auch die Nazi-Wochenschauen mit dem Walkürenritt als Begleitmusik zum Bombenangriff fehlen nicht. Wagner war Hitlers Lieblingskomponist, Bayreuth sein Wallhall. Chéreaus "Jahrhundertring" von 1976 wird erwähnt - und ebenso, jüngst, Wotan und Konsorten als ganz normale Menschen, eine "disfunktionale Familie", wie von Ring-Regisseur Valentin Schwarz intendiert.

Die feministischen Rollen-Interpretationen als Handelnde, ohne martialisch-heldisch zu sein, kommen hinzu. "Am Ende brenne ich Wallhall nieder", sagt die liebende "Brünhilde", die durch den Film zum Jubiläum führt, und fragt besorgt: "Aber was kommt nach dem Untergang?"

Zur Feier des 150. Ring-Jubiläums zeigt ARTE im Anschluss "Das Rheingold" von den Salzburger Osterfestspielen 2026 (Inszenierung Kirill Serebrennikow) in Erstausstrahlung (23.35 Uhr). "Die Walküre" und "Siegfried" von 2022 (Berlin, Regie: Dmitri Tcherniakov), sowie der Orchesterquerschnitt "Ring ohne Worte" von Lorin Maazel (Fassung von 1987) sind in der ARTE-Mediathek zu finden. Am Sonntag, 16. August, 22.45 Uhr, zeigt ARTE dann Richard Wagners "Lohengrin" von den Osterfestspielen Baden-Baden 2026, inszeniert vonJohannes Erath. Die Titelrolle übernimmt Piotr Beczała.

Die Macht des Rings - 150 Jahre Ring des Nibelungen - Sa. 15.08. - ARTE: 22.35 Uhr

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