Vom Meer geprägt, vom Klima verändert: Wie sich der Mittelmeerraum wandelt

Die Nomaden im Atlasgebirge flüchten, weil ihre Tiere keine Nahrung mehr haben, eine Gemeinschaftsimkerei schließt, weil es keine Blüten für die Bienen gibt. In Griechenland kommen angesichts einer dauerhaften Dürre die Häuser eines Dorfes im einst angelegten Stausee wieder zum Vorschein. Auch in Spanien erfüllt ein Stausee seine Zwecke nicht mehr, ein Plantagenbesitzer schreibt hunderte seiner Bäume ab. Ein Filmteam von WDR, ARTE und ERT-Griechenland zog jahrelang rund ums Mittelmeer, um langfristig die schleichende Katastrophe zu dokumentieren. Der besondere Wert des Films "S.O.S. Mittelmeer" von Yorgos Avgeropoulos liegt in der Begegnung mit betroffenen Menschen. Er erzählt von den teils drastischen Folgen des Klimawandels, die bereits jetzt zu sehen und zu spüren sind.
Avgeropoulos und sein Team sind durch sieben Länder am Mittelmeer gereist, um die Auswirkungen des Klimawandels aufzuzeigen. Werden Anpassungen und Reglementierungen ausreichen, um das Leben der Menschen in der jahrtausendealten Kulturregion auch in Jahrzehnten noch zu ermöglichen? Ohne den Zeigestock zu bemühen, treten im Film Menschen vor die Kamera, die schon jetzt unter dem Klimawandel, unter Wassermangel und Dürren, aber auch dem Anstieg des Meeresspiegels, wie etwa im Nildelta, leiden.
Am Atlasgebirge in Marokko sind die Brunnen ausgetrocknet. "Früher hat es hier noch geregnet und geschneit", sagt einer der noch verbliebenen alten Nomaden, "die Berge waren voller Grün. Ich erinnere mich noch an das Gras und das Wasser." Viele der Nomaden sind längst fort, er selbst hat nur noch wenige Schafe. Auch die größte Imkergemeinschaft der Welt im Atlasgebirge, ein nationales Kulturerbe, steht vor dem Niedergang, weil es schlichtweg keine Bienenpflanzen mehr gibt. Andererseits sieht der Fellache im Nildelta angesichts des steigenden Meeresspiegels seine Anbauflächen bedroht, und auf Zypern fischen die Fischer ihre Netze von bedrohlichen invasiven Arten frei, die heimische Tiere dezimieren.
Finnische Feuerwehrleute in Portugal
"S.O.S. Mittelmeer" (der Film hat nichts mit den Rettungsschiffen im Mittelmeer zu tun) veranschaulicht in eingängigen Bildern, wie sehr sich das Leben der Menschen im Mittelmeerraum bereits verändert hat. Er zeigt an Beispielen auf, dass für viele die Klimakrise keine ferne Bedrohung mehr ist, sondern bereits Realität. Der Film ist Teil des ARTE-Themenabends mit dem Titel "Klimawandel - Menschenwandel", der zeigen will, dass sich die Klimakrise schneller entwickelt als die meisten wohl angenommen haben.
Im Film "An Europas Feuerfront" (21.45 Uhr) wird gezeigt, wie finnische Feuerwehrleute bei verheerenden Waldbränden in Portugal helfen, "Überleben am Limit" (22.45) begleitet Menschen, die auf vier Kontinenten, in Amerika, Asien, Australien und an den Küsten Grönlands um den Fortbestand ihrer Heimat kämpfen.
S.O.S. Mittelmeer - Di. 28.07. - ARTE: 20.15 Uhr