Uschi Glas: Spielt sie Gabriele Pauli?

Nach Scheidungsschlacht und Creme-Kriegen ist Uschi Glas zurück. Sie zählt wieder zu den gefragtesten deutschen Schauspielerinnen, erlebt gerade ihren zweiten Film-Frühling. Die 64-Jährige im AZ-Interview über reale Dramen, Mordphantasien und eine Rolle als CSU-Rebellin.
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Nach Scheidungsschlacht und Creme-Kriegen ist Uschi Glas zurück. Sie zählt wieder zu den gefragtesten deutschen Schauspielerinnen, erlebt gerade ihren zweiten Film-Frühling. Die 64-Jährige im AZ-Interview über reale Dramen, Mordphantasien und eine Rolle als CSU-Rebellin.

AZ: Anna-Maria, Sylvia, Julia und jetzt Lena, Frau Glas, gibt es einen Rollennamen, den Sie ablehnen würden?

USCHI GLAS: Haben Sie einen Vorschlag?

Olga zum Beispiel.

Den find ich gar nicht so schlecht! Hat ein bisschen was Verruchtes. Grrr.

Wie wär’s mit Petronella?

Nun, da müssen die Eltern einen kleinen Knall gehabt haben. Aber wenn das zur Story gehört – warum nicht?!

Haben Sie schon einmal Nein gesagt?

In der Serie „Zwei Münchner in Hamburg“ sollte ich Walpurga heißen. Walpurga! Da hab’ ich zum Produzenten gesagt: Pass mal auf, ihr Hamburger glaubt wohl, dass die Bayern nur altertümliche Namen tragen. Die dachten, der wär hier modern.

Ja, so um 1830.

Das habe ich auch gesagt. Dann ging’s hin und her – und am Ende war ich Julia. Wie meine Tochter.

Welchen Namen würden Sie gerne einmal tragen?

Theresa – die ist irgendwie romantisch. So wie ich.

Was haben Sie mit Lena Raitmeier gemeinsam, die im ZDF „Zur Sache“ geht?

Nicht viel. Sie ist eine clevere Geschäftsfrau, diese Rollen liebe ich – vielleicht, weil ich selber mit Zahlen wenig bis nichts am Hut habe.

Lena wird trotz ihrer Fähigkeiten mit Ende 50 arbeitslos.

Ein reales Drama. Wann begreifen die Firmen endlich, dass man die Dynamik der Jungen mit der Erfahrung der Älteren mischen muss?

Haben Sie schon einmal eine Rolle aus Altersgründen nicht bekommen?

Eine 25-Jährige kann nicht meine, ich nicht ihre Rollen spielen. Mein Eindruck ist, dass sich die Generationen da immer weniger ins Gehege kommen.

Vor ein paar Jahren schien das anders.

Ja, da wurden junge Frauen zum Beispiel als erfahrene Kommissarinnen besetzt, vollkommen unrealistisch. Die Entscheider sind heute klüger.

Werden Sie irgendwann die besorgte Großmutter spielen?

Geduld, junger Mann. Aber auch für alte Damen gibt es tolle Rollen.

Ihr Filmvater Leopold will bis 90 arbeiten. Sie auch?

Bis ich umfalle.

Uschi Glas als Mörderin. Vorstellbar?

Aber ja!

Das klingt fast, als hätten Sie schon einen Plan.

Wichtig wäre natürlich ein guter Plot.

Und welche Tatwaffe würden Sie bevorzugen?

Eine Pistole ist nicht mein Stil. Haben Sie eine Idee?

Uschi, die Giftmörderin.

Ja, irgendwas mit Pilzen.

Würden Sie auch eine Politikerin spielen?

Ich wollte mal eine Landrätin verkörpern, das hat leider nicht geklappt – noch nicht.

Etwa eine Rothaarige aus Fürth?

Nein, das war lange vor Gabriele Paulis Zeiten.

Könnten Sie sich vorstellen, die CSU-Rebellin zu geben?

Durchaus! Da müsste ich aber zuerst ihr Charakterbild studieren und verstehen – eine Herausforderung. Ein Faible für starke, unbequeme Frauen habe ich jedenfalls.

Stört es Sie, dass viele in Ihnen immer nur das „Schätzchen“ sehen?

Überhaupt nicht. Schätzchen ist ja kein Schimpfwort. Und glauben Sie mir: Es gibt kein Wortspiel, das ich noch nicht gehört hätte.

Als Lena in der ersten Folge ihre Friseurin besucht, hängt ein „Schätzchen“-Foto an der Pinnwand. Ist es an der Zeit, selbstreferenziell zu werden?

Das sehe ich mehr als augenzwinkernde Spielerei.

Was erzählen Sie Ihrer eigenen Friseurin?

Ich bin da immer recht schweigsam, weil ich es viel spannender finde, was die anderen Frauen so erzählen. Wenn der Fön donnert, fallen alle Hemmungen. Großes Kino, sage ich Ihnen.

„Scheiße, Arschloch“, sagt Lena. Benutzt auch Uschi Glas solche Vokabeln?

Nur im Straßenverkehr.

Die Dreharbeiten fanden – wieder einmal in Ihrer Karriere – auch in Hamburg statt. Was gefällt Ihnen an dieser Stadt besser als an München?

An der Binnenalster werde ich wirklich schwach. Und wenn dann noch die Rhododendren blühen…

Würden Sie umziehen?

Wenn Bayern mich ausweist, wäre Hamburg die erste Wahl. Aber: Nur dann.

Interview: Timo Lokoschat

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