Übergriffe, Tod des Bruders & Sorgerecht-Abgabe: Das tragische Leben von Hayden Panettiere
Der Tod von Hayden Panettiere löst Bestürzung aus. Die Schauspielerin, die als unverwundbare Cheerleaderin Claire Bennet in "Heroes" weltbekannt wurde, starb am Sonntag im Alter von 36 Jahren. Ihr Vater machte den Tod in einem Statement öffentlich, eine Todesursache wurde nicht genannt.
In ihrem kurzen Leben musste Panettiere zahlreiche Schicksalsschläge ertragen. Wie viel sie tatsächlich auszuhalten hatte, machte sie erst im vergangenen Mai in ihren Memoiren "This Is Me: A Reckoning" öffentlich.
Übergriffe als Kinderstar
Panettiere kam 1989 zur Welt und wuchs in Palisades im US-Bundesstaat New York auf. Ihren ersten Werbespot drehte sie bereits mit elf Monaten, mit fünf Jahren stand sie für die Seifenoper "One Life to Live" vor der Kamera. Mit neun sprach sie im Pixar-Film "Das große Krabbeln" die Ameise Dot, kurz darauf folgte das Football-Drama "Gegen jede Regel". Der internationale Durchbruch kam schließlich mit 17 Jahren in der Serie "Heroes".
In ihren Memoiren rechnete Panettiere Jahre später mit einer Branche ab, die ihre jungen Darstellerinnen nicht geschützt habe. "Ich hatte mein Leben lang darauf vertraut, dass andere mein Bestes im Sinn haben", schrieb sie. Stattdessen sei sie zahlreichen Übergriffen ausgesetzt gewesen. Unter anderem sei sie 2008 auf einer Party von einem Sender-Manager auf den Mund geküsst worden.
Mit 18 entkam sie demnach nur knapp einer Vergewaltigung durch einen bekannten britischen Musiker: Nackt neben ihm im Bett habe sie dissoziiert, bevor ihr Überlebensinstinkt einsetzte. "Mein Körper fühlte sich nicht mehr wie mein eigener an", erinnerte sie sich. Mit 19 habe sich zudem ein oscarprämierter Schauspieler vor ihr entblößt.
Traumatisierende Geburt und Wochenbettdepression
Auch die Geburt ihrer Tochter Kaya, die sie 2014 mit ihrem damaligen Verlobten Wladimir Klitschko (50) bekam, war für Panettiere traumatisierend: Während des Kaiserschnitts gerann ihr Blut nicht, es folgte eine dreistündige Operation, später entzündete sich ihre Gebärmutter.
Doch auch danach wurde es nicht leichter. "Ich hatte immer gehört, dass Mütter von Liebe überrollt werden, sobald sie ihr Baby ansehen. Aber ich fühlte nichts", schrieb sie. Die Bindung zu ihrem Kind sei ihr wie eine unlösbare Aufgabe erschienen. Panettiere trank gegen die Leere an, die nach ihrer Rückkehr ans Set der Serie "Nashville" noch größer wurde. Irgendwann brauchte sie Alkohol, um überhaupt aufzustehen. "Es ist sechs Uhr morgens, und ich versuche, betrunken zu werden", habe sie damals gedacht.
Als Kaya vier Monate alt war, ging sie erstmals in Behandlung, dort wurde eine Wochenbettdepression diagnostiziert. Die verschriebenen Medikamente schufen ein neues Problem. "Ich bin mit einer Abhängigkeit in den Entzug gegangen und mit einer anderen wieder heraus", berichtete sie.
Kein Sorgerecht für ihre Tochter
2018 sah sich Panettiere wegen schwerer Suchtprobleme und einer tiefen postpartalen Depression gezwungen, das alleinige Sorgerecht für Kaya an Klitschko zu übertragen. Geld für einen Sorgerechtsstreit hätte sie gehabt, doch sie war überzeugt, dass ein solcher Kampf sie mitten in ihrer Genesung zerstört hätte. Das Mädchen wächst seither beim Vater in Europa auf.
"Ich erinnere mich an jede Sekunde dieses Tages", schrieb sie in ihren Memoiren. "Keine Mutter könnte auch nur eine Kleinigkeit an dem Tag vergessen, an dem sie ihr Kind weggegeben hat." 2020 verbrachte sie schließlich acht Monate in einer Entzugsklinik.
Wie viel ihr ihre Tochter bedeutet, stellte die Schauspielerin drei Monate vor ihrem Tod im Podcast "On Purpose" von Jay Shetty klar. Dort sprach sie ausführlich über die inzwischen elfjährige Kaya. Sie reise, so oft sie könne, verbringe viel Zeit mit ihr am Telefon und rede mit ihr über sehr tiefgehende Dinge. Die beiden hätten ein sehr enges Verhältnis und das Mädchen fühle sich von seiner Mutter "in keiner Weise verlassen".
Tod ihres Bruders
Vor drei Jahren verlor Hayden Panettiere dann ihren jüngeren Bruder. Jansen Panettiere, ebenfalls Schauspieler, starb 2023 völlig überraschend mit 28 Jahren. Als Ursache wurde eine Herzvergrößerung in Verbindung mit Komplikationen an der Aortenklappe festgestellt. Der Verlust ihres "engsten Vertrauten" habe sie nach einer Zeit, in der sie clean war und sich aus einer missbräuchlichen Beziehung mit Ex-Freund Brian Hickerson gelöst hatte, stark zurückgeworfen. Nachdem sie die Nähe zu ihrer Tochter aufgegeben hatte, war es für sie der zweite Mensch binnen kurzer Zeit, den sie aus ihrem inneren Kreis verlor. "Ich werde immer untröstlich sein. Egal, wie viele Jahre vergehen, ich werde nie über seinen Verlust hinwegkommen", erklärte sie "People" anderthalb Jahre später in einem Interview.
In ihrem Buch zog sie später eine ungeschönte Bilanz dieser Jahre. "Ich habe immer versucht, ein positiver Mensch zu sein, aber ich trauere um all die Stunden, die ich an die Sucht verliere, um meine zerbrochenen Beziehungen und um meine Liebsten, die nicht mehr hier sind", so Panettiere.
Doch sie konnte auch etwas Positives aus ihren Traumata ziehen: Sie hätten ihr Humor gebracht, ein engeres Verhältnis zu ihren Eltern und ein Engagement für den Tierschutz. "Ich bin alles andere als perfekt, aber die Erschütterungen meines Lebens und die Momente des Kampfes sind kleine Wunder, die mir beim Wachsen geholfen haben." Radikale Akzeptanz habe sie gelehrt, Hand in Hand mit ihren Triumphen und ihren Tragödien zu gehen, weil beides sie zu dem Menschen gemacht habe, der sie heute sei. "Und heute liebe ich diesen Menschen wirklich."
Hilfe bei Depressionen, Suizidgedanken und der Bewältigung von Krisen bietet in Deutschland Tag und Nacht die Telefonseelsorge unter den kostenlosen Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 oder unter der 116 123. Anrufende bleiben anonym.
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