TV-Tipp: Star-Regisseur erzählt 9/11 als packendes menschliches Drama

Vor 25 Jahren sackten die Zwillingstürme in sich zusammen. Oscar-Preisträger Oliver Stone machte die Katastrophe vom 11. September bereits 2006 zum Film.
von  Jasmin Herzog
John McLoughlin (Nicolas Cage) wird nach dem Einschlag des ersten Flugzeugs zum Ort des Geschehens gerufen.
John McLoughlin (Nicolas Cage) wird nach dem Einschlag des ersten Flugzeugs zum Ort des Geschehens gerufen. © ProSieben / TM / Paramount Pictures

Es war der erste große Hollywoodfilm, der die Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center zum Thema hatte. Und als bekannt wurde, dass Oliver Stone die Regie übernehmen würde, war der Raum frei für die wildesten Spekulationen. Was würde kommen? Eine Abrechnung mit der US-Politik? Ein gesellschaftspolitisches Aufklärungsstück, das den Konflikt der Religionen in den Mittelpunkt stellt? Oder womöglich eine Verschwörungstheorie, so wie damals, als Oliver Stone in "JFK" aus Lee Harvey Oswald nur einen Mittäter machen wollte. Doch der Oscar-Preisträger tut in "World Trade Center" (Montag, 14. September, 22.40 Uhr, Kabel Eins) nichts von alldem.

"World Trade Center" (2006) hält sich fast völlig aus dem Politischen heraus. Es geht nicht um Schuld und schon gar nicht um Sühne. Es geht einzig und allein um zwei Männer, die tief unter den Trümmern begraben auf ihre Rettung hoffen. Mehr Kammerspiel als Katastrophenmovie also.

Drama ohne unnötiges Pathos

Es ist zunächst ein Tag wie jeder andere für die beiden Polizeibeamten John McLoughlin (Nicolas Cage) und Will Jimeno (Michael Pena). Eine Weile lang zeigt Oliver Stone ihren Alltag, tut das aber nicht zu umfangreich, denn es ist klar: Das Publikum in aller Welt wartet ohnehin nur auf den Einschlag der beiden Flugzeuge, der direkt nicht wirklich zu sehen ist. Vielmehr beschreibt der Film die Ereignisse eben aus der Sicht von McLoughlin und Jimeno, die - sind sie doch mitten drin im Geschehen - nicht wirklich das Ausmaß einschätzen können.

Als die erste Maschine einschlägt, werden sie gerufen. Mitsamt ihren Kollegen machen sie sich an die Rettungsarbeit. Es folgt die zweite Maschine und schließlich der Einsturz, bei dem die beiden enormes Glück haben und zunächst überleben, aber tief unten eingeschlossen werden. Das Licht ist weg, das Bild düster, und fortan beobachtet der Zuschauer die Männer bei ihrem verzweifelten Versuch am Leben zu bleiben.

Beide sind eingeklemmt und schwer verletzt, beide ringen irgendwann mit dem Tod. Das Gespräch miteinander - sehen können sie sich nicht - hält sie bei Bewusstsein und den Glauben an eine Chance in ihnen wach. Oliver Stone weitet die Geschichte aus, blickt auch nach draußen, auf die Frauen, auf die Angehörigen und auf das Umfeld. Es sind vielleicht die stärksten Momente eines zwar anstrengenden, aber auch bewegenden Films. Weil sie es eben sind, die auch für den Betrachter nachvollziehbar sind: die Sorge um den Ehemann, die Erinnerung an eine gemeinsame Vergangenheit. Warum hat man sich am Morgen im Streit verabschiedet? Ist alles gesagt worden, was zu sagen war?

"World Trade Center" sahen in Deutschland rund 600.000 Zuschauer, ein beachtlicher, aber kein überragender Erfolg. Der Film erfüllte sicher für manche nicht die Erwartungen: Ihm liegt nicht daran, an die weltweite Bestürzung in diesen Minuten des 11. September zu erinnern. Er fragt nicht, wie es dazu kommen konnte und schon gar nicht, welche Folgen der Tag hatte. "World Trade Center" ist kein Film geworden, der in die Geschichte eingeht. Dafür waren seine Zielsetzungen zu begrenzt. Aber er ist ein ordentlicher, ein interessanter Film, der die Katastrophe von vor 25 Jahren pflichtbewusst und ohne unnötiges Pathos wieder in Erinnerung ruft.

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