TV-Tipp: Dieses hochkarätig besetzte Drama ist das Remake eines deutschen Filmklassikers

Spätestens dann, wenn ein kleines blondes Mädchen im roten Kleid von einem Polizisten gut sichtbar auf eine Schaukel gesetzt wird, dämmert es dem Zuschauer: Hier wird ein Kind als Köder missbraucht. Gab es das nicht schon einmal? Natürlich, und zwar in "Es geschah am helllichten Tag", der Dürrenmatt-Verfilmung. Sean Penn verlegte 2001 die Story in seiner dritten Regiearbeit, "Das Versprechen" (Freitag, 7. August, 22.50 Uhr, BR), nach Nevada und ließ Jack Nicholson nach seinem Seelenheil und einem vermeintlichen Serienmörder suchen.
Der dreifache Oscarpreisträger spielt den Detective Jerry. Nach der Nachricht vom grausigen Mord an einem achtjährigen Mädchen verschwindet er von seiner Abschiedsfeier im Morddezernat und begleitet die Kollegen zum Tatort. Weil alle anderen zu feige sind, überbringt der unfreiwillige Rentner den Eltern die Nachricht vom Tod ihres Kindes. Die verzweifelte Mutter nimmt ihm das Versprechen ab, nicht zu ruhen, bis der Killer zur Strecke gebracht wurde. Da sich Jerry ein Leben ohne Arbeit sowieso nicht vorstellen kann, schwört er es - bei seinem Seelenheil.
Penn liefert die düsterste Interpretation des Stoffs ab
Schnell scheint der Fall gelöst. Ein ehrgeiziger, junger Kollege bringt den geistig behinderten und bereits wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen verurteilten Toby Jay (Benicio Del Toro) im Verhör dazu, den Mord zuzugeben. Kurz nach dem "Geständnis" begeht Toby Selbstmord, und Jerry bleibt zweifelnd zurück. Gegen den Widerstand seiner Kollegen sucht er wie besessen weiter. Er findet Indizien für das Wüten eines Serienmörders, nach all den Jahren eine neue Frau, Lori (Robin Wright), und ihre Tochter Chrissy, die genau in das Opferschema des Killers passt.
Obwohl das ganze Leben Jerrys fortan auf das Erscheinen des Täters abzielt, gelingt es Penn, der altbekannten Story neue filmische Aspekte abzugewinnen, indem er sich enger als alle seine Vorgänger an die Dürrenmatt-Vorlage hält. Der Killer und seine Seelenqualen werden bedeutungslos. Der Regisseur konzentriert sich auf den Ermittler, der so verzweifelt um eine Lebensaufgabe ringt, dass die Suche nach dem Mörder zu einer Obsession wird. Keiner glaubt Jerrys wilden Theorien, das Publikum aber schon. Hier spielt Penn gekonnt mit dem Wissen der Zuschauer, die die Geschichte kennen und an brillante, genreübliche Ermittler gewöhnt sind.
Den Look des Films, der in den USA und hierzulande nur mäßigen Erfolg feiern konnte, wählte Penn trist und die Bilder assoziativ: Den Eltern des toten Mädchens wird die Nachricht inmitten einer Farm von schlachtreifen Truthähnen überbracht. Penn präsentiert die düsterste und genaueste Interpretation einer fast schon überstrapazierten Vorlage (vier Verfilmungen), die hier vor allem als Starvehikel für Jack Nicholson fungiert.