TV-Kommissar Jaecki Schwarz: "Beruf heute nicht mehr ergreifen!"

In der Krimiserie "Polizeiruf 110" gab Schauspieler Jaecki Schwarz den Kommissar Schmücke - und zwar ganze 50. Mal. Grund genug für sky krimi ihn mit einem Special zu ehren.
| (ali/spot)
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Kommissar Schmücke aus "Polizeiruf 110": Schauspieler Jaecki Schwarz
Sky Kommissar Schmücke aus "Polizeiruf 110": Schauspieler Jaecki Schwarz

In der Krimiserie "Polizeiruf 110" gab Schauspieler Jaecki Schwarz den Kommissar Schmücke - und zwar ganze 50. Mal. Grund genug für sky krimi ihn mit einem Special zu ehren. In der Sendung "Im Leben von Jaecki Schwarz" gewährt der Schauspieler intime Einblicke in sein Leben.

Fünfzig Mal gab Jaecki Schwarz (67) den Hauptkommissar Schmücke in der Krimiserie "Polizeiruf 110". Am 3. März wurde die letzte Folge mit ihm gezeigt. Grund genug für sky krimi ihn mit einem Special zu ehren. In der Sendung "Im Leben von Jaecki Schwarz", die am 17.10. um 21.50 Uhr und am 18.10. um 14.25 Uhr ausgestrahlt wird, gewährt der Schauspieler intime Einblicke in sein Leben. Die Nachrichtenagentur spot on news traf den Schauspieler zum Interview.

Mit seiner Rolle in dem Film "Ich war neunzehn" (1968) wurde Jaecki Schwarz berühmt - hier gibt es die DVD

Wie sieht das polizeiliche Führungszeugnis von jemandem aus, der fünfzig Einsätze als Kommissar im Polizeiruf 110 gegeben hat?

Jaecki Schwarz: Jungfräulich! Man kann mir nichts anflicken. Kein Terrorismus, keine Schweizer Geldkonten und auch keine Kinderpornographie - allein schon weil ich kein Internet habe. Ich habe nicht mal einen Punkt in Flensburg, zumal ich mein Auto nach einem Infarkt auf dem rechten Auge mittlerweile abgegeben habe. Da ich mit einem blinden Auge schon Fußgänger auf dem Gehweg umremple, wollte ich's im Straßenverkehr nicht auch noch drauf ankommen lassen. Alles in allem bin ich ein rechtschaffener, anständiger Bürger.

Zufrieden mit Ihrem Lebensweg?

Schwarz: Nicht mit allem. Ich würde im zweiten Anlauf vieles anders machen. Vor allem würde ich den Beruf heute nicht mehr ergreifen. Viel zu stressig, viel zu aufwendig, viel zu technisch und viel zu schwammig. Du musst Dich nur noch hinstellen, schön aussehen und Deinen Text aufsagen, das hat nichts mehr mit Kunst zutun. Dafür habe ich diesen Beruf nicht ergriffen.

Obgleich Sie dank Ihrer Karriere doch ein ganz gutes Auskommen haben dürften.

Schwarz: Ich hatte immer genug Geld, aber ich habe auch keine hohen Ansprüche. Ich brauche weder Porsche, noch Villa, noch Rolex, mir reicht meine Mietwohnung in Berlins Mitte. Und ich hoffe, dass ich da noch ein paar Jahre verbringe, bevor ich den Löffel abgebe.

Was sagt der Arzt?

Schwarz: Ich sollte Sport machen, weniger Kaffee trinken und vor allem weniger essen. Dummerweise befolge ich seine Ratschläge nicht. Lediglich das Rauchen habe ich mir abgewöhnt. Aber auch nur, weil ich zehn Tage mit Lungenentzündung im Krankenhaus lag und die Zeit sinnvoll nutzen wollte. Es war eine unglaubliche Qual davon wegzukommen.

Schwieriger als bei Ihrem Alkoholentzug?

Schwarz: Ja, viel schwieriger. Der Alkohol war weg und ich habe nie mehr getrunken. Mir läuft zwar heute noch das Wasser im Mund zusammen, wenn ich einen Whiskey rieche, aber ich habe trotzdem kein Bedürfnis was zu trinken. Bei Zigaretten muss ich ständig aufpassen.

Wie sind Sie vom Alkohol weggekommen?

Schwarz: Ebenfalls durch einen Krankenhausaufenthalt. Ich hatte mich just zum Mauerfall nach einer Vorstellung von Michail Schatrows "Blaue Pferde auf rotem Gras" im Berliner Ensemble hinter der Bühne so betrunken, dass ich kollabierte. Ich habe den Mauerfall erst realisiert, als mich meine Mutter Tage später im Krankenhaus besuchte und sie mir Bananen und Apfelsinen mitbrachte. So was gab's ja bei uns nicht. Ich habe dann eine dreiwöchige Entwöhnungsbehandlung in der Klinik über mich ergehen lassen. Einen sogenannten Schnelldurchlauf. Das war so furchtbar, dass ich mir schwor, dass ich das kein zweites Mal haben muss. Nicht wie Harald Juhnke, der mir gerne von seinen vielen, tollen Therapie-Erlebnissen vorschwärmte. Das konnte ich gar nicht nachvollziehen.

Was ist der Unterschied zwischen dem betrunkenen und dem nüchternen Jaecki Schwarz?

Schwarz: Ich kann besser Text lernen als früher. Privat habe ich mich nicht verändert. Ich bin genauso humorvoll, sarkastisch und ironisch wie vorher. Ich habe mich auch nie verstellt und habe weder heimlich getrunken, noch heimlich entzogen. Ich stehe zu meiner Alkoholsucht. Schließlich ist das keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit.

Genauso stehen Sie zu Ihrer Homosexualität.

Schwarz: Weil ich keine Lust habe mich zu verstellen, das ist mir viel zu anstrengend. Ich stehe zu allem was ich tue. Auch zu meinen Fehlern. Wenn ich als Kind eine Scheibe eingeschlagen habe, dann habe ich gesagt: "Ich war das" und nicht, "Das war der Andere". Ich bin von meiner Mutter dazu erzogen worden, dass man zu dem zu stehen hat, was man tut. Und wenn sich Leute darüber aufregen, weil sie meinen, Homosexualität sei eine Todsünde, dann müssen sie sich halt nicht mit dem Teufel unterhalten. Ich unterhalte mich dann auch nicht mit denen. An meinem Outing sind einige Freundschaften aus religiösen Gründen zerbrochen.

Was hat Ihre Mutter gesagt?

Schwarz: Sie hat das akzeptiert und meinte nur, dass es schade sei, dass ich sie nicht zur Großmutter mache. Aber ich bin ganz froh, dass ich keine Kinder habe, wenn ich sehe, was meine Freunde mit ihren für Ärger haben. Aber ich habe drei Patenkinder.

Haben Sie einen Partner?

Schwarz: Der ist mir nach 18-jähriger Beziehung vor ein paar Jahren abhanden gekommen. Seitdem bin ich alleine, aber nicht einsam. Ich habe gute Freunde und durch meine Patenkinder bin ich in einige familiäre Strukturen eingebunden. Die Kinder bzw. ihre Sparbücher sind, neben ein paar Urlauben, der einzige Luxus, den ich mir gönne.

Wie sieht Ihr Urlaub aus?

Schwarz: Ich fahre in diesem Jahr zum zehnten Mal auf die Malediven. Wohlgemerkt nicht mit Neckermann, sondern richtig luxuriös und bequem. Sonne, Strand, Lesen und gutes Essen. Mehr brauche ich nicht um glücklich zu sein.

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