Trump und seine Wegbereiter

Donald Trump war nicht der Erfinder des Slogans "Make America Great Again" und damit der MAGA-Bewegung. Schon Ronald Reagan führte das Wort in den 80er-Jahren im Munde, konservative Politiker prägten bereits das Amerika der 60er- und 70er-Jahre.
Hans Czerny |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
An der Seite seiner Frau Nancy gibt Ronald Reagan 1975 seine Kandidatur für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner bekannt.
ARTE / LA Générale De Production Audiovisuelle / Miller / Getty Images 4 An der Seite seiner Frau Nancy gibt Ronald Reagan 1975 seine Kandidatur für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner bekannt.
Richard Nixon, republikanischer Kandidat und späterer Präsident der USA (1969-1974), lässt sich bei einem Wahlkampfauftritt feiern.
ARTE / LA Générale De Production Audiovisuelle/Richard Nixon Library 4 Richard Nixon, republikanischer Kandidat und späterer Präsident der USA (1969-1974), lässt sich bei einem Wahlkampfauftritt feiern.
Gegenprotest: New York City, Mai 1970. Eine Gruppe von Bauarbeitern demonstriert in der Nähe der Wall Street in Manhattan gegen die Anti-Vietnam-Proteste.
ARTE / LA Générale De Production Audiovisuelle/Richard Nixon Library 4 Gegenprotest: New York City, Mai 1970. Eine Gruppe von Bauarbeitern demonstriert in der Nähe der Wall Street in Manhattan gegen die Anti-Vietnam-Proteste.
Juli 1964: Zwei Frauen werben in Los Angeles, Kalifornien, für Barry Goldwater, den republikanischen Kandidaten der Präsidentschaftswahlen im selben Jahr.
ARTE / LA Générale De Production Audiovisuelle / Miller / Getty Images 4 Juli 1964: Zwei Frauen werben in Los Angeles, Kalifornien, für Barry Goldwater, den republikanischen Kandidaten der Präsidentschaftswahlen im selben Jahr.

"Make America great again": Kritiker werfen dem amtierenden US-Präsidenten eine Mischung aus Populismus und autoritärem Regierungsstil vor. Donald Trump verhängt unentwegt Zölle, will Grönland vereinnahmen, führt Krieg gegen den Iran. Ganz neu ist der umstrittene Politikstil aber nicht. Es gab ultrakonservative Wegbereiter wie den Präsidentschaftskandidaten Barry Goldwater aus Arizona. Aber auch Präsidenten wie Ronald Reagan, Richard Nixon und Lyndon B. Johnson, ein Demokrat, stießen politische Entwicklungen an, die bis heute nachwirken. Die dreiteilige ARTE-Sendung "USA 1960 - 1980: Die konservative Revolution" (Erstsendung) blickt nun auf eine Zeit des Aufbruchs zurück, in der viel Freiheit, Liberalismus und Wohlstand gepredigt wurde, in der aber auch immer wieder Missstände wie Rassentrennung, Homophobie, Frauenfeindlichkeit und nationale Selbstverherrlichung zur Debatte standen.

Massenunruhen gegen Polizeigewalt, teils erschreckende Armut und Rassismus zeigen im Mehrteiler von Cédric Tourbe die Widersprüche einer amerikanischen Gesellschaft, die sich geradezu verzweifelt als friedliebend konservativ zu geben versucht und doch militant eingreift, wenn sich Unterprivilegierte wehren. In Europa ging vieles von dieser "anderen Geschichte" unter. So ist die Grausamkeit der Unruhen und deren Niederschlagung im Stadtteil Watts von Los Angeles 1965 kaum zu toppen. Bei dem Protest der vorwiegend schwarzen Bevölkerung wurden 34 Menschen getötet und über tausend verwundet.

Demgegenüber stehen die Wahlkampagnen der überwiegend konservativen Politiker, die immer wieder die Freiheit der amerikanischen Bürger beschwören und sie herausfordern zu liberalem Denken. Nixons Watergate-Skandal, der 1974 zu seinem Rücktritt führte, wirkt da von heute aus gesehen nur wie eine Fußnote der Geschichte. Vor dem Skandal galt er als Liberaler, der die Armut bekämpfte und eine neue Umweltpolitik vertrat. In den 80-ern instrumentalisierte Ronald Reagan seinerseits die Waffenlobby, brachte die evangelikale Rechte hinter sich und wollte mit einem atomaren Abwehrschirm Amerika unbesiegbar machen.

Dass Reagan im Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor Michail Gorbatschow "Mr. Gorbachev, tear down this wall!" entgegenrief, darf als Vorzeichen der Wende angesehen werden. Der starke außenpolitische Auftritt verweist aber auch darauf, wie viele amerikanische Unzulänglichkeiten der Kalte Krieg verdeckte und welche Schattenseiten der amerikanische Traum mit sich trug. Trotz vieler Originalkommentare und belebend gemeinter Ausschnitte aus Hollywoodfilmen ist diese ARTE-Geschichtsstunde so sehenswert wie aufschlussreich. Eines wird jedenfalls deutlich: Der politische Nährboden für Trump war in Amerika schon lange bereitet.

USA 1960-1980: Die konservative Revolution (1/3) - Di. 06.10. - ARTE: 20.15 Uhr

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur teleschau. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an info@teleschau.de

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.