Trauma in der Lündeburger Heide
Elodie Kayserling (Karoline Schuch) hat es nicht gerade leicht im Leben: Immer wieder wird die in Brüssel lebende Übersetzerin von merkwürdigen Albträumen verfolgt. Und nun will sich auch noch Mehdi (Jean Aloïs Belbachir) von ihr trennen. In sechs Wochen schon will er ausziehen. Ihr gemeinsamer Sohn Max weiß noch nichts davon, ebenso wenig wie Elodies Eltern. Bei einem Heimatbesuch zum 65. Geburtstag ihrer Mutter (Sibylle Canonica) will Elodie ihnen davon erzählen. Doch bevor sie den Mut dafür aufbringen kann, kommt in "Elodie", dem berührenden Fernsehfilm von Nicole Weegmann (Regie) und Esther Bernstorff (Buch) alles ganz anders.
Ein altes Familiengeheimnis
Zu Hause in der Lüneburger Heide, die in tollen Bildern (Kamera: Falko Lachmund) eingefangen wird, hat sich Elodie wohl nie sonderlich wohl gefühlt. Ihr Vater Jochen (Michael Wittenborn) vertritt andere politische Meinungen. Selbst der Kontakt zu ihrem Bruder Ben (Jan Krauter) wirkt eher unterkühlt. Als Jasna (Adriana Altaras), eine gute Freundin ihrer Mutter, auf der Feier plötzlich von einer Kinderfrau erzählt, ist Elodies Misstrauen geweckt: Was haben ihre Eltern ihr all die Jahre lang verschwiegen?
Die verwirrte Frau lässt nicht locker: Sie beginnt nachzufragen und deckt Stück für Stück eine traurige Geschichte auf. Demnach litt ihre Mutter an einer postnatalen Depression. Elodie wurde deshalb als Neugeborene für drei Monate zu Frau Wontroba (Eva Mattes) gegeben. Elodies Vater dachte, er tue seiner Tochter damit einen Gefallen, doch erst durch ein Gespräch mit ihrer Kindheitsfreundin Pia (Minna Wündrich) erfährt Elodie, wie diese Fremde wirklich war ...
"Die Sorge, allein zu sein, ist etwas, was anscheinend sehr viele Leute kennen"
"Für mich ist dieses Projekt und diese Figur sehr besonders", schwärmt Karoline Schuch im Interview zu "Elodie": "Als ich das wirklich tolle Drehbuch gelesen habe, dachte ich gleich: Das spricht irgendwie zu mir. Und so ging es spannenderweise dem gesamten Team. Jeden spricht diese Geschichte auf ganz eigene Weise an, jeder kann sich dazu in irgendeiner Weise in Beziehung setzen. Dieses kindliche Gefühl und die Sorge, allein zu sein, ist etwas, was anscheinend sehr viele Leute kennen, in verschiedenen Abstufungen."
Tatsächlich dauert es nicht lange, bis dieser berührende und teils auch schwer auszuhaltende Film einen in seinen Bann zieht. Das liegt nicht nur an der Geschichte, sondern auch und vor allem an dem starken Cast: Karoline Schuch überzeugte zuletzt als Gejagte in der ARD-Mystery-Serie "Oderbruch" und in der Rolle als Tsunami-Opfer in "Die zweite Welle". Den Part der traumatisierten Frau füllt sie nun ebenso stark aus. Eva Mattes wiederum gelingt es, der mysteriösen Frau Wontroba in ihrer ganzen Zwiespältigkeit Leben einzuhauchen.
"Familie ist nun mal 'Kriegsschauplatz' Nummer eins"
"Elodie" ist bereits die dritte Zusammenarbeit der Regisseurin Nicole Weegmann und der Drehbuchautorin Esther Bernstorff. Auch "Ein Teil von uns" (2016) und "Querschuss" (2024) drehten sich um konfliktbehaftete Familienkonstellationen: "Das Thema fasziniert mich nach wie vor sehr, weil das, was in der Kindheit passiert, nach meinem Gefühl ein maßgeblicher Motor dafür ist, wie wir uns später entwickeln", erklärt die Drehbuchautorin Bernstorff.
Die Regisseurin Weegmann ergänzt: "Familie ist nun mal 'Kriegsschauplatz' Nummer eins. Hier spielen sich unfassbar viele Dramen und Krisen ab, die uns alle prägen. Tatsächlich unerschöpflich. Die Reise zurück in ihre Vergangenheit wird für Elodie zu einem kathartischen Trip. Die Rolle, die ihre Familie dabei spielt, deren Widerstände, Verletzungen, das Schweigen, Schuldgefühle, zarte Solidarität ... Familie kann bei diesem Stück wieder viele Gesichter zeigen."
Nur vier Tage nach "Elodie" ist Karoline Schuch erneut im Ersten zu sehen: Im neuen "Tatort: Unter Freunden" tritt sie erstmals als die neue Polizeipsychologin Elli Krieger an der Seite von Almila Bagriacik als Kommissarin Mila Şahin auf. Der Film läuft am Sonntag, 11. Oktober, um 20.15 Uhr. Eine Woche später, am Sonntag, 18. Oktober, folgt die Fortsetzung "Tatort: Unter Feinden", ebenfalls um 20.15 Uhr im Ersten.
Elodie - Mi. 07.10. - ARD: 20.15 Uhr
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