Trauer um Patrick Stewart: Er bleibt für immer Captain Picard

Der britische Schauspieler Sir Patrick Stewart (1940-2026) ist tot. Wie am 29. Oktober bekannt wurde, ist der insbesondere durch "Star Trek" bekannte Hollywoodstar einen Tag zuvor in seinem Zuhause umgeben von Freunden und Familie entschlafen. Zuletzt litt Stewart an einer Alzheimer-Erkrankung und Lewy-Körper-Demenz, wie auf seinem Instagram-Account mitgeteilt wurde.
Zu Lebzeiten stand Stewart für unzählige Produktionen auf den Theaterbühnen, drehte etliche Filme sowie Serien und lieh auch zahlreichen Charakteren als Sprecher seine Stimme. Vor allem als Captain Jean-Luc Picard aus dem "Star Trek"-Universum wird er aber unvergessen bleiben.
Alles begann am Theater
Der im Jahr 2010 von Queen Elizabeth II. (1926-2022) zum Ritter geschlagene Sir Patrick Stewart begann seine Schauspielkarriere am klassischen Theater. Unter anderem für die renommierte britische Royal Shakespeare Company spielte der Darsteller, der Medienberichten zufolge schon im Alter von 20 Jahren einen Großteil seiner Haarpracht verloren haben soll, Figuren wie Macbeth, Othello, Shylock aus "Der Kaufmann von Venedig" oder Marcus Antonius aus "Antonius und Cleopatra".
Oftmals wird angenommen, dass gerade diese klassische Ausbildung Stewart bei seiner vermutlich bekanntesten Rolle des Captain Jean-Luc Picard aus "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" geholfen hat. Den Kapitän der Enterprise spielte Stewart mit jeder Menge Charme, Empathie und Haltung. Legendär sind etwa die oft intimen, klärenden Gespräche, die Picard in verzwickten Situationen mit seinen Leuten im Bereitschaftsraum direkt neben der Brücke des Raumschiffs führte.
Ganz eindeutig: Patrick Stewarts bedachter Kapitän mit Format hielt die Mannschaft immer zusammen - und wurde damit sogar zum Vorbild. Ein anderer Schauspieler in dieser Rolle? Kaum denkbar.
Ein würdiger Nachfolger von Kirk und Co.
Mit dem schon in den 1980er Jahren weitverzweigten "Star Trek"-Universum, unter anderem bestehend aus der Originalserie und bis 1987 vier Kinofilmen, hatte Stewart vor seiner Zeit als Jean-Luc Picard keine nennenswerten Berührungspunkte. Seitdem er 19 war, spielte er in England professionell Theater. Mit 25 Jahren folgte die Aufnahme in die Royal Shakespeare Company, für die er 14 Jahre auf der Bühne stand.
Auch kleinere Auftritte in bekannten Filmen, etwa in "Excalibur" (1981) oder "Der Wüstenplanet" (1984), hatte er, bevor die Rolle seines Lebens auf ihn wartete. Er heuerte bei der Science-Fiction-Serie "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" an, die von 1987 bis 1994 laufen sollte und es ebenfalls auf vier Kinofilme brachte.
Die übliche Serien-Terminologie mit Begriffen wie Warp-Antrieb, Phaser und ähnlichem fiel Stewart dabei nach eigener Aussage zunächst schwer. "Ich erinnere mich noch gut daran, wie mich der Lebensmut verließ, wenn ich eine Seite eines neuen Drehbuchs umblätterte und sah, dass darin eine Rede über Dilithiumkristalle oder ähnliches stand", erklärte er im Jahr 2001 im Gespräch mit der britischen BBC.
Dennoch wurde er damit - wie auch mit den unfassbar langen Arbeitstagen in der US-Fernsehindustrie - nach einiger Zeit warm, sodass sein liebster Sci-Fi-Begriff nach eigener Aussage "Space time continuum" wurde, also "Raum-Zeit-Kontinuum".
Was Patrick Stewart und seine übrigen Kollegen von "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" ab Ende der 1980er Jahre leisteten, sollte dabei keineswegs unterschätzt werden. "Ich glaube, es gab eine Menge Widerstand gegen die Idee einer neuen 'Star Trek'-Serie von denjenigen, die Fans der Originalserie waren. Kirk und Spock, McCoy und der Rest waren zu solch legendären Figuren geworden, dass man das Gefühl hatte, sie würden durch eine neue Serie irgendwie abgewertet werden, entwertet werden", sagte Stewart selbst über die damalige Ausgangslage.
Doch dem klassisch ausgebildeten Shakespeare-Darsteller gelang mit seinen Kollegen, was in der heutigen Zeit bei den meisten Franchise-Fortsetzungen wie etwa der großen anderen Sci-Fi-Erzählung "Star Wars" versiebt wird: Sie schufen eine Fortsetzung, die vielen sogar mehr bedeutet als das Original.
Erfolg mit den "X-Men"-Filmen
Den immensen Erfolg von "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" konnte Stewart wohl dennoch selbst nicht ganz begreifen. "Ich konnte mir nie einen Reim darauf machen. Ich besitze mehrere Bücher, die im Zusammenhang mit der Serie stehen, etwa 'Die Physik von Star Trek', 'Star Trek und das Geschäftsleben', es gibt Handbücher zum Kommandostil und unzählige wissenschaftliche Abhandlungen, die über die Bedeutung von 'Das nächste Jahrhundert' geschrieben wurden. Während meiner Zeit bei der Serie hatten wir zwei Vorsitzende des Generalstabs der USA zu Besuch auf dem Set der Enterprise-Brücke, und beide baten mich um Erlaubnis, sich auf den Stuhl des Kapitäns setzen zu dürfen", fasste Stewart gegenüber der BBC die enorme popkulturelle Relevanz zusammen.
Seiner wohl bekanntesten Rolle ließ der Schauspieler noch ein zweites, riesiges Film-Franchise folgen. In den "X-Men"-Superheldenfilmen der Jahre 2000 bis 2017 spielte er mit Professor Charles Xavier ebenfalls eine väterliche Figur, die statt der Mannschaft des Raumschiff Enterprise eine Gruppe meist junger Mutanten und Außenseiter zusammen- und auf Kurs hielt.
In Comedy-Rollen - etwa einem Kurzauftritt in "Robin Hood - Helden in Strumpfhosen" (1993) oder der selbstironischen Serie "Blunt Talk" (2015-2016) - brillierte Stewart im Lauf der Jahre ebenfalls. Seinen Jean-Luc Picard gab er in der durchwachsen aufgenommenen Nachfolge-Serie "Star Trek: Picard" noch einmal über drei Staffeln.
Er hat sich mit der Darstellung einer der vermutlich bekanntesten Sci-Fi-Figuren überhaupt trotzdem ein Vermächtnis geschaffen, das Fans weltweit auf immer in Ehren halten werden. Was von Stewart bleibt, seien laut des Statements über seinen Tod auch wertvolle Erinnerungen: "Man wird sich an ihn wegen der Würde, des Mitgefühls und der Menschlichkeit erinnern, die er in jede Rolle einbrachte - sowohl in seiner Kunst als auch in seinem Leben."
Und das vielleicht auch, weil er privat seinem Picard offenbar ähnlicher war, als man annehmen könnte. "Genau wie ich hat Jean-Luc ein ungewöhnliches Leben geführt, das ihn weit über die Grenzen der normalen menschlichen Erfahrung hinausgeführt hat", schrieb Stewart in seiner Autobiografie "Making It So", wie er abschließend in der Mitteilung zitiert wird. "Aber er ist auch jemand, der seinen irdischen Wurzeln treu geblieben ist, denn sie sind es, die ihm seine Identität verliehen haben. Letztendlich verspürt er den Ruf der Heimat, genau wie ich."