Trash-Queen als Dozentin: Désirée Nick wird Professorin in München
Désirée Nick erfindet sich einmal mehr neu – und kehrt dabei gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurück. Die 69-Jährige unterrichtet künftig an der Macromedia University in München und hält dort viermal im Jahr Vorlesungen zum "Berufsbild Reality-Star".
Désirée Nick besitzt Ehrentitel: "Trash-Trainerin" und Professorin h.c.
"Ich bin jetzt Trash-Trainerin! Und ab sofort Professorin h.c.", sagt Nick selbstbewusst der AZ. "H.c." steht für Professor honoris causa (lateinisch für "ehrenhalber"). Es handelt sich um einen Ehrentitel, der von der Hochschule verliehen wurde.
Dass sie einmal im Hörsaal stehen würde, ist für Nick keine Überraschung. "Der Herrgott muss es geahnt haben. Er muss diese Bestimmung und diese Mission von Anfang an für mich geplant haben", sagt Nick lachend der AZ. "Am Bischöflichen Ordinariat habe ich einst die Missio canonica erworben. Es ist die Lehrbefugnis bis zur Oberstufe."
Religionslehrerin und Seelsorgerin in Jugendstrafanstalt: "Später hilft Strenge"
Anfang der Achtziger arbeitete Nick als Religionslehrerin in Berlin. Drei Jahre lang unterrichtete sie an katholischen Schulen, zusätzlich war sie sogar als Jugendseelsorgerin in der Jugendstrafanstalt Plötzensee tätig. Eine prägende Zeit, wie Nick heute sagt: Sie habe dort gelernt, Menschen wirklich zuzuhören, sie abzuholen und zu verstehen. Fähigkeiten, die ihr heute auch in der Welt des Reality-TVs zugutekommen, erklärt die Entertainerin mit der spitzen Zunge der AZ. "Ich glaube, ich war vor allem empathisch. Man muss zuhören und Menschen lesen können. Man kann nicht erwarten, dass einem jemand folgt, wenn man ihn nicht versteht. Natürlich hilft einem später auch eine gewisse Strenge. Aber zuerst kommt die Fähigkeit, Menschen zu erreichen."

Am 16. April startet die neue Show "Die Realitystar Academy" auf Joyn. Neue Gesichter für das künftige Trash-TV werden darin gesucht. Academy-Direktorin Désirée Nick führt 18 Kandidaten durch eine harte Schule des Reality-TVs. Ihr Anspruch ist klar: "Viele halten Reality-TV für einen Betriebsausflug, eine Partysause oder Nebenjob. Nein! Das ist ein ernst zu nehmendes Metier, wofür man Kompetenz, Talent und Expertise braucht."
Erstmals wird Désirée Nick Moderatorin: "Bin der erste Profi, der auch sprechen kann"
Erstmals in ihrer Karriere agiert Désirée Nick als TV-Moderatorin. "Es wird Zeit, dass endlich mal eine Gastgeberin kommt, die auch sprechen kann. Ich fange sehr viele Defizite auf, die von anderen überhaupt nicht bedient werden. Wenn man eine Reality-Show moderiert, muss man witzig sein und nicht langweilen – und unterhalten können. Von daher bin ich in diesem Kontext der erste Profi. Ich habe ja im Theater gearbeitet, meine eigenen Shows gemacht und Bücher geschrieben. Ich bin vielseitig einsetzbar und daher bin ich natürlich schillernder als Leute, die mit Ach und Krach nur moderieren können. Und die schönste Errungenschaft ist natürlich, dass ich keine Frau von jemandem bin – also kein Anhängsel."
Scharfe Kritik: Désirée Nicks klare Worte für Collien Fernandes und Cathy Hummels
Désirée Nick fragt sich im AZ-Interview: "Wäre eine Cathy Hummels ohne Ex Mats Moderatorin geworden? Ihr kann ich keinen Vorwurf machen. Sie hat ja selbst eingesehen, dass der Job nichts für sie ist. Der Vorwurf geht an Leute, die so jemanden besetzen und sich für diese vermeintlich geniale Idee feiern. Und mir fällt auch Collien Fernandes ein. Wäre sie ohne ihren Ex-Mann auf dem 'Traumschiff' gelandet? Ja, er war eine Katastrophe, wie sich nun herausgestellt hat. Aber andererseits ging dem ja auch viel Positives für Frau Fernandes voraus." Fernandes begann ihre Karriere beim inzwischen eingestellten TV-Musiksender Viva. Von 2003 bis 2015 war sie dort Moderatorin.

"Muss mich nicht darauf berufen, die Partnerin zu sein"
Désirée Nick betont mit Nachdruck: "Ich muss mich nicht darauf berufen, die Partnerin oder der Protegé zu sein. Das ist eigentlich das, was doch heute von den starken Frauen gemeint ist, wenn man sagt, sei authentisch, unabhängig und ein Original."
Für Nick ist das Format mehr als Unterhaltung – es ist eine Mission. Sie will zeigen, dass hinter dem vermeintlich leichten TV-Glamour echte Leistung steckt. "Man muss liefern, man muss unterhalten können", betont sie. Wer das nicht könne, habe in der Branche langfristig keine Chance. "Man muss sich selbst gefunden haben und wissen, wer man ist. Erst dann kann man sich, natürlich mit Talent, überhaupt entwickeln."
"Bin in den Dschungel mit dem Bewusstsein, dass ich gebucht wurde"
Besonders kritisch blickt La Nick auf die Entwicklung der Branche. Während früher Persönlichkeiten mit echter Vita in Formate des Privatfernsehens kamen, sieht sie heute eine andere Generation. Für die 69-Jährige ist klar, dass ein echter Reality-Star mehr mitbringen muss als Selbstdarstellung. Witz, Spontaneität, Kommunikationsfähigkeit und vor allem Persönlichkeit seien gefordert. Désirée Nick selbst fing Anfang der Nullerjahre mit dem Reality-TV an, nahm 2004 am Dschungelcamp teil und gewann: "Ich bin damals in den Dschungel gegangen mit dem Bewusstsein, dass ich gebucht wurde und liefern musste. Ich sollte die Leute bei Stange halten durch Fantasie, witzige Ideen, Debatten und laute Kommunikation."
So hat sich das Reality-TV mit Prominenten in 20 Jahren verändert
Und was hat sich in 20 Jahren Trash-TV verändert? "Mittlerweile gehen viele für relativ kleines Geld in Reality-Formate, weil sie auf Follower hoffen – und glauben, ihre bloße Präsenz reicht. Heute bezeichnet sich jede, die sich Lashes anklebt, gleich als Queen. Andere wollen sofort als Legende oder Icon wahrgenommen werden. Diese Begrifflichkeiten werden inflationär verwendet. Es ist so weit gekommen, dass man schon gar keine Diva, Legende oder Icon mehr sein möchte. Und ich finde, das geht mit einem großen Hochmut einher. Denn wenn ich in der Entertainment-Branche etwas bewirken oder darstellen will, muss ich doch Unterhaltung, Frohsinn, Fröhlichkeit, Talent, Esprit, Debatte und Authentizität geben. Außerdem ist heutzutage sehr viel eigenes Show-Verhalten kalkuliert und mit einem Management abgesprochen. Die haben untereinander Affären, Beziehungen, teilweise Kinder, Scheidungen und schlachten ihr Privatleben aus. Sie glauben, sie seien so unterhaltsam, spannend und unwiderstehlich, dass es genügt, zu erscheinen. Früher war das anders: Formate wurden mit Leuten besetzt, die auf eine Karriere zurückblicken konnten. Heute haben wir Biografien, die einfach nur aus Reality-Formaten bestehen. Wo ist im Vergleich zu vor 20 Jahren die Authentizität geblieben?"
Strenge Lehrerin mit Prinzipien
Auch in ihrer neuen Rolle bleibt Nick sich treu. Die Entertainerin sieht sich als eine Art Mentorin mit klaren Regeln. "Ich bin fair und streng", sagt sie. Zuckerbrot und Peitsche würde gelten. "Ich lobe genauso, wie ich kritisiere – und treffe Entscheidungen nicht nach Sympathie, sondern nach Leistung."

Denn der Preis ist kein Geld, sondern eine echte Karrierechance: Der "Die Realitystar Academy"-Gewinner darf ins Format "Forsthaus Rampensau Germany" einziehen. "Da kann ich nicht einfach jemanden durchwinken, der langweilt", stellt Nick klar. "Ich denke auch an die Zukunft der Leute. Für viele ist es wirklich besser, wenn man denen sagt, dass sie etwas Ordentliches lernen sollen. Es gibt auch sehr schöne Jobs in der Theaterrequisite, in der Verwaltung oder im öffentlichen Dienst."
Sohn von Désirée Nick: Oscar ist Brite und arbeitet in der Cybersicherheit
Bei ihrem eigenen Sohn Oscar (29) musste Désirée Nick nach eigenen Angaben nie streng sein. Sein Vater ist Heinrich Prinz von Hannover (64). "Mein Sohn erzieht mich zu Bescheidenheit. Da muss er allerdings noch ein bisschen üben, er hat noch nicht aufgegeben", so Nick.
Désirée Nick über adeligen Spross: So erfolgreich ist mein brillanter Sohn
Die 69-Jährige ist stolz wie Oskar: "Das Welfenhaus hat noch nie einen solchen Diamanten in seinen Kreisen gehabt, weil mein Sohn in diesem ganzen Stammbaum der Erste ist, der drei Universitätsabschlüsse hat. Er hat Economics in St. Andrews studiert, einen Master gemacht und einen IT-Master abgeschlossen. Außerdem war er vier Jahre Offizier bei der britischen Armee. Heute arbeitet er in der Cyber-Security."

Neben all den beruflichen Projekten setzt sich Désirée Nick auch privat neue Ziele. Der Vorsatz für das Jahr 2026: "Ich möchte weniger arbeiten und mein Privatleben mehr genießen – und vielleicht auch wieder mit der Liebe liebäugeln, vielleicht sogar mit einem Mann", sagt sie offen.
Männer stehen Schlange: Désirée Nick mit Aussortieren beschäftigt
Ganz ohne Interessenten ist sie dabei nicht. Nick schmunzelt: "Ich habe mehrere Bewerber und bin derzeit mit Aussieben beschäftigt." Ihre Ansprüche seien allerdings hoch, betont sie.
"Mein Privatleben spielt sich in Großbritannien ab"
Ob sie eine neue Liebe öffentlich machen würde, lässt Désirée Nick offen. "Das weiß ich noch nicht. Die aktuellen Anwärter sprechen auch alle nur Englisch. Mein Privatleben spielt sich nämlich in Großbritannien ab."
Klar ist nur: Nach Jahren voller Disziplin will sie sich künftig mehr Leichtigkeit erlauben. Oder, wie sie es selbst formuliert: "I wanna have more fun."
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