Tony, der Tanzgott

"Er tanzt göttlich, spannt die Muskeln wie Arnold Schwarzenegger und stolziert auf seinen Plateauschuhen wie Mussolini", schwärmte das "Time"-Magazine nach der Premiere von "Saturday Night Fever" 1977. Auf der ganzen Welt kopierten die Teens den aufreizend lässigen Gang John Travoltas, ließen sich denselben Haarschnitt verpassen - das Phänomen "Disco" wurde zum internationalen Jugendbekenntnis. Knapp 50 Jahre später lockt der Dancefloor weiterhin, was ARTE dazu animiert, den Spielfilm-Klassiker im Rahmen des "Summer of Disco" wieder zu zeigen.
Thematisch traf "Saturday Night Fever" von Regisseur John Badham haargenau den Zeitgeist: Tony Manero (Travolta), ein junger Arbeiter aus dem tristen New Yorker Stadtteil Brooklyn, wird nach einer harten, ereignislosen Woche jeden Samstagabend zum Disco-Star. Wie ein Wirbelwind fegt er über den Tanzboden, reckt die Arme in die Höhe und erobert so das hübscheste Mädchen (Karen Lynn Gorney) von allen. Was der Film an Tiefgang fehlen lässt, macht er durch die glitzernde Inszenierung und den flotten Soundtrack der Bee Gees wieder wett.
Die Gebrüder Gibb kommen im Anschluss bei ARTE auch noch zu einer gesonderten Würdigung. Bei "The Bee Gees: How Can You Mend A Broken Heart" (2020, ab 22.10 Uhr) handelt es sich um eine Dokumentation in Spielfilmlänge, die von Barry Gibb persönlich autorisiert wurde. Nach dem Tod seiner Brüder Robin (2012) und Maurice (2003) ist er das letzte noch lebende Mitglied des legendären Pop-Trios. Der Film von Regisseur Rob Marshall, der kürzlich schon einmal bei ARTE lief und vorab auch in der Mediathek abrufbar ist, möchte herausfinden, "wieso die Musik der drei Brüder seit mehr als einem halben Jahrhundert so beständig und überzeugend ist".
Saturday Night Fever - So. 19.07. - ARTE: 20.15 Uhr