"Todesangst": Karin Thaler spricht über Gefängnisdrama ihrer Mutter
"Ich konnte mir das nicht vorstellen: meine Mama im Gefängnis. Ich hatte immer Angst um sie": "Die Rosenheim-Cops"-Star Karin Thaler (60) spricht im Interview mit spot on news über die Zeit Mitte der 90er, als ihre Mutter wegen versuchter räuberischer Erpressung ins Gefängnis musste.
Die Schauspielerin beschreibt in ihrem Buch "Stark, weil ich stark sein musste: Die Doppelrolle meines Lebens" (Knaur HC, 1.4.) die Beziehung zu ihrer Mutter, die ihr Leben geprägt hat. Während sie vor der Kamera Karriere machte, geriet das Leben ihrer Mutter, die spielsüchtig war, aus den Fugen. Für Thaler und ihren Mann Milos Malesevic bedeutete das auch, dass sie kaum mehr genug Geld für Essen hatten: "Es ging uns richtig, richtig mies", erzählt sie im Interview.
Frau Thaler, Ihr Buch erzählt die Geschichte Ihrer Mutter und Ihre Beziehung zu ihr. Warum teilen Sie dieses Kapitel nun mit der Öffentlichkeit?
Karin Thaler: Weil ich nach dem Tod meiner Mama 2022 ihre Lebensbeschreibung gefunden habe. Sie hat immer gesagt: "Irgendwann schreibe ich ein Buch, dann werden alle alles erfahren." Ich weiß, dass sie mir das jetzt gönnt und sie glücklich ist, dass ich die Chance habe, vielleicht ein bisschen was daran zu verdienen.
Aber vor allem war das Schreiben eines: meine Therapie und Aufarbeitung. Ich habe mir ein Jahr mit der Entscheidung für das Buch Zeit gelassen, habe viel mit meinem engsten Umfeld gesprochen. Mein Mann hat mich sofort unterstützt. Meine beste Freundin Tine, die eine große Rolle spielt, hat mich aber gewarnt: Manche werden denken, du machst das nur wegen des Geldes. Aber es ist eine Wahnsinnsgeschichte. Und sie hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Darum soll die Welt das wissen.
Ihre Mutter war spielsüchtig, hoch verschuldet und saß wegen der versuchten räuberischen Erpressung eines Supermarkts über zwei Jahre im Gefängnis. Was hat diese Zeit mit ihr gemacht?
Thaler: Im Gefängnis kam meine Mama erst einmal zur Ruhe. Niemand kam mehr an sie ran, keine Gläubiger. Für uns als Familie war es eine Katastrophe. Ich konnte mir das nicht vorstellen: meine Mama im Gefängnis. Ich hatte immer Angst um sie. Es war wahnsinnig schlimm. Aber die Liebe - die blieb. Bis zum Schluss. Es hat uns zusammengeschweißt, wir sind dadurch alle stark geworden. Meine Mama hat sich das alles aber nie verziehen. Für mich ist das ein zentraler Punkt: Vergebung. Auch sich selbst zu vergeben. Das ist für mich der Schlüssel zu Glück und Heilung.
Sie standen gerade vor der Kamera, als Ihre Mutter festgenommen wurde. Was ging Ihnen durch den Kopf, als der Anruf kam?
Thaler: Das fühlt sich an wie kurz vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Keine Luft - Todesangst. Aber ich konnte das Gefühl gar nicht zulassen. Ich musste funktionieren, in den Rettungsmodus gehen, einen Anwalt finden, mit der Polizei sprechen - und parallel bin ich zurück ans Set gehetzt, lächeln und Leichtigkeit vorspielen. Das war eine völlig kranke Situation. Ich musste kämpfen und überleben. Ich bin dadurch stark geworden, aber nicht hart. Das ist für mich ganz wichtig.
Sie haben für Ihre Mutter eine Bürgschaft unterschrieben, Geld für sie zurückgezahlt, und ihr gleichzeitig immer wieder Geld gegeben. Wissen Sie, wie viel es am Ende insgesamt war?
Thaler: Als meine Mama am Ende ihres Lebens krank wurde, wollte ich für uns beide einen Schlussstrich ziehen und habe einen Zettel mit dieser Zahl darauf vor ihr zerrissen. Ich habe ihr vergeben und ein Buch der Liebe geschrieben, der Wertschätzung. Es zeigt, wie viel Liebe meine Mama uns geschenkt hat und wie sie uns alleine großgezogen hat, ohne das uns etwas gefehlt hätte.
Durch das Geld, das Sie für Ihre Mutter zurückgezahlt haben, haben Sie und Ihr Mann zwischenzeitlich sehr gelitten. Sie schreiben im Buch, er habe sogar Katzenfutter gegessen.
Thaler: Wir haben lange überlegt, ob das ins Buch kommt. Aber es gehört dazu. Es ging uns richtig, richtig mies. Ich habe gedreht und gedreht. Mein Mann hat auch geschuftet und mir seine ganzen Einnahmen gegeben - und das Geld war sofort wieder weg.
Hat sich Ihr Verhältnis zu Geld dadurch verändert?
Thaler: Heute sage ich: Es ist nur Geld. Für mich sind andere Werte wichtig, tiefe Bindungen zu anderen Menschen, Gesundheit. Damals war es aber existenziell. Ich habe bewundert, wie Kollegen sich mit ihrem Geld etwas aufbauen konnten - und ich habe jeden Tag gekämpft und das auch noch heimlich. Jetzt gönne ich mir Dinge, auch um etwas nachzuholen, mich zu pflegen, meine Seele zu streicheln.
Karin Thaler geht auf Buch-Tour
Mit ihrem Buch ist Karin Thaler bei diesen Lesungen live zu erleben: 11.4. Premiere Rosenheim (ausverkauft), 14.4. Deggendorf (ausverkauft), 15.4. Lengerich - Kulturforum SSP, 16.4. Maria Laach - Klosterforum, 18.4. Leipzig - Buchhandlung Ludwig, 8.5. Zirndorf - erlebe wigner, 20.6. Berlin - Schloßpark Theater, 10.9. Dresden - Thalia Haus des Buches, 3.10. Schönebeck - Dr.Tolberg-Saal, 4.10. Hettstedt - Ratssaal, 10.10. Unterföhring - Bürgerhaus
Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de
- Themen:
- Polizei
