Thomas Anders lehnte Konzerte in Russland ab: "Man hat einen moralischen Kompass"

"Das kann ich nicht gutheißen": Thomas Anders hat sich eindeutig gegen eine Tournee in Russland positioniert. In einem Interview erklärte der Sänger nun die Gründe für die Absage.
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Auftritte in Russland kommen für Thomas Anders derzeit nicht infrage.
Auftritte in Russland kommen für Thomas Anders derzeit nicht infrage. © Getty Images / Andreas Rentz

Schon als Jugendlicher stand er auf der Bühne, 1981 dann auch erstmals im TV: Thomas Anders hat eine bewegte Karriere hinter sich. In mehr als vier Jahrzehnten unterhielt er Fans auf der ganzen Welt mit seiner Musik. Doch Anhänger des Künstlers in einem Land gehen derzeit leer aus: Russland.

Im Talkformat "MusikerGrillen" vom TV-Sender WELT und dem Musikmagazin "Rolling Stone" erklärte der 63-Jährige, er sei für eine Tour in Russland angefragt worden. "Ich habe sofort gesagt: Das mache ich auf gar keinen Fall", sagte Anders. "Das will ich nicht. Das kann ich nicht gutheißen, was da passiert", bezog er sich auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.

Der Künstler schilderte weiterhin: "Man hat einen moralischen Kompass." Dieser verbiete ihm, in einem Land aufzutreten, das sein Nachbarland überfallen habe. "Die Fans haben das überhaupt nicht verstanden, weil ihnen wirklich erklärt wurde: Es ist eine militärische Operation", gab Anders Einblicke in die russische Propaganda, die auch bei seinen Fans ankomme. Mit der Zeit habe sich aber die Erkenntnis breitgemacht: "Mittlerweile wissen die Fans selbst, was los ist, und verstehen auch, dass ich dort nicht auftrete."

Thomas Anders fordert: "Da muss sich ganz oben an der Spitze etwas ändern"

Die Lage sei eine andere gewesen, als er zu UdSSR-Zeiten auf der Bühne gestanden sei, erläuterte Thomas Anders. "Diese Verzahnung von Ukrainern und Russen, die im jeweils anderen Land leben, arbeiten, Verwandtschaft haben, verheiratet sind und Kinder haben, ist ganz eng", fuhr Anders fort. Zur aktuellen politischen Lage sagte er: "Und nun beschuldigt man aus einem imperialistischen Gedankengut heraus die Gegenseite und will sie annektieren und mehr oder weniger vernichten. Es sollen ja wieder Russen werden." Für ihn stehe deshalb fest: "In dieser Welt will ich dort nicht auftreten."

Gleichzeitig empfinde Anders Mitleid für seine Fans, "die im Grunde gar nichts dafür können". Einige hätten zwar die Möglichkeit, Konzerte in Kasachstan oder der Türkei zu besuchen, für "das große Publikum" gelte das aber nicht, so der 63-Jährige. Nach wie vor würden Kontakte aus Russland versuchen, ihn doch von Auftritten in ihrem Land zu überzeugen. "Da muss sich ganz oben an der Spitze etwas ändern. Da muss eine andere Einstellung zur Weltpolitik kommen", erteilte Thomas Anders dem aber eine klare Absage.

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