Thelma Buabeng: "Die wollten mich nur als Sklavin, Prostituierte, Dienstmädchen oder Putzfrau besetzen"

Thelma Buabeng, aufgewachsen im Rheinland, ist die erste schwarze Kommissarin im deutschen Fernsehen, deren Name der Sendungstitel ist. Mit anderen Worten: Die 45-jährige Schauspielerin steht im Mittelpunkt von Lars Beckers ZDF-Krimireihe um eine Fallanalytikerin vom BKA.
Eric Leimann |
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BKA-Fallanalytikerin Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) wird für ihren zweiten Fall nach Frankfurt am Main geschickt. Der erste Film von Lars Beckers geplanter ZDF-Reihe "Die Polizistin" spielte noch an der deutsch-dänischen Grenze. Wie fühlt man sich als schwarze "Polizistin" in Deutschland, Thelma Buabeng?
ZDF und © Studio Zentral. 5 BKA-Fallanalytikerin Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) wird für ihren zweiten Fall nach Frankfurt am Main geschickt. Der erste Film von Lars Beckers geplanter ZDF-Reihe "Die Polizistin" spielte noch an der deutsch-dänischen Grenze. Wie fühlt man sich als schwarze "Polizistin" in Deutschland, Thelma Buabeng?
BKA-Mann Boris Lambert (Tobias Oertel, links) schickt seine Mitarbeiterin Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) nach Frankfurt am Main. Dort wurde ein verdeckter Ermittler in einem Feld in der Nähe der Stadt offenbar hingerichtet. Acheampong taucht in die Halbwelt des Frankfurter Bahnhofsviertels ein, wo ihr toter Kollege ermittelte.
ZDF und © NIK KONIETZNY. 5 BKA-Mann Boris Lambert (Tobias Oertel, links) schickt seine Mitarbeiterin Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) nach Frankfurt am Main. Dort wurde ein verdeckter Ermittler in einem Feld in der Nähe der Stadt offenbar hingerichtet. Acheampong taucht in die Halbwelt des Frankfurter Bahnhofsviertels ein, wo ihr toter Kollege ermittelte.
Zum ersten Mal ermittelte Thelma Buabeng im September 2024 als Gloria Acheampong. "Die Polizistin und die Sprache des Todes" hieß der erste Film einer (eventuell) neuen Krimireihe des Autors und Regisseurs Lars Becker. Den norddeutschen Autor und Regiseur kennt man unter anderem von seiner langlebigen ZDF-Reihe "Nachtschicht".
ZDF und Christine Schroeder. 5 Zum ersten Mal ermittelte Thelma Buabeng im September 2024 als Gloria Acheampong. "Die Polizistin und die Sprache des Todes" hieß der erste Film einer (eventuell) neuen Krimireihe des Autors und Regisseurs Lars Becker. Den norddeutschen Autor und Regiseur kennt man unter anderem von seiner langlebigen ZDF-Reihe "Nachtschicht".
Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) muss sich von den Subkulturen im Frankfurter Bahnhofsviertel erst mal ein Bild machen. Wer betrügt hier wen? Und wer steht loyal zu ihr?
ZDF und © NIK KONIETZNY. 5 Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) muss sich von den Subkulturen im Frankfurter Bahnhofsviertel erst mal ein Bild machen. Wer betrügt hier wen? Und wer steht loyal zu ihr?
Der Frankfurter Polizist Milan Stepanovic (Slavko Popadić) unterstützt Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) bei deren Einsatz in der Main-Metropole.
ZDF und © Studio Zentral. 5 Der Frankfurter Polizist Milan Stepanovic (Slavko Popadić) unterstützt Gloria Acheampong (Thelma Buabeng) bei deren Einsatz in der Main-Metropole.

Geboren ist Thelma Buabeng in Ghana, doch ihre Familie zog ins Bonner Umland, als die kleine Thelma drei Jahre alt war. Sie fühlt sich als "rheinländisches Mädchen", sagt sie, auch wenn ihr bewusst sei, dass schwarze Deutsche immer noch anders behandelt werden als weiße. In Lars Beckers geplanter ZDF-Krimireihe "Die Polizistin" spielte Thelma Buabeng erstmals vor zwei Jahren die titelgebende BKA-Fallanalytikerin Gloria Acheampong. 2024 duellierte sie sich noch mit Nicolas Ofczarek auf dem platten norddeutschen Land. Für ihren neuen Film "Die Polizistin und die Todesstille" (Montag, 21. September, 20.15 Uhr, ZDF, bereits ab 12. September im ZDF-Stream) wechselt sie den Einsatzort und ermittelt im schillernden Frankfurter Bahnhofsviertel. Im Interview erzählt Thelma Buabeng davon, wie man sich als schwarze "Polizistin" und Schauspielerin in Deutschland tatsächlich fühlt.

teleschau: Ihr erster Fall spielte auf dem Land an der deutsch-dänischen Grenze. Nun ermitteln sie in Frankfurt am Main. Hat "Die Polizistin" keine Heimat?

Thelma Buabeng: Es war die Idee von Autor und Regisseur Lars Becker, dass meine Figur eine Fallanalytikerin des BKA ist, die überall dorthin in Deutschland geht, wo sie gerade gebraucht wird. Was ich in Anbetracht vieler deutscher Regionalkrimis eigentlich mal ganz spannend finde.

teleschau: Das heißt, wir sehen Sie im dritten Film wo?

Thelma Buabeng: Noch steht nicht fest, ob es einen dritten Film geben wird. Momentan können wir nur sagen: Der erste Film ist supergut angekommen. Mal sehen, wie es für den zweiten läuft. Danach wird das ZDF entscheiden.

"Ich bin dark skin, also richtig schwarz ..."

teleschau: Lars Becker, den viele als Macher der ZDF-Reihe "Nachtschicht" kennen, hat schon divers besetzt, als es das Wort im deutschen Sprachgebrauch noch nicht richtig gab!

Thelma Buabeng: Das stimmt. Vor 20, vielleicht sogar schon vor 30 Jahren, hat er PoCs (People of Colour, d. Red.) und andere Menschen mit Migrationshintergrund für ganz normale Rollen besetzt. Ohne zu "erklären", warum diese Figuren so aussehen. Damals war er vielleicht sogar der einzige Filmemacher in Deutschland, der so etwas gemacht hat. Wir beide kennen uns seit mindestens zehn Jahren, als ich mal in einer "Nachtschicht" dabei war. Lars besetzt abseits des Klischees. Das gibt seinen Filmen und Reihen einen ganz bestimmten Ton.

teleschau: War es schwer, eine Krimireihe zur Primetime im deutschen Fernsehen durchzusetzen, die einer schwarze Ermittlerin als Titelheldin hat?

Thelma Buabeng: Ob es schwer war, weiß ich nicht. Lars hatte mir nur gesagt, dass er die Idee beim ZDF vorstellt, und es hat offenbar geklappt. Was ja dazu kommt: Ich bin dark skin, also richtig schwarz, und nicht nur light skin, also ein bisschen schwarz. Auch wenn da viele nicht drüber sprechen wollen: Es macht schon noch mal einen Unterschied. Je dunkler man ist, desto mehr wird man von jenen Leuten abgelehnt, die ein generelles Problem mit Hautfarbe haben.

teleschau: Sie sind in der rheinischen Provinz in der Nähe von Bonn aufgewachsen. In einem Interview haben sie mal gesagt: Richtigen Rassismus habe ich erst erfahren, als ich mit dem professionellen Schauspiel angefangen habe. Das müssen Sie erklären ...

Thelma Buabeng: Ich war im Kindergarten und in der Schule meist die einzige Schwarze. Natürlich gab es auch da Formen von Rassismus, aber die haben mich nicht so stark berührt. Es fing schon damit an, dass mein Bruder und ich in der Grundschule gute bis sehr gute Noten hatten - man uns aber trotzdem eine Empfehlung für die Hauptschule gegeben hat. Mit der Begründung: Da sind die ganzen Migranten, da fühlen sich die Kinder wohl. Richtig krass wurde es für mich tatsächlich erst später, während und nach der Schauspiel-Ausbildung.

"Ich bin vom Herzen her ein rheinisch-fröhliches Mädchen"

teleschau: Was passierte da?

Thelma Buabeng: Die wollten mich nur als Sklavin, Prostituierte, Dienstmädchen oder Putzfrau besetzen. Es waren in der Regel kleine Rollen, die alten Klischees entsprachen. Ich bin vom Herzen her ein rheinisch-fröhliches Mädchen, eben mit schwarzer Hautfarbe. Dass ich vor allem im Job anders wahrgenommen wurde, hat mich wütend und traurig gemacht. Im Film sollte man ja denken: Da ist alles möglich. Aber selbst in Genres wie Fantasy oder Science Fiction wurde in der Regel nach äußeren Klischees besetzt. Das fand ich schon sehr frustrierend.

teleschau: Aus welchem Elternhaus kommen Sie?

Thelma Buabeng: Mein Vater war Arbeiter, meine Mutter hat als Sekretärin zunächst bei der sambischen Botschaft gearbeitet. Wir waren keine Intellektuellen, aber man wusste und sagte uns Kindern immer: Ihr müsst besser sein als die anderen, wenn ihr etwas erreichen wollt. Insofern war Rassismus immer schon in unserem Bewusstsein. Wir wussten früh, dass es da ein Problem geben könnte damit, wie wir aussehen.

teleschau: Haben Sie denn an der Schaupielschule Rassismus erfahren?

Thelma Buabeng: Nicht direkt, man hat mich nur aufs Berufsleben mit der knallharten Aussage vorbereitet: "Thelma, am Theater ist es grundsätzlich schwer für Frauen. Es gibt weniger gute Rollen als für Männer. Frauen sind meist Heilige oder Huren - und dabei blond und zierlich. Wenn die am Theater Schwarze brauchen, werden weiße Schauspieler schwarz angemalt. Deswegen orientiere dich mal lieber in Richtung Film." Das habe ich auch getan, stellte aber auch da fest, dass viel mit Klischees gearbeitet wurde. Mittlerweile wird es besser, aber es hat lange gedauert in Deutschland - und wir sind noch nicht am Ziel. Irgendwann sagte mal eine Frau vom Fernsehen zu mir: "Wir müssen den Zuschauern schon erklären, wie du aus dem Busch hierhergekommen bist."

teleschau: Bei der Fußball-WM 2006 gab es mit Gerald Asamoah, David Odonkor und Patrick Owomoyela nur drei schwarze Spieler im deutschen Kader. Heute stehen bisweilen 50 Prozent schwarze Spieler für Deutschland auf dem Platz. In 20 Jahren hat sich Deutschland viel getan, oder?

Thelma Buabeng: Die Gesellschaft ist eine andere, aber das ist nicht überall angekommen. In Film und Fernsehen wird bisweilen immer noch ein überkommenes Bild deutscher Realität gezeigt. Aber wie gesagt: Es geht in die richtige Richtung. Gesellschaftlich war es jedoch schon mal besser. Rund um "Black Lives Matter" hat das Thema Rassismus viel Aufmerksamkeit bekommen. Auf einmal waren auch in der Werbung viele Migranten zu sehen: Frauen mit Kopftuch, schwarze Menschen. Alle marginalisierten Gruppen bekamen auf einmal Präsenz. Ich war richtig gehyped davon damals (lacht). Leider bewegen wir uns momentan wieder in die anderen Richtung. Die Leute sind eher genervt vom Diversity-Thema. Nach dem Motto: Wir haben doch jetzt genug drüber geredet. Über den Rechtsruck in Deutschland muss ich ja nichts erzählen. Der ist messbare Realität.

"Höre von vielen schwarzen Kolleginnen, dass sie mittlerweile mehr arbeiten können"

teleschau: Sie haben 2020 eine WhatsApp-Gruppe schwarzer Frauen gegründet, die sich austauscht und gegenseitig unterstützt...

Thelma Buabeng: Ja, die "Sisters", das ist eine witzige Geschichte. Ursprünglich waren wir zehn Frauen, die sich während Corona supporten wollten. Daraus ist schnell eine große Gruppe schwarzer Frauen und nicht binärer Personen geworden, die sich dann auch in verschiedenen Untergruppen austauschte und gegenseitig half. Mittlerweile haben wir die Maximalgröße von WhatsApp-Gruppen mit 1.024 Personen erreicht. Es geht es um alle möglichen praktischen Hilfe - von Jobs bis hin zum Support von Leuten, die schlecht Deutsch können und Hilfe brauchen, sich hier zurechtzufinden.

teleschau: Schwarze Filmschaffende sind in Deutschland noch nicht so präsent wie in den USA oder Großbritannien. Ist da etwas am Entstehen?

Thelma Buabeng: Der amerikanische und angelsächsische Raum hat natürlich eine ganz andere Tradition und Selbstverständlichkeit, was schwarze Kreative im Film angeht. Doch auch hier geht es so langsam los. "Schwarze Früchte" war ein sehr interessantes und preisgekröntes Serienprojekt. Ich höre von vielen schwarzen Kolleginnen, dass sie mittlerweile mehr arbeiten können. Das ist sehr erfreulich. Mehr eigene Projekte ins Leben zu rufen, ist nun der nächste Schritt. Was mir am Herzen liegt, ist der Film "Billie" von Sheri Hagen, bei dem ich auch mitspiele. Es ist ein deutscher Indie-Film einer schwarzen Filmemacherin mit einigen schwarzen Darstellerinnen, der toll geworden ist und jede Unterstützung verdient. Es geht um Freundschaft, Liebe, aber auch um häusliche Gewalt. Der Film hat sieben Jahre gebraucht, um seine Finanzierung zu bekommen. Das sagt einiges, aber dass der Film nun in die Kinos kommt, zeigt auf der anderen Seite: Es bewegt sich etwas.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur teleschau. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an info@teleschau.de

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